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TEFAF Maastricht : Schlaraffenland der Künste

  • -Aktualisiert am

Die Kunstmesse The European Fine Art Fair in Maastricht demonstriert einmal mehr, warum sie auch „Museum auf Zeit“ genannt wird.

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          Das letzte Wort hatten die holländischen Gesundheitsbehörden, sie gaben grünes Licht für Tefaf in Maastricht. Die Händler, die ihre Ware längst zur wichtigsten und schönsten Kunstmesse der Welt auf den Weg gebracht hatten, atmeten auf. Spurlos ging die Aufregung um das neue Virus trotzdem nicht vorüber: Wildenstein aus New York und zwei weitere Händler sagten im letzten Moment ab, ihre leeren Stände schmücken nun Blütengestecke. Einige bedeutende amerikanische Museen entsenden keine Vertreter, auch unter den Jurymitgliedern gab es Absagen. Aber die geladenen Gäste des „Early Access Day“ wirkten entspannt; allerdings waren es mit rund 4000 Besuchern fast dreißig Prozent weniger als 2019. Schnell standen wieder die Objekte im Mittelpunkt auf der von 275 Händlern bestückten Schau. Sie schafft es auch diesmal wieder, ein atemberaubendes Angebot, weltweit von der Antike bis zur Moderne, auf die Beine zu stellen. 75.000 rote und roséfarbene Sommerblumen und stilvoll gestaltete Stände rahmen, was oft zu Recht „Museum auf Zeit“ genannt wurde.

          Zwei Gemälde bringen die Klassische Moderne in den Fokus: Von Van Gogh stammt eine Brabanter „Bäuerin vor Bauernkate“, es ist ein Frühwerk von 1885. Jemand fand es 1968 in einem Londoner Antiquitätenladen und kaufte es für 45 Pfund. In der Koje von Dickinson ist die weitere Preiskarriere über die Jahrzehnte offengelegt, zuletzt ging das Bild 2001 auf einer New Yorker Auktion für 1,7 Millionen Dollar in Privatbesitz; jetzt werden fünfzehn Millionen Dollar dafür verlangt. Das andere Werk, „Drei Tänzerinnen in gelben Röcken“, schuf Edgar Degas um 1891. Zum Preis der luftigen Ballerina-Studie vor rostrotem Grund sagen die Hammer Galleries, er liege oberhalb des 2008 notierten Degas-Auktionsrekords von 37 Millionen Pfund. Am Stand von Amells/Adam Williams finden sich skandinavische Schätze: eine blumenbewachsene Mauer, die August Strindberg 1901/03 malte (rund 1,7 Millionen Euro), und ein lichtdurchflutetes Interieur mit einer Sitzenden von Vilhelm Hammershøi (rund 1,8 Millionen Euro).

          Die Maastrichter Messe pflegt konsequent ihre Kernkompetenz, das sind die ältere Kunst und die Alten Meister. Wie jedes Stück unterliegen auch sie strenger Jurierung durch unabhängige Experten. Die Galerie Weiss aus London stellt „Venus und Cupido“ von Bartholomäus Spranger ins Zentrum: Der Flame gibt das Göttergespann als sinnlich glühende Frau mit einem durch die Lüfte anrückenden, kräftigen Bogenträger. Gemalt hat Spranger das Werk am Hof Kaiser RudolfsII. in Prag, später zog es vom Hradschin nach Frankfurt, wo es im 18. Jahrhundert mehrfach den Besitzer wechselte, um schließlich in Italien anzukommen (5 Millionen Euro). Lucas Cranachd.Ä. und seiner Werkstatt machte es offenkundig Spaß, Herkules am Hof von Omphale von jungen Schönheiten als Frau einkleiden zu lassen – nach der Mode der Lutherzeit; Senger aus Bamberg beziffert das große Format mit 4,8 Millionen Euro. Ebenfalls um 1500 schuf ein lombardischer Meister seinen Christus an der Martersäule, zu sehen bei Agnews aus London. Er ist ähnlich berührend wie das großartige Elfenbeinfragment des Gekreuzigten bei Stuart Lochhead aus London, der zum ersten Mal in Maastricht ausstellt. Max Seidel, ausgewiesener Kenner der Materie, gab die Skulptur mit feinst gearbeitetem Haupt keinem Geringeren als Giovanni Pisano und datierte sie auf die Zeit um 1270 (rund 3,4 Millionen Euro).

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