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The Frankfurt Art Experience : Hinter diesen Werken wartet die Gegenwart

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Radikal real: Frankfurt startet mit femininen Provokationen, der Frage nach Konzepten von Männlichkeit und der neuen Messe „Paper Positions“ in die Saison.

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          An diesem Wochenende ist Frankfurt die Bühne der deutschen Kunstwelt. Noch in keinem Jahr zuvor haben die Organisatoren des traditionsreichen Saisonstarts der Frankfurter Galerien ein so großes Fest der zeitgenössischen Kunst auf die Beine gestellt. Unter dem Titel „The Frankfurt Art Experience“ beteiligen sich zur 25. Ausgabe nicht nur mehr als fünfzig Galerien, sondern auch verschiedenste Kunsteinrichtungen und Kulturinstitutionen. Zudem feiert die Kunstmesse „Paper Positions“ ihr Debüt und bringt damit zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder eine zeitgenössische Kunstmesse an den Main. Im „Flair of Frankfurt“, einem Neubauprojekt in Laufweite zur Hauptwache, kommen vierzig Galerien aus der Stadt und dem ganzen Land zusammen, um zeitgenössische Kunst zu zeigen, die auf dem Medium Papier basiert oder die Zeichnung in den Mittelpunkt stellt. Stattfinden wird die Messe, an der viele lokale Galerien wie Bernhard Knaus Fine Art, Barbara von Stechow oder Martin Mertens teilnehmen, noch bis zum 8. September und damit parallel zum Kunstwochenende.

          Die Messe ist die vierte Ausgründung der „Positions Art Fair“, die in Berlin startete und mittlerweile auch in Basel und München veranstaltet wird. Anders als die klassischen Kunstmessen, orientieren sich die Frankfurter am „Salonkonzept“, was bedeutet, dass die Aussteller ihre Werke nicht in abgetrennten White-Cube Räumen präsentieren, sondern alle Zeichnungen offen gezeigt werden, um einen intensiven Dialog zwischen den unterschiedlichen Arbeiten zu ermöglichen. Doch auch die Galerien selbst präsentieren in ihren eigenen Ausstellungen zum Saisonstart interessante Newcomer, bekannte Gesichter und innovativ kuratierte Ausstellungen.

          So werden in der Galerie „Rundgaenger“ erstmal die Künstlerin Marion Fink aus dem Allgäu und der rumänische Künstler Sebastian Hosu ausgestellt. Unter dem Titel „Body Forms“ treten die Werke der beiden in einen künstlerischen Austausch. Marion Fink, die 1987 geboren wurde, fertigt farbgewaltige Malereien und Zeichnungen, die sie stets mit poetischen Sätzen betitelt. Das wird im Gemälde „Due to the sweet feeling of stagnation the crime never happened“ ersichtlich. Dieses Bild ist eine reine Provokation, denn es zeigt im Stil der neuen Sachlichkeit eine Frau bei der Vorbereitung eines Verbrechens. Die Lederhandschuhe sind über die Beine eines Hockers gezogen, einer hält eine qualmende Zigarette.

          Marion Fink malt gerne Frauen, die sie ins Realistische steigert. Sie schafft eine Traumwelt, inszeniert junge Menschen mit verzerrten Blicken, auch in der schwierigsten Lage, wie in „The Wave“, einer Monotypie aus dem Jahr 2018: Eine Frau umklammert eine Welle, sucht nach Halt. In ihren Augen ist Angst ebenso sichtbar wie Melancholie. Ihre Bilder sind Psychogramme einer suchenden, jungen Generation. Ebenso farbgewaltig, aber in Gegensatz zu Fink völlig verschwommen, sind die Gemälde und Zeichnungen von Hosu. Wie bei einem fotografischen Schnappschuss bannt er Momente der schnelllebigen Gegenwart auf die Leinwand. Er skizziert mithilfe von Kohlekreide Szenen auf Großformat. Die Verwackelungen in den Bildern transformieren zu zeichnerischen Schnappschüssen. Stets im Hintergrund stellt der Künstler die Natur dar, während im Vordergrund Menschen surfen, tanzen oder nachdenklich in die Welt blicken. Dadurch wirken die Bilder wie Fenster in das Gegenwartsdasein (bis 16. November, Preise 1000 bis 12600 Euro).

          Bei Schiercke Seinecke verwandelt sich die Galerie in ein fotografisches Fenster nach Rheinland-Pfalz. In „Falten und Fugen“ zeigt die Fotografin Andrea Grützner die Bilder ihrer Serie „Das Eck“, welche 2015 entstanden ist. Damals war Grützner Stadtfotografin von Koblenz und fertigte fotografische Arbeiten an, die Einblick in das psychologische Innenleben der Deutschen bieten.

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