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The European Fine Art Fair : Das Mirakel im Frühling: Diese Messe kann nur an sich selbst gemessen werden

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Die Tefaf in Maastricht bleibt der Zenit des Kunstmarktjahrs; man sollte sie gesehen haben. Als wäre das eine leichte Übung, hält sie scheinbar mühelos das selbstverordnete Level höchster Qualität und Vielfalt und büßt nichts an globaler Strahlkraft ein.

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          Manche Besucher bleiben zwei, drei, ja vier Tage in Maastricht, um in aller Ruhe auszukosten, was die Messe der Superlative an Mirakeln ausbreitet, alle Jahre wieder. The European Fine Art Fair, charmefrei zu Tefaf gekürzelt, sticht auch mit ihrer jüngsten Ausgabe konkurrenzlos aus der angeschwollenen Zahl von Kunstmessen hervor. Als wäre das eine leichte Übung, hält sie scheinbar mühelos das selbstverordnete Level höchster Qualität und Vielfalt und büßte nichts an globaler Strahlkraft ein. Ja, doch - sie bleibt der Zenit des Kunstmarktjahrs; man sollte sie gesehen haben.

          So hängen, wie selbstverständlich, im Jahr seines vierhundertsten Geburtstags zwei Gemälde Rembrandts zum Kauf bereit: Das Halbfigurenbild des Apostels Jakobus d. Ä., ein signiertes Spätwerk von eindringlicher Spiritualität, taucht, mit tadellosen Provenienzen, nach sechs Jahrzehnten erstmals wieder im Handel auf: Salander-O'Reilly bietet das Werk für etwa 45 Millionen Dollar an. Und Kollege Noortman hat wieder seinen feschen „Bärtigen Mann mit rotem Wams“ von 1633 mitgebracht, der 27 Millionen Euro kostet. „Drei Kreuze“, einen großen, seltenen Stich Rembrandts, brachte Rumbler aus Frankfurt schon in den ersten Stunden an den Mann; da war ein weiteres Exemplar bei David Tunick noch für 1,4 Millionen Dollar zu haben.

          Erst kürzlich erhielt Frans Hals, Zeitgenosse des großen Jubilars, das vorübergehend aberkannte Porträt des Haarlemer Brauers und Bürgermeisters Pieter J. Olycan wieder zugeschrieben, dessen Preis sich bei David Koet ser auf 12,5 Millionen Dollar beläuft.

          Immer fort in Millionegefilden

          Johnny van Haeftens riesiges, vom jüngeren Jan Breughel liebevoll feingefieseltes Blumenstilleben erfordert 1,9 Millionen Pfund - und so geht es immer fort in Millionengefilden: bei Moretti, wo eine Ansicht des Canal Grande in Venedig prangt, von Canaletto mit fotografischer Genauigkeit erfaßt; bei Bernheimer, der einen herrlichen heiligen Andreas von Jusepe Ribera zeigt, aber auch Cranachs d. Ä. familiäre Szene des kindleinsegnenden Christus.

          Nach langer Abwesenheit verstärkt Richard Feigen wieder die kapitale Oldmaster-Riege, im Gepäck Bartholomeus Breenbergs „Predigt Johannes des Täufers“, die lange an das Art Institute of Chicago entliehen war (2,8 Millionen Dollar). Segantinis sonniges Großformat „Frühling in den Alpen“ beherrscht die Koje von French & Company, ohne daß sich Ivan Shishkins bemerkenswertes Küstenstück mit dramatisch in hellen Sand gekrallten Kiefern davon erdrücken ließe; auch diese beiden erfordern Millionen.

          Alles, was man will

          Bernheimers Collnaghi-Partnerin Katrin Bellinger zeigt unter ersten Kostproben einer kürzlich erworbenen Privatsammlung bedeutender deutscher Zeichnungen Joseph Anton Kochs ungewöhnlich große, exquisite Gouache des Noah-Opfers (180 000 Euro). Mit dem schönsten Beckmann-Bild der Messe kehrte die Gallerie Arnoldi Livie zurück: Die „Kleine Drehtür auf Gelb und Rosa“ aus einstigem Besitz Hanns Swarzenskis hat „alles, was man von einem Werk der Amsterdamer Zeit will“, meint auch Mayen Beckmann während ihres Tefaf-Rundgangs (700 000 Euro).

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