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Ergebnisse Österreich : Spitzen auf Wiener Art

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Die Alten Meister sind auf dem Vormarsch. Die Zeitgenossen landen diesmal auf den Plätzen. Und bei den Auktionshäusern Dorotheum und Kinsky herrscht Zufriedenheit mit den Resultaten: Die Bilanz der Auktionen in Österreich 2016.

          Unbehelligt von den politischen Wellengängen des vergangenen Jahres konnten die Wiener Auktionshäuser ein hervorragendes Ergebnis einfahren. Das Dorotheum freut sich besonders über den höchsten Umsatz, den es in der Sparte Alte Meister jemals erwirtschaftet hat. Das will tatsächlich etwas heißen, konnte damit doch das Jahr 2010 mit Frans FranckensII „Der Mensch zwischen Tugend und Laster“ überflügelt werden, das für sechs Millionen Euro versteigert wurde. Das Ranking der Spitzenlose 2016 führt mit 1,1 Millionen Euro die prächtige „Geburt Christi“ von Hans Memling Werkstatt an; das 99 mal 72 Zentimeter große Tafelbild wandert, etwas unterhalb seiner Taxe, zurück in seine Heimat Flandern. Es ging an einen bedeutenden belgischen Privatsammler, der nicht genannt werden will, obwohl er das Gemälde bald in einer Ausstellung präsentieren wird.

          Hatten 2015 die Zeitgenossen die Wiener Bestenliste dominiert, so gelang jetzt den Alten Meistern, dank des entsprechenden Angebots, ein beachtlicher Aufschwung. Das Dorotheum besetzt somit noch fünf weitere Ränge unter den zehn höchsten Zuschlägen: Im Oktober sorgte Tintorettos „Schlacht zwischen Philistern und Israeliten“ für einen Kampf an den Telefonen, der erst bei 750 000 Euro einen Sieger fand; veranschlagt waren 300 000 bis 400 000 Euro. Ein zweites Bild, das trotz des Zusatzes „Werkstatt“ preislich hoch stieg, kommt aus Rubens’ Studio; für das aus Belgien stammende „Urteil des Paris“ läutete die Dorotheums Klingel bei 650 000 Euro (Taxe 400 000/600 000). Im Jubiläumsjahr von Hieronymus Bosch kam eine Höllen-Darstellung eines Nachfolgers gerade recht: Für das Gemälde mit den infernalischen Monstern, das den rechten Flügel vom Triptychon „Der Garten der Lüste“ im Prado zum Vorbild hat, bewilligte ein Bieter 430 000 Euro (200 000/300 000). Hohen Schauwert bewies auch der neuentdeckte, farbschöne „kreuztragende Christus“, den Guido Reni auf eine 49 mal 36 Zentimeter große Kupfertafel malte; das um 1595 entstandene Frühwerk wurde zur unteren Taxe von 400 000 Euro zugeschlagen. Den neunten Platz teilen sich mit dem Höchstgebot von jeweils 312 000 Euro weitere Altmeister: Die bestens erhaltene „Belebte Hafenszene auf der Schelde vor Antwerpen“ hat Jan Brueghel d. Ä. um 1590 in Italien auf Kupfergrund geschaffen (250 000/350 000), und Huybrecht Bueckeleers lebhaft komponierte „Heilige Familie mit der heiligen Anna“ wurde jüngst in einer süddeutschen Privatsammlung wiederentdeckt (150 000/200 000).

          Die südlichen Nachbarn punkteten

          In der Abteilung Klassische Moderne konnte im November ein neues Umsatzniveau erreicht werden. Dafür sorgte auch Marc Chagall mit seinem Bouquet-Bild „Fleurs“ von 1924. Der in starken Kontrasten komponierte Strauß fand bei 850 000 Euro (750 000/1 Million) einen neuen Besitzer. Bereits im Frühjahr hat das Dorotheum ebendiesen Preis für ein viel niedriger bewertetes Ölbild erreicht: James Ensors heiteres Spätwerk „Baptême de masques“ verführte mit seinen Perlmuttfarben zu einem Bietgefecht, das bei 850 000 Euro (300 000/500 000) endete. Weil in die Sparten-Hitparade des Dorotheums 2016 unter der Rubrik „Klassische Fahrzeuge“ gleich drei Oldtimer brausten – angeführt von einem roten Mercedes 300 SL Roadster, Baujahr 1958 für beachtliche 950 000 Euro –, sahen die Zeitgenossen schwächer aus, als sie tatsächlich waren: Mit dem Zuschlag von 600 000 Euro setzte sich im Juni ein blaues, nur ein Mal geschlitztes „Concetto Spaziale, Attesa“ von Lucio Fontana an ihre Spitze, Platz fünf der Toplose. Fontanas Kollege Enrico Castellani rundet mit seiner „Superficie Bianca“ für 312 000 Euro die Liste ab. Dennoch handelt es sich um die beste Zeitgenossen-Auktion in der Geschichte des Hauses, bei der auch gute Preise für Tom Wesselmann, Günther Uecker und Maria Lassnig erzielt wurden.

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