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Tefaf 2015 : Es ist und bleibt die schönste Messe

  • -Aktualisiert am

Diese Woche trifft sich die internationale Kunstgemeinde wieder in Maastricht. Auch 2015 behauptet die European Fine Art Fair ihren Rang. Wer hätte auch etwas anderes erwartet?

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          Die kleine Gestalt kommt mit minimalen Angaben aus: Die Nase nur ein feiner Grat, kleine Brüste, Arme von äußerster Abstraktion vor dem festen Leib, und fertig ist die Frau. Was aussieht, als habe die Galerie Cahn eine moderne Skulptur unter ihre antiken Götter und Helden gemischt, ist tatsächlich wohl das älteste Stück auf der diesjährigen „European Fine Art Fair“ (Tefaf) in Maastricht. Das Idol entstand vor mindestens sechstausend Jahren im Vorderen Orient und gehörte einst dem französischen Archäologen Claude Schaeffer, später seinem Kollegen Pierre Ponsich. Die Erwähnung der soliden Provenienz ist David Cahn wichtig; der Basler Händler empört sich über jüngste Anwürfe in der Presse, die den Antikenhandel mit den terroristischen Bilderstürmern und Plünderern kostbarsten Kulturguts ohne Belege unter eine Decke stecken. Statt den seriösen Handel gegen solche Verdächtigungen verteidigen zu müssen, würde Cahn es begrüßen, wenn schnellstens 10.000 vom Archäologischen Institut in Mainz gesammelte Bilder von Artefakten aus Syrien veröffentlicht würden, was helfen könnte, diese vor dem Verschwinden in dunklen Kanälen zu bewahren.

          Alles dreht sich um die Alte Meister – oder nicht?

          Die kleine neolithische Dame liefert den steinernen Beweis für die Zeitlosigkeit guter Kunst. Reichlich davon bringen rund 270 Händler aus zwanzig Ländern auch in diesem Jahr mit, um das beschauliche Maastricht für ein paar Tage in den Mittelpunkt der Kunstwelt zu verwandeln. Angesichts von brechend voller Halle und Verkehrschaos am Eröffnungstag ist der Einstieg dazu bestens gelungen. Doch um den Führungsanspruch als Messe der Superlative zu behaupten, muss hart gearbeitet und ständig gefeilt werden. Sichtlich profitiert in diesem Jahr die bildschöne Antiken-Sektion von ihrer Vergrößerung und neuem Arrangement - ein Gegengewicht setzt zeitgenössische Kunst mit der Sonderausstellung „Night fishing“. Sydney Picasso kuratierte sie zum Thema Skulptur mit Werken von Nam June Paik bis Baselitz. Über ihre Beiträge sitzen damit bekannte Galeristen im Maastricht-Boot, die - wie etwa Thaddaeus Ropac oder Hans Mayer - aktuell auf der Art Basel Hongkong ihre Kojen aufschlugen.

          Überhaupt liefert Bildhauerei Pointen quer durch die Epochen: Georg Laues raritätenpralle Kunstkammer zeigt - neben fein ziseliertem Renaissance-Gartengerät für den Fürsten (35.000 Euro) oder Bernsteinkästchen von einmaliger Qualität - einen nur fünf Zentimeter messenden, marmornen heiligen Hieronymus (160.000 Euro). Um 1430 schuf ihn derselbe sogenannte Meister von Rimini, dessen allerdings deutlich größerer Apostel Philippus bei Daniel Katz aus London gut das Zehnfache kostet; ihn hat ein bedeutendes New Yorker Museum schon reserviert. Bei Böhler begeistert Georg Petel als grandioser Schnitzer, da winden sich schmerzgekrümmte Schächer neben dem Gekreuzigten, die gemarterte Muskulatur angespannt und trotz des kleinen Formats mit jeder Faser frühbarocke Emphase verströmend (750.000 Euro). Bei Otto Naumann führt Ludovico Casellis große Marmorgruppe „Hagar und Ismael“ von 1850 die Härte des Wüstenlebens auf (375.000 Dollar), umgeben von Alten Meistern, etwa Theodore Rombouts munter schummelnden „Kartenspielern“. Zurück von der großen Münchner Ausstellung zu Canaletto, hängt seine Idealvedute mit Selbstbildnis in venezianischem Adelsgewand wieder am Stand. Objekte, die wie dieses Bild zwölf Millionen Dollar erfordern, brauchen manchmal Zeit. Nur Marktfrisches aufzubieten wäre ohnehin unmöglich bei der gebotenen Fülle alter Malerei - immer noch Nukleus dieser Messe.

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