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Stammeskunst : Maske im Licht: Die Sammlung Vérité bricht alle Rekorde

  • -Aktualisiert am

In drei Sitzungen spielte die Sammlung Vérité, eine der letzten Pionier-Kollektionen ihrer Art, mit 44 Millionen Euro den höchsten Auktionserlös für Stammeskunst jemals ein und katapultierte das bislang unbekannte Auktionshaus Enchères Rive Gauche ins internationale Rampenlicht.

          Drouot war wie verwandelt. Die Sammlung Pierre und Claude Vérité, deren 500 Objekte afrikanischer und ozeanischer Stammeskunst sich auf der ersten Etage des Hôtel Drouot zauberhaft inszeniert entfalteten, bot ihren 15 000 Besuchern einen würdigen Vorgeschmack auf die Eröffnung des Musée du Quai Branly.

          Der Auktion selbst wohnten tausend Menschen bei, 600 Bieter hatten sich angemeldet. In drei Sitzungen spielte die Sammlung Vérité, eine der letzten Pionier-Kollektionen ihrer Art, mit 44 Millionen Euro den höchsten Auktionserlös für Stammeskunst jemals ein und katapultierte das bislang unbekannte Auktionshaus Enchères Rive Gauche ins internationale Rampenlicht.

          Am ersten Abend sprang Rémy Le Fur von Artcurial für seinen erkrankten Kol legen Etienne Mercier ein, und mit gewohntem Schwung gelang es ihm, die ohnehin erregte Stimmung im Saal so anzuheizen, daß die Gebote für das Star-Los - die strenge, mit Kaolin geweißte Ngil-Maske der Fang - in Windeseile in 500 000-Euro-Schritten auf fünf Millionen Euro stiegen: absoluter Rekordpreis für ein afrikanisches Kunstwerk, mehr als die dreifache Schätzung, bewilligt am Telefon von einem „europäischen Sammler“ - mehr verriet der Experte Alain de Monbrison nicht.

          Ein gigantischer Erfolg

          Achtmal fiel der Hammer in Millionenhöhe, und meistens war das Telefon stärker als mancher Händler im Saal. Die Statue des Tschokwe-Jägers aus Angola, mit 1,2 Millionen Euro das am zweithöchsten veranschlagte Objekt, wechselte bei 3,2 Millionen Euro den Besitzer, der hochstilisierte Déblé-Rhythmusstampfer der Senoufo bei 2,5 Millionen (Taxe 600 000/800 000) und die imposante Holzbüste einer weiblichen Nimba-Gottheit der Baga (Guinea) bei 1,9 Millionen Euro (400 000/600 000). Ein Vielfaches ihrer Taxen erreichten auch ein Fang-Kopf mit Kupferaugen bei 1,4 Millionen, eine Nda-Doppelmaske der Baoule bei 1,1 Millionen und eine Kuyu-Statue aus Kongo bei einer Million Euro.

          Mit dem gigantischen Erfolg der Vérité-Auktion ist die afrikanische Stammeskunst endgültig aus der Kenner- und Liebhabernische herausgetreten. Das Musée du Quai Branly konnte sich nur ein Objekt, einen prachtvoll bemalten und geschnitzten Türsturz aus Neuguinea, für 48 000 Euro (10 000/15 000) sichern: Ab jetzt gehören Spitzenstücke afrikanischer Kunst zum Teuersten, was der Markt bietet.

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