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The Armory Show New York : Zwischen Amazonas und Amazon

  • -Aktualisiert am

Die New Yorker Armory versucht sich von der Konkurrenz abzusetzen und zeigt vergessene Nachkriegsmoderne und Kunst des Online-Handels-Zeitalters.

          4 Min.

          Ein wenig sah es in Manhattan in den vergangenen Tagen so aus, als hätten sich ein paar Künstler in der Stadt verteilt, um eine große, surreale Performance aufzuführen: Obwohl die Sonne schien und man im Hemd durch die 55. Straße zu den Piers 92 und 94 hinunterlaufen konnte, wo die Armory Show stattfand, fuhren plötzlich Schneeschieber am Hudson River entlang, Busfahrer kontrollierten die Schneeketten an ihren Vehikeln, und auf den Anzeigetafeln, die sonst über Staus im Midtown Tunnel informieren, erschienen die absurd wirkenden Worte „Winter Storm“; Manhattan döste in der Märzwärme und zog sich gleichzeitig die dickstmögliche Winterjacke an. In einer der Hallen am Pier warf eine Künstlerin Konfetti in die Luft, und plötzlich gab es draußen, wie als Antwort, einen sehr effektvollen Gewitterdonnerschlag – und dann setzte ein Schneesturm die Stadt binnen kurzem komplett unter Schneematschwasser und trieb die Mengen in die trockenen Hallen der Armory, wo sie mit quietschenden, durchnässten Schuhen zu den Ständen wateten.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Armory konnte diesen Zustrom gut gebrauchen, hieß es doch zuletzt, die Energie der traditionellen, in dieser Form jetzt zum 24. Mal stattfindenden Messe sei ein wenig erlahmt. Dazu kam die Affäre um den bisherigen Leiter der Messe, Benjamin Genocchio, der nach Anschuldigungen, Mitarbeiterinnen sexuell belästigt zu haben, zurücktreten musste und durch Nicole Berry ersetzt wurde, die vorher für die Expo Chicago arbeitete. Im Abgrenzungskampf gegen andere Messen ist die diesjährige, noch bis zum Sonntag laufende Armory noch entschiedener zu einem Ort geworden, der auffallend viel Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anbietet. Im Pier 92 geht es zu wie in einem Museum – am Eingang will eine von Gabriel Ritter kuratierte thematische Schau, die um die Themen „Technologie und Körper“ kreist, die neueste Produktion unter einer These bündeln, dahinter kommt dann das, was im Museum die Sammlungspräsentation wäre – Stände von Galerien, die Bekanntes und Unbekanntes der fünfziger bis siebziger Jahre anbieten. „Technologie und Körper“ ist ein ziemlich vages Thema, in das Tony Ourslers neue Skulpturen (Bildschirme, die Augen und Münder zeigen, in Glasluftballonköpfen) genauso hineinpassen wie Anne Libbys mild apokalyptische Gemälde von Frauen mit Gasmasken (bei Night Gallery, ab 6000 Dollar); Erkenntnisse darüber, wie die Kunst die technologische Revolution spiegelt und kommentiert, sind aber kaum zu gewinnen.

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