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Stargardt-Ergebnisse : Wer so alles im Adlon zu Gast war

Bei der Märzauktion der Autographenhandlung J.A. Stargardt in Berlin sorgte Franz Schuberts „Allegretto“ für die größte Überraschung: Ein Blick auf die Ergebnisse

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          Als einziger „Ausreißer“ überstrahlte Franz Schuberts 1827 komponiertes „Allegretto“ auf der Autographen-Auktion bei Stargardt in Berlin 850 schriftliche Hinterlassenschaften von Künstlern, Wissenschaftlern, Adligen und Klassenkämpfern. Von zahlreichen Bietern umworben, kletterte das bei 28 000 Euro aufgerufene Musikmanuskript auf 170 000 Euro, die ein Privatinteressent investierte. Unter der Taxe von 40 000 für 32 000 Euro verkauft wurde Schuberts Vertonung des Gedichts „Der zürnende Barde“. Felix Mendelssohn Bartholdys „Lied ohne Worte“, mit einer Widmung an die befreundete Engländerin Fanny Thompson, stieg von 20 000 auf 58 000 Euro. Das Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut bewilligte 24 000 Euro (Taxe 16 000) für Mendelssohns populäres „Frühlingslied“ des Dichters. Einem eingeschworenen Wagnerianer war die Musikskizze zu jener Szene im „Tannhäuser“, die dem schuldbeladenen Minnesänger eine Pilgerfahrt nach Rom aufbürdet, die Ausgabe von 60 000 Euro (40 000) wert.

          Camilla Blechen
          Freie Autorin im Feuilleton.

          Von 12 000 auf 32 000 Euro kletterten neun überwiegend unveröffentlichte Briefe des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard; von Lebenskrisen heimgesucht, erklärt er im September 1965: „Im Augenblick glaube ich, daß es besser ist, nichts zu besitzen als einen verrückten Kopf.“ Für 20 000 Euro angeboten, erlitten Thomas Manns aufmunternde Briefe an den erblindeten Kollegen Adolf von Hatzfeld einen Rückgang. Unter den ausschließlich von privaten Sammlern begehrten Goethe-Autographen erzielte das für 9000 Euro (4000) nach China abgewanderte Blatt mit rätselhaften Stichworten den Höchstpreis. Rilkes inhaltsreicher Brief an den Maler Oskar Zwintscher, in dem der Lyriker sich als Rodins Sekretär über die Vorzüge seines Paris-Aufenthalts äußert, wurde bei 6500 Euro (4000) vom Schiller-Nationalmuseum in Marbach erworben.

          Knapp unter der Schätzung auf 90 000 Euro erwarb eine ungenannte „deutsche Institution“ das mit 26 Zeichnungen von nur teilweise identifizierten, um 1830 in Rom residierenden Künstlern ausgestattete „Rehberg-Album“. Wassily Kandinskys Brief an Alois Schardt, den nach 1933 zur Emigration nach Amerika gezwungenen Mentor der expressionistischen Avantgarde, wurde für 13 000 Euro (6000) privat übernommen. Entgehen ließ sich das traditionsreiche Berliner Hotel Adlon sein zwischen 1916 und 1943 mit vierhundert Eintragungen namhafter Zeitgenossen gefülltes Gästebuch beim Zuschlag von 8500 Euro (4000): An den markanten Schriftzügen der Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg, des Boxers Jack Dempsey, des Schauspielers Charly Chaplin und der Diseuse Mistinguett darf sich als erfolgreicher Bieter ein Österreicher erfreuen. Ebenfalls privat erworben wurde bei 4600 Euro (6000) ein Brief der schwangeren Königin Luise, in dem die 1980 im Zuge einer Gedenkausstellung als „preußisches It-Girl“ gefeierte Jungverheiratete ihren Gatten Friedrich Wilhelm III. liebend vergöttert. Deutscher Handel wurde aktiv, als es um ein Handschreiben der Reichstagsabgeordneten Clara Zetkin ging, die Anfang 1931 den Sozialismus als „der Erkenntniss Land“ herbeiwünschte – für 2600 Euro (1600).

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