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Stargardt-Ergebnisse : Wer schreibt, der bleibt

  • -Aktualisiert am

„Dein Franz“ – Kafkas Brief an seine Schwester Ottilie wurde mit 30.000 Euro zugeschlagen. Bild: Stargardt

Ein bisher unbekanntes Mozart-Manuskript überstrahlte das Angebot der Frühjahrsauktion mit Autographen bei Stargardt in Berlin. Ein Blick auf die Ergebnisse.

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          Bei der Frühjahrsauktion der Autographenhandlung J. A. Stargardt in Berlin lief es gut; die meisten Erwartungen für die gut 740 Lose konnten übertroffen werden. Große Überraschungen gab es aber nicht. Das Spitzenlos, ein bisher unbekanntes Musikmanuskript von Mozart, verfehlte seine Taxe von 140.000 Euro knapp und wurde bei 130.000 Euro zugeschlagen. Ein Skizzenbuch von Richard Strauss, welches Studien zu dessen letztem, nach dem Krieg verfassten Orchesterwerk „Metamorphosen“ enthält, war einem Bieter 52 .000 Euro (30.000) wert. Nicht nur Notenhandschriften, auch die Briefe von Komponisten waren beliebt. Ein Schreiben, mit dem sich Frédéric Chopin nach dem Wohlbefinden der schwangeren Gabrielle Dudevant erkundigte, der Tochter von George Sand, stieg auf 50 .000 Euro (30 .000). Sehr gute Ergebnisse brachten zwei Briefe von Gustav Mahler, die, auf 3000 und 4000 Euro geschätzt, für 19 .000 und 22 .000 Euro vermittelt werden konnten.

          Gute Resultate gab es auch bei den Literaten. Von der Hand Kafkas stammen figürliche Skizzen auf einem Blatt der Wochenschrift „Die Muskete“ und handschriftliche Anmerkungen in einem Reiseführer für Marienbad. Beide Stücke kletterten von geschätzten 16 .000 auf 35.000 Euro. Ein Brief an seine Lieblingsschwester Ottla erzielte immerhin 30.000 Euro (40 .000). Auf die Weimarer Klassik war ebenfalls Verlass: Ein knapper Brief von Schiller an seinen Verleger Göschen, „Nur zwey Worte liebster Freund“, wurde für 26.000 Euro (8000) abgegeben. Ein kleines Bietergefecht gab es um ein rosafarbenes Billet, das eine Widmung von Goethe für Marianne von Willemer trägt, der „Suleika“ seines „West-östlichen Diwans“; es konnte seine Taxe auf 15.000 Euro verfünffachen. Auf 21 .000 Euro stieg ein Brief von Goethe an Christoph Martin Wieland, in dem er dem schon achtzigjährigen Dichter Freikarten für sein Weimarer Hoftheater anbot. Von Wieland selbst stammt ein bisher unveröffentlichter Brief an den Herzog Carl August aus dem Jahr 1797, der seine Erwartung mit 28.000 Euro (8000) ebenfalls übertraf. Die Liebesbotschaften von Clemens Brentano, die bei Wilhelmine „Minna“ Reichenbach keinen Anklang fanden, erreichten ihre Taxe von 30 .000 Euro.

          Eine Sammlung von rund achthundert Albumblättern aus den Jahren 1926 bis 1928, die für 35 000 Euro (8000) vermittelt werden konnte, führt die Sektion Geschichte an. Die Eintragungen stammen unter anderem von Politikern, Schriftstellern, Wissenschaftlern und Fürsten, die sich zur Zukunft Deutschlands äußerten. Das Stammbuch von Clothilde Koch-Gontard aus der Zeit der Frankfurter Nationalversammlung verdoppelte seine Taxe auf 10.000 Euro (5000). Die größte Steigerung erzielte eine Fotografie von 1917, die Egon Schiele zusammen mit seiner Frau Edith und ihrem Neffen Paul Erdmann zeigt. Die auf achthundert Euro geschätzte Gruppenaufnahme wurde erst bei 7500 Euro zugeschlagen, wohl auch wegen der beiliegenden Todesanzeige von Edith Schiele mit dem Datum der Beerdigung am 31. Oktober 1918. An diesem Tag starb auch Egon Schiele, wie zuvor seine Frau, an den Folgen der Spanischen Grippe. Insgesamt übertraf so die Summe der Zuschläge mit insgesamt 1,5 Millionen Euro die erwarteten 1,2 Millionen.

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