https://www.faz.net/-gqz-9umo2

Top Ten Kunstauktionen 2019 : Die teuersten Kunstwerke in Deutschland

Absolute Spitzenwerke bleiben rare Ware. Und die Kundschaft bleibt wählerisch. Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern entspricht dem Trend im internationalen Auktionsmarkt.

          2 Min.

          Im deutschen Auktionsjahr 2019 hat das Münchner Haus Ketterer die Nase vorn, dort fiel der Hammer viermal bei einer Million Euro oder darüber, was zugleich die ersten vier Positionen in den Top Ten bedeutet. An der Spitze liegt, seit Juni schon, Wassily Kandinskys „Treppe zum Schloss (Murnau)“. Das Bild, das eine Weile als verschollen galt, ging an eine deutsche Privatadresse. Im November 2018 war es bei Sotheby’s in New York gescheitert, nicht in jedem Fall liegen die besseren Verkaufschancen für hochrangige deutsche Kunst dort oder in London.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Günther Uecker hält sich weiter ganz oben, wo wir ihn nun schon im dritten Jahr in Folge im siebenstelligen Bereich antreffen. Einmal mehr überflügelt er seinen Kollegen Gerhard Richter, dessen – freilich nicht großes – „Abstraktes Bild“ von 1980 Ketterer für 820.000 Euro zuschlagen konnte. Nach München hat sich diesmal auch die Expressionismus-Domäne verlagert, mit Kirchners „Heimkehrender Ziegenherde“, die in die Fondazione Braglia in Lugano geht, und mit Max Pechsteins rasanten „Tänzern“, die vom Folkwang-Museumsverein für die Sammlung des Museums Folkwang in Essen übernommen wurden.

          Grisebach in Berlin, sonst ebenfalls erfolgsgewohnt, muss sich mit dem Preis von einer Million Euro, auf dem geteilten vierten Platz, begnügen für ein Spätwerk von Marc Chagall, das zugunsten eines Schweizer christlich-jüdischen Hilfswerks versteigert wurde (und erst in der Nachverhandlung definitiv vermittelt werden konnte). Bei Grisebach reichte es noch für die Fotografie; siebzig große Originalabzüge von August Sander aus dem Bestand des „Art Photography Fund“ kamen auf starke 770.000 Euro. Van Ham in Köln – 2017 mit dem Hammerpreis von 2,2 Millionen Euro für Ueckers wogende Nagelkreise „Both“ an der deutschen tête und 2018 mit Heinz Macks „Kleinem Urwald“ für 800.000 Euro unterwegs – konnte sich in diesem Jahr gar nicht plazieren; der höchste Zuschlag erging dort für ein kleines „Fuji“-Gemälde auf Alucobond von Richter bei 340.000 Euro. Die Kölner Konkurrenz Lempertz sicherte sich ihren Auftritt in den Top Ten mit Max Liebermanns „Judengasse in Antwerpen“. (Weitere Ergebnisse der führenden Häuser folgen Anfang Januar.)

          7. Kriegsgott Mars, 2. Jahrhundert n. Chr., römisch, Marmor, 182 Zentimeter hoch: Zuschlag 800 000 Euro (Taxe 750 000/1,2 Millionen), am 27. Juni bei Hampel in München. Bilderstrecke
          Auktionsjahr in Deutschland : Es lief gar nicht so schlecht

          Wie schon 2018, mit einem Bild von Jan Bruegheld.Ä., ist das Münchner Haus Hampel für eine Plazierung gut: Der römische „Mars“, zugeschlagen für 800.000 Euro, scheint durch seine Provenienzen jedenfalls abgesichert. Um 1800 hat er sich wohl in einer europäischen Privatsammlung befunden, wo ihn, laut Katalog, Jacques-Louis David abzeichnete. Der „Vorbesitzertradition“ gemäß soll die lebensgroße Marmorskulptur danach in einer französischen Privatsammlung gewesen sein, ehe sie in den Besitz des chilenischen fotorealistischen Malers Claudio Bravo (1936 bis 2011) kam, der sie in seiner Villa in Marokko aufgestellt hatte, wo er die letzten dreißig Jahre seines Lebens verbrachte.

          Allein mit acht Zuschlägen ist Ketterer diesmal in den Top Ten vertreten, und das Münchner Haus nennt einen Jahresgesamtumsatz von „rund 62 Millionen Euro“ (inklusive der Buchauktionen), das beste Resultat der Firma jemals. Von Grisebach werden „knapp vierzig Millionen Euro“ gemeldet. Im Vorjahr gab es vier Gebote von einer Million oder mehr, diesmal sind es insgesamt fünf. Kein Ausreißer ist in diesem Feld; es sind seriöse Preise für gute Werke. Dass dennoch künstlerische Wertschätzung und individueller Geschmack immer für eine Überraschung gut sind, zeigt Anita Rées Gemälde „Blaue Frau“, das von Ketterer gar nicht in der Abendveranstaltung gelistet war, sondern in der Tagesauktion mit Klassischer Moderne; der Zuschlag ging an einen amerikanischen Privatsammler.

