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Achenbach-Prozess : Der Anwalt war schon informiert

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Es geht um Millionenbetrug am deutschen Geldadel: Im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach sollen auch einige schwerreiche ehemalige Kunden als Zeugen aussagen. An diesem Mittwoch hatten die Ermittler das Wort.

          Im Millionenbetrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach sollen auch die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht und weitere reiche Kunden des Angeklagten aussagen. Babette Albrecht sei für den 19. Januar als Zeugin in das Landgericht Essen geladen, sagte Richter Johannes Hidding am Mittwoch. Eine Anzeige der Kinder von Berthold Albrecht hatte Ende April die Ermittlungen gegen Achenbach ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen vor, den 2012 gestorbenen Berthold Albrecht bei Kunst- und Oldtimerverkäufen um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben.

          Als Zeugen hat das Gericht auch den Pharma-Unternehmer Christian Boehringer sowie ein Ehepaar geladen. Achenbach soll sie mit einem mitangeklagten Ex-Geschäftspartner bei Kunstverkäufen über die Beratungsfirma Berenberg Art Advice getäuscht haben. Dabei soll laut Anklage ein Schaden von weiteren insgesamt 1,8 Millionen Euro entstanden sein. Die Beratungsfirma war aufgelöst worden, nachdem Unregelmäßigkeiten bei den Geschäften Achenbachs aufgeflogen waren. Achenbach hatte Boehringer daraufhin entschädigt.

          Achenbach hatte am ersten Prozesstag ein Teilgeständnis abgelegt. Er hatte eingeräumt, teilweise „unberechtigte Aufschläge“ bei den Kunstverkäufen an seinen Duzfreund Albrecht vorgenommen und auch die Preise auf Rechnungen eigenhändig nach oben manipuliert zu haben.

          Erstmals wurden an diesem Mittwoch Details zu den Ermittlungen gegen den bekanntesten Kunstberater Deutschlands bekannt. Der ermittlungsführende Kriminalhauptkommissar berichtete als Zeuge über die Durchsuchungen in Achenbachs Firmensitz in Düsseldorf. Die Büroräume seien parallel zur Festnahme am 10. Juni durchsucht worden.

          Seit über einem halben Jahr in Untersuchungshaft

          Überraschend sei in den Büros bereits ein Anwalt Achenbachs gewesen und habe den Beamten einen Ordner mit der Aufschrift „Albrecht“ übergeben, sagte der Kommissar. Der Ordner habe Unterlagen zu den Kunst- und Oldtimerverkäufen enthalten. Wer den Anwalt so schnell informiert habe, sei unklar.

          Achenbach war nach der Rückkehr vom Quartier der Nationalelf in Brasilien auf dem Düsseldorfer Flughafen festgenommen und direkt ins Untersuchungsgefängnis gebracht worden. Dort sitzt er inzwischen seit über einem halben Jahr ein.

          Fälschlich in den Akten gelandet

          Rätsel gibt auch ein undatierter und nicht unterschriebener Brief Achenbachs an den Aldi-Erben auf, der in dem „Albrecht-Ordner“ gefunden wurde. In dem vor Gericht verlesenen Brief mit der Anrede „Lieber Berthold“ unterteilt Achenbach seine Kunstverkäufe an den Milliardär in Geschäfte mit Preisaufschlägen und siebenjähriger Rücknahmegarantie sowie in einfache Geschäfte nur auf Provisionsbasis.

          Achenbach hatte in seiner Einlassung vergangenen Montag erklärt, er habe seine Geschäfte mit Albrecht mündlich vereinbart. Den Brief habe er aufgesetzt, als die „Sache mit Berenberg“ aufgeflogen sei. Das Papier sei nicht für Dritte gedacht gewesen. Achenbachs Verteidiger Thomas Elsner sagte, das Schreiben sei „fälschlich“ in den Ordner mit den Albrecht-Akten gelangt.

          Möglicherweise hatte Achenbach den Brief erst nach dem Tod Albrechts, der im Oktober 2012 starb, aufgesetzt. Nach Angaben seines Anwalts hatte Albrechts Witwe den Kunstberater gebeten, ihr nähere Informationen über seine Einkäufe und die Geschäftsbeziehungen zu ihrem Mann zu geben.

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