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Top Ten internationale Kunst : Die teuersten Werke des Jahres 2019

Bei den internationalen Top Ten dieses Jahres firmiert kein Hammerpreis oberhalb der Hundert-Millionen-Grenze. Bis auf Weiteres herrscht das Bedürfnis nach Sicherheit bei den Käufern vor.

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          Was sich für dieses Jahr im internationalen Hochpreissegment mit Bestimmtheit feststellen lässt: unbedingt auf Nummer Sicher gehen! Kein Zuschlag oberhalb der Hundert-Millionen-Dollar-Grenze; die angesprochene Klientel ist vorsichtig, was auch bedeutet, dass sie immer stärker auf Werte setzt, die schon andere zuvor etabliert haben.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das trifft besonders auf den „Rabbit“ von Jeff Koons zu. Er kam aus der immensen Kollektion von S.I.Newhouse, dem 2017 gestorbenen Verleger der Condé-Nast-Gruppe. Der Käufer soll, laut der „New York Times“, am 15. Mai im Saal von Christie’s in New York der Kunsthändler und frühere Goldman-Sachs-Banker Robert E.Mnuchin gewesen sein, der Vater von Donald Trumps Finanzminister Steven Mnuchin. Bestätigt ist das nicht, und natürlich kann das im Auftrag eines Kunden geschehen sein. Mit dem Hammerpreis von achtzig Millionen Dollar liegt Koons’ „Rabbit“ jetzt gleichauf mit David Hockneys Gemälde „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ von 1972, das im November 2018 am selben Ort zugeschlagen wurde. Hockneys „Henry Geldzahler and Christopher Scott“, aus der Barney A.Ebsworth Collection, war für etwas mehr als die Hälfte davon zu haben.

          Dabei war Koons’ Häschen nicht mit der Abnahmegarantie einer dritten Partei versehen, allerdings eben durch seine Herkunft geadelt. Die Newhouse-Provenienz teilt die Edelstahlplastik mit zwei weiteren Positionen der internationalen Top Ten, dem charakteristischen Cézanne und dem attraktiven Van Gogh, den Newhouse im Jahr 2004 in der Gagosian Gallery gekauft hatte. Solche Werke heißen in der Auktionssprache gern seminal – entsprechend bahnbrechend sind ihre Preise, dann doch gut über der Schätzung, die meist nur „upon request“ benannt wird.

          Aus einer anonymen „wichtigen Privatsammlung“ kamen die „Meules“ von Claude Monet, allerdings abgesichert durch ein unwiderrufliches Gebot und eine Garantie. Sie sind das einzige Los überhaupt, das 2019 – das Aufgeld eingerechnet – die Hundert-Millionen-Grenze überschritten hat. Im Jahr 2016 führte ebenfalls ein „Meule“-Gemälde die Rangliste an, aus demselben Jahr 1891 und in gleicher Größe, mit 72,5 Millionen Dollar. Ob der nicht unbeträchtliche Preisunterschied daran liegt, dass Monet auf diesem Bild nur eine einzige Heuhocke positioniert hat? Für alle Fälle von einer Garantie geschützt war auch Ed Ruschas kultiges Gemälde „Hurting the World Radio#2“, das aus der Sammlung von Joan and Jack Quinn in Beverly Hills eingeliefert wurde und tatsächlich einen Auktionsrekord für Ruscha schaffte. Und der farbschöne Rothko hatte gleichsam ein doppeltes Netz: Ihm galt ein unwiderrufliches Gebot samt Garantie, außerdem versteigerte Sotheby’s das Bild im Auftrag des San Francisco Museum of Modern Art, zugunsten des Ankaufsetats; dem Museum geschenkt wurde es einst von Peggy Guggenheim, die es bei Rothko direkt erworben hatte.

          Picassos Porträt der Jaqueline Roque ging durch die Hände der Galerie Louise Leiris und von Beyeler in Basel und befand sich seit 1990 in derselben japanischen Privatsammlung. Dass Picasso und Warhol, die beiden neuen Alten Meister, gleichauf liegen, hat einen gewissen Reiz. Wobei sich Warhol seit nun Jahren unerhört gut hält, wann immer Spitzenwerke von ihm erscheinen – wie 2017 die monumentalen „Sixty Last Suppers“ für 56Millionen Dollar.

