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Wiener Auktionen I : Teatrino und Superficie

  • -Aktualisiert am

Das Dorotheum in Wien setzt mit seinen Auktionen für Moderne und Zeitgenossen am 22. und 23. November mal wieder auf die Italiener. Eine Vorschau

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          Sein liebster Werkstoff war Zement: Giuseppe Uncini (1929 bis 2008) nutzte in den Fünfzigern die rohe Ästhetik des Materials, die durch den Brutalismus in der Nachkriegsarchitektur zur Geltung kam. Wie ein Mauerstück aus Beton nimmt sich sein 154 Zentimeter hohes Objektbild „Cementarmato“ von 1959 aus, das den Katalog der Zeitgenossen-Auktion am 22.November im Wiener Dorotheum ziert. Vor einem Jahr gab es dort den Uncini-Rekord mit 240 000 Euro. Das Los, jetzt mit Eisenstangen, die über die mit Zement bestrichene Holzplatte ragen, geht mit 150 000 bis 200 000 Euro an den Start. Von Fontana, dem Zugpferd der Gegenwartssparte, ist ein Unikat aus der „Teatrino“-Serie dabei: 1964 bohrte er in eine braun bemalte Leinwand rasterförmig Löcher und verlieh dem Bild durch einen weiß bemalten Rahmen den Charakter eines shaped canvas (Taxe 200 000/300 000 Euro). In einer ähnlichen Preisklasse bewegen sich Enrico Castellanis strukturierte Leinwand „Superficie Bianca“ von 1987 (250 000/350 000) und Paolo Scheggis blaues Quadrat „Intersuperficie curva dall’azzurro“ mit Lochmuster (160 000/220 000). Neugieriger macht das Abschneiden von weniger bekannten Italo-Avantgardisten wie Rodolfo Aricò: Sein Interesse für philosophische Konzepte von Wahrnehmung und Perspektive führte ihn zu geformten Bildobjekten wie der dunkelblauen „Anomalia2“ (45 000/60 000), die Fläche und Tiefe erkundet. Das Spiel mit Licht-Schatten-Effekten betreibt die Mailänderin Dadamaino in ihrem „Chromorilievo“ von 1974, das unterschiedlich hohe rosafarbene Holzklötzchen im Raster vor Grau setzt (50 000/70 000).

          Aus der amerikanischen Kunst fasziniert die große Kohlezeichnung „Ohne Titel (Earth, for Zander)“, auf der Robert Longo die von Wolken überzogene Erdkugel verewigte (200 000/250 000). Im Jahr 1951 malte der junge Arnulf Rainer das Ölbild „Zentralgestaltung“, eine Explosion vor monochromem Hintergrund (190 000/230 000). Von Maria Lassnig liegen aus jener Zeit zwei eher untypische Landschaftsbilder in Brauntönen vor (70 000/120 000).

          Am Tag nach den Zeitgenossen versteigert das Dorotheum Werke der Klassischen Moderne, selten war das Angebot so international. Beim Spitzenlos handelt es sich um das farbenprächtige Ölbild „Fleurs“, das Marc Chagall 1924 in Paris malte. Das vielfach ausgestellte Blumenbouquet tritt mit der Schätzung von 750 000 bis einer Million Euro an. Die Auktion eröffnet mit einem Schwung futuristischer Gemälde, die Giacomo Ballas Komposition „Valori Plastici“ von 1929 anführt (150 000/ 180 000). Aber auch für die 23 mal 44 Zentimeter messende, archaische Malerei „Praeludium zu einem Ständchen“ auf Papier von Max Ernst aus dem Jahr 1940 sind 220 000 bis 240 000 Euro veranschlagt. Die kleine „Nocturne“, die der Künstler 1949 mittels Farbabklatsch hergestellt hat, verströmt allerdings mehr geheimnisvollen Reiz (100 000/ 150 000).

          Bei den Porträts sticht Karl Hofers in gedeckten Farben gehaltenes Ölbild „Mädchen sich kämmend“, wohl um 1938, hervor (140 000/240 000), aber auch das feine, wenngleich konventionelle Bildnis einer „Figure de jeune femme“ mit pinkfarbener Haube von Tamara de Lempicka, um 1967, wird kaum übersehen werden (30 000/40 000). Von Albin Egger-Lienz’ 1903 erstmals gemalter „Madonna“ existieren viele Fassungen; die vorliegende 56 mal 49 Zentimeter große Version von 1922 ist auf 100 000 bis 160 000 Euro geschätzt. Ein ebenso guter Kopierer seiner selbst war Alfons Walde: für seinen „Einsamen Berghof“ gilt die Taxe von 280 000 bis 320 000 Euro.

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