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Kunstmessen München : Spiegelbilder einer neuen Marktsituation

  • -Aktualisiert am

Münchens Kunstmessen „Highlights“ und „Kunst & Antiquitäten München“ müssen sich gegen die „Tefaf New York Fall“ behaupten – und verjüngen sich.

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          Einer der schönsten Blicke auf der Highlights-Kunstmesse bietet sich dem Besucher gleich beim Eintritt: Gegenüber, am anderen Ende des eleganten Zeltdomizils im Kaiserhof der Residenz, fängt sich hinter sprühendem Glitzern eines Kristall-Leuchters der Raum im matten grausilbrigen Schimmer eines großen Trumeau-Spiegels. In dessen vergoldete Rahmung ist das Porträt des jugendlichen Vittorio-Amadeos III. eingefügt. Von 1773 an war er König von Sardinien-Piemont und Herzog von Savoyen, und aus seinem Jagdschloss Stupinigi bei Turin könnte der Spiegel stammen, den Peter Mühlbauer für 68 000 Euro anbietet. Mit Stücken wie diesem, auch mit exquisiten Kabinettschränken, Terrakottabüsten des 17. Jahrhunderts oder einem zierlichen Gueridon nach Entwurf Friedrich Schinkels (125 000 Euro) hält der Händler aus Pocking konsequent zu einer Materie und Epochen, die auf den Highlights erstmals rarer sind.

          Doch vermutlich geht es nicht allein darum, „mit dem Geschmackswandel Schritt zu halten und den Interessen junger Sammler näher zu sein“, wie Alexander Kunkel sagt; der junge Münchner Händler, Spezialist für Kunst zwischen Sezession und Symbolismus, löste jüngst Georg Laue in der Highlights-Geschäftsführung an der Seite Konrad Bernheimers ab. Vielmehr scheint der Aderlass bei Antiquitäten und Alter Kunst auch durch die teilweise Terminüberschneidung mit der ersten Ausgabe der European Fine Art Fair (Tefaf) in New York mitbegründet, die sich so mancher Händler nicht entgehen lassen wollte. Deshalb verknappten sich zum Beispiel die für ihre raffinierten Kunstkammer-Inszenierungen höchst beliebten Kojen von Laue und den Kunsthandlungen Böhler und Blumka auf einen hochklassig, aber recht übersichtlich bestückten Gemeinschaftsstand. Die drei Kunsthändler fehlten auf der Eröffnung ebenso wie Bernheimer, der nach Aufgabe seines Münchