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Trasteco gegen Lempertz : Außergerichtlich endlich Ruhe

Ein Gerichtsverfahren und viele Gewinner? Das Zivilverfahren im Fall Beltracchi endet für Trasteco und das Auktionshaus Lempertz mit einem Vergleich.

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          Die erste Information kam von der Genfer Artvera’s Galerie, inzwischen ist die außergerichtliche Einigung zwischen dem Kölner Kunsthaus Lempertz und der auf Malta ansässigen Firma Trasteco von allen Seiten bestätigt. Der Hergang zur Erinnerung: Artevera’s hatte 2008 ihrem Kunden Trasteco geraten, das angeblich von Heinrich Campendonk stammende Gemälde „Rotes Bild mit Pferden“, das Trasteco 2006 zum Rekordpreis von rund 2,9 Millionen Euro (mit Aufgeld) bei Lempertz in Köln ersteigert hatte, einer naturwissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen. Diese Materialprüfung brachte die Fälschung an den Tag und löste damit den größten Fälscherskandal in Deutschland seit 1945 aus, um Wolfgang Beltracchi und seine Komplizen.

          Durch den Verkauf einer Hypothek entschädigt

          Während der Strafprozess gegen Beltracchi, seine Frau und zwei Helfershelfer in gerade mal neun Sitzungstagen vor einem Jahr vorm Kölner Landgericht - unbefriedigend genug für alle, die gern Hintergründe aufgehellt gesehen hätten - über die Bühne ging, zog sich die zivilrechtliche Klage, die Trasteco gegen Lempertz auf Rückzahlung des Kaufpreises anstrengte, über gut vier Jahre hin. Ende September verurteilte das Kölner Landgericht dann Lempertz zur Zahlung von Schadensersatz an die Trasteco - in Höhe von weiteren rund zwei Millionen Euro, nachdem Lempertz bereits knapp 800.000 Euro an Trasteco bezahlt hatte. Lempertz kündigte Berufung an.

          Ehe es zu einer Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht in Köln kam, hat jetzt ein außergerichtlicher Vergleich zwischen den Parteien den jahrelangen Streit beendet. Und bei dieser Einigung werden der Betrüger und seine Ehefrau selbst - indirekt - mit ihrem Vermögen zur Kasse gebeten: Denn die Anwälte von Trasteco hatten schon früher Hypotheken zur Sicherung der Ansprüche auf die Grundstücke der Beltracchis in Frankreich und in Freiburg eintragen lassen, eben in Höhe von etwa zwei Millionen Euro. Da sich inzwischen ein Interessent für die Grundstücke gefunden hat, an den die Sicherungshypothek verkauft werden konnte, kann dieses Geld zur Entschädigung von Trasteco verwendet werden.

          Alle beteiligten Seiten können mit diesem Vergleich zufrieden sein. Die Trasteco vor allem, weil sie wohl ihr gesamtes Geld zurückbekommt, wie die Anwältin der Firma, Friederike Gräfin Brühl, dieser Zeitung gegenüber bestätigte: Das gilt einschließlich des, innerhalb von vier Jahren aufgelaufenen Zinsverlusts und weiterer, der Trasteco entstandener Kosten. Die letzteren beiden Posten gehen dabei zu Lasten des Kunsthauses Lempertz, wie sein Sprecher auf Anfrage bestätigte, dazu die noch ausstehenden Kosten für das Verfahren.

          Für Lempertz ist die außergerichtliche Einigung deshalb gut, weil das Haus auf diese Weise am Ende nicht für die gesamte Summe von rund 2,9Millionen Euro aufkommen muss - und nicht zuletzt wohl auch, weil keine zweite Instanz folgt, die womöglich das erstinstanzliche Urteil des Kölner Landgerichts bekräftigt hätte. Auch Lempertz will übrigens sein Geld von Wolfgang Beltracchi eintreiben. Man wird sehen, was bei dessen Insolvenz noch so übrig bleibt.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

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