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Teure Romantik : Eine Eule für 6,5 Millionen Euro

  • -Aktualisiert am

Noch achtzehn Monate bleiben dem Louvre, um dem neuen Eigentümer von Caspar David Friedrichs Gemälde ein Kaufangebot zu machen. Danach kann man nur noch auf sein Wohlwollen hoffen.

          Caspar David Friedrichs Gemälde „Eule auf einem kahlen Baum“, das die Pariser Galerie Talabardon & Gautier im Februar 2010 in Cannes auf einer Hausratsversteigerung als „Schule des 19. Jahrhunderts“ für 350.000 Euro kaufte, wurde nun von der Galerie für 6,5 Millionen Euro an einen französischen Privatsammler verkauft.

          Diese Transaktion ist der vorläufige Schlusspunkt einer märchenhaft anmutenden Entdeckung. Am Morgen vor der Auktion war den Händlern das Bild mit der Eule auf der Internetseite des Auktionshauses Azur Enchères aufgefallen; sie ließen sich sogleich ein Foto der Rückseite des Gemäldes schicken. Das Motiv, der Keilrahmen deutscher Faktur sowie der französische Goldrahmen des 19. Jahrhunderts bestätigten ihre Intuition: Es handelte sich um das Gemälde, das der Bildhauer David d’Angers 1834 bei Caspar David Friedrich im Atelier erwarb und in seinem Reisetagebuch erwähnte.Der deutsche Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan, dem die Galerie das Gemälde vorführte, authentifizierte es als „ein bedeutendes Werk der Spätzeit Friedrichs“.

          Nach dem französischen Gesetz hätte die Einlieferin bei Azur Enchères, die in Paris lebt, die Versteigerung wegen „Irrtums in der Substanz“ gerichtlich annullieren lassen können: Das Auktionshaus in Cannes hatte das Gemälde auf nur achtzig bis 120 Euro geschätzt. Stattdessen kam es zwischen den Galeristen und der Einlieferin zu einer Einigung; beide Parteien waren fortan zu jeweils fünfzig Prozent Eigentümer des Werks. Die Galerie hat das Gemälde anschließend dem Louvre angeboten, der bislang nur zwei Werke von Friedrich besitzt. Auf Anraten des Louvre haben die Eigentümer ein Ausfuhrzertifikat beantragt: Infolge dieses Antrags kann eine Kommission ein Kunstwerk zum „nationalen Kulturschatz“ erklären und die Ausfuhr für die Dauer von dreißig Monaten verwehren. Diese Frist soll den staatlichen Museen Zeit zu Verhandlungen und zur Suche nach Sponsoren lassen - Unternehmen können bis zu neunzig Prozent der Kaufsumme für einen nationalen Kunstschatz von der Steuer absetzen.

          Hohe Gebote aus den Vereinigten Staaten?

          Doch der Louvre hat bislang, vermutlich aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage, seinerseits kein Angebot für die „Eule auf einem kahlen Baum“ machen können. Während die Miteigentümerin eher dazu neigte, das Gemälde erneut versteigern zu lassen, hat die Galerie sich dafür eingesetzt, es an einen französischen Sammler zu verkaufen. Dieser sei in der Lage, es „für lange Zeit zu behalten und den Museen gut gesonnen“, erklärt Bertrand Gautier. Man habe sich auf den Preis von 6,5 Millionen Euro geeinigt - zu dem das Bild auch dem Louvre angeboten wurde -, obwohl es auf dem internationalen Markt noch mehr erzielen könne. Amerikanische Museen sollen bis zu zehn Millionen Dollar für die „Eule auf dem kahlen Baum“ geboten haben.

          Es ist zwar nur ein kleines Format mit 25,2 mal 31 Zentimetern, aber als einziges Gemälde Caspar David Friedrichs, auf dem kein Grund sichtbar ist, eine Ausnahme. Zudem ist es durch seine Motive - die Eule, der kahle Baum, der Wolkenhimmel und der Mond - emblematisch für die deutsche Romantik. Der Louvre hat jetzt noch achtzehn Monate Zeit, um dem neuen Eigentümer ein überzeugendes Angebot zu machen. Danach bleibt für das Museum allein die Hoffnung auf sein Wohlwollen.

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