          Mitte 2019 hat der israelisch-französische Unternehmer und Milliardär Patrick Drahi Sotheby’s gekauft und nimmt die Firma von der Börse. Ob sich deshalb etwas im Verhältnis der Erzrivalen Christie’s und Sotheby’s ändert, wird sich erweisen. Jedenfalls muss Sotheby’s fortan so wenig die Details seiner Bilanzen offenlegen wie Christie’s, das seit 1998 dem französischen Entrepreneur François Pinault gehört. Die Top Ten 2019 spiegeln einen ausgesprochen moderaten Markt, zumal im Vergleich zum Vorjahr, mit damals zwei Zuschlägen oberhalb der hundert Millionen. Dafür müssen freilich die Kunstwerke verfügbar sein. Der gegenwärtige Zustand ist geprägt von der Marktvernunft der Käufer, Hochstimmung sieht anders aus.

          Die teuersten Kunstwerke in internationalen Auktionen 2019

          1. Claude Monet, „Meules“, 1891, Öl auf Leinwand, 72,7 mal 92,6 Zentimeter: Zuschlag 97 Millionen Dollar (Taxe „mehr als“ 55 Millionen), am 14. Mai bei Sotheby’s in New York

          2. Jeff Koons, „Rabbit“, 1986, rostfreier Stahl, 104,1 Zentimeter hoch: Zuschlag 80 Millionen Dollar (Taxe 50/70 Millionen), am 15. Mai bei Christie’s in New York

          3. Robert Rauschenberg, „Buffalo II“, 1964, Öl und Siebdruckfarbe auf Leinwand, 243,8 mal 183,8 Zentimeter: Zuschlag 78 Millionen Dollar (50/70 Millionen), am 15. Mai bei Christie’s in New York

          4. Paul Cézanne, „Bouilloire et fruits“, 1888/90, 48,6 mal 60 Zentimeter: Zuschlag 52 Millionen Dollar (Taxe um 40 Millionen), am 13. Mai bei Christie’s in New York

          5a. Pablo Picasso, „Femme au chien“, November/Dezember 1962, Öl auf Leinwand, 162 mal 130 Zentimeter: Zuschlag 48 Millionen Dollar (Taxe 25/30 Millionen), am 14. Mai bei Sotheby’s in New York

          5b. Andy Warhol, „Double Elvis (Ferus Type)“, 1963, Siebdruckfarbe und Silberfarbe auf Leinen, 208 mal 134 Zentimeter: Zuschlag 48 Millionen Dollar (Taxe 50/70 Millionen), am 15. Mai bei Christie’s in New York

          6. Ed Ruscha, „Hurting the Word Radio #2“, 1964, Öl auf Leinwand, 150 mal 140,3 Zentimeter: Zuschlag 46 Millionen Dollar (Taxe 30/40 Millionen), am 13. November bei Christie’s in New York 

          7. Francis Bacon, „Study for a Head“, 1952, Öl und Sand auf Leinwand, 66 mal 56 Zentimeter: Zuschlag 44 Millionen Dollar (Taxe 20/30 Millionen), am 16. Mai bei Sotheby’s in New York 

          8. Mark Rothko, „Untitled“, 1960, Öl auf Leinwand, 175,3 by 127,3 Zentimeter: Zuschlag 43,75 Millionen Dollar (Taxe 35/50 Millionen), am 16. Mai bei Sotheby’s in New York

          9. David Hockney, „Henry Geldzahler and Christopher Scott“, 1969, Acryl auf Leinwand, 214 mal 305 Zentimeter: Zuschlag 33 Millionen Pfund (Taxe um 30 Millionen) = 43,329 Millionen Dollar, am 6. März bei Christie’s in London 

          10. Vincent van Gogh, „Arbres dans le jardin de l’asile“, 1889, Öl auf Leinwand, 41,6 mal 33,5 Zentimeter: Zuschlag 35 Millionen Dollar (Taxe um 25 Millionen) am 13. Mai bei Christie’s in New York

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