          Es bleibt also bis auf weiteres dabei: Der Mangel an ganz herausragenden Losen hält an, und wer im Moment seine Kunst nicht verkaufen muss, behält sie lieber. Das ist kein typisch deutsches Phänomen, denn auch der internationale Auktionsmarkt ist derzeit alles andere als in der Verfassung eines Höhenflugs. Das lässt sich Vernunft nennen, weniger freundlich heißt es eine Delle.

          Die teuersten Kunsterke in deutschen Auktionen 2019

          1. Wassily Kandinsky, „Treppe zum Schloss (Murnau)“, 1909, Öl auf Malkarton, 44,9 mal 33 Zentimeter: Zuschlag 2 Millionen Euro (Taxe 1,5/2,5 Millionen), am 7. Juni bei Ketterer in München.

          2. Günther Uecker, „Weißes Feld“,1994, Nägel, weiße Farbe über Leinwand auf Holz, 150 mal 150 Zentimeter: Zuschlag 1,35 Millionen Euro (Taxe 500 000/700 000), am 6. Dezember bei Ketterer in München.

          3. Ernst Ludwig Kirchner, „Heimkehrende Ziegenherde“, 1920, Öl auf Leinwand, 80 mal 90,5 Zentimeter: Zuschlag 1,25 Millionen Euro (Taxe 400 000/600 000), am 6. Dezember bei Ketterer in München.

          4a. Marc Chagall, „Les fiancés aux anémones“, 1979, Öl, Tempera auf Leinwand, 91,5 mal 64,5 Zentimeter: Zuschlag 1 Million Euro (Taxe 1/1,5 Millionen), am 28. November bei Grisebach in Berlin.

          4b. Max Pechstein, „Tänzer“, 1910, Öl auf Leinwand, 551 mal 55,4 Zentimeter: Zuschlag 1 Million Euro (Taxe 600 000/800 000), am 6. Dezember bei Ketterer in München.

          5. Andy Warhol, „Portrait of a Lady“, 1985, Siebdruckfarbe auf Leinwand, 101,6 mal 101,6 Zentimeter: Zuschlag 900 000 Euro (Taxe 400 000/600 000), am 7. Juni bei Ketterer in München.

          6. Gerhard Richter, „Abstraktes Bild (605-2)“, 1986, Öl auf Leinwand, 62 mal 72 Zentimeter: Zuschlag 820 000 Euro (Taxe 600 000/800 000), am 6. Dezember bei Ketterer in München.

          7. Kriegsgott Mars, 2. Jahrhundert n. Chr., römisch, Marmor, 182 Zentimeter hoch: Zuschlag 800 000 Euro (Taxe 750 000/1,2 Millionen), am 27. Juni bei Hampel in München.

          8. August Sander, 70 Porträts aus „Menschen des 20. Jahrhunderts“, 1912-1932, großformatige Silbergelatineabzüge: Zuschlag 770 000 Euro (Taxe 300 000/500 000), am 27. November bei Grisebach in Berlin. Hier abgebildet: „Die Jungbauern“, 1914.

          9a. Max Liebermann, „Judengasse in Amsterdam“, 1909, Öl auf Leinwand, 128 mal 178 Zentimeter: Zuschlag 700 000 Euro (Taxe 600 000/800 000), am 31. Mai bei Lempertz in Köln.

          9b. Anita Rée, „Blaue Frau“, vor 1919, Öl auf Leinwand, 91 mal 70,5 Zentimeter: Zuschlag 700 000 Euro (Taxe 40 000/60 000), am 7. Dezember bei Ketterer in München.

          10. Tony Cragg, „Runner“, 2013, Edelstahl, Unikat, 153 Zentimeter hoch: Zuschlag 650 000 Euro (Taxe 200 000/300 000), am 6. Dezember bei Ketterer in München.

           

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein AfD-Mitglied beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am vergangenen Wochenende

          Vor dem Parteitag : Die AfD trifft sich im Wunderland

          Rund 600 Delegierte wollen auf dem Gelände des einstigen Kernkraftwerks in Kalkar über ein Rentenkonzept debattieren – unter strikter Einhaltung der Maskenpflicht, sonst droht ein Abbruch.
          Im Visier von Aktivisten: Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank aus Wiesbaden.

          Immobilienfinanzierer : Aktivisten machen Druck auf Krisenfirmen

          Die Zahl der Kampagnen von aktivistischen Investoren stieg in den letzten Jahren an. Gerade auf Corona-Verlierer an der Börse kommen sie zu. Warum hat Petrus Advisers die Aareal Bank im Visier?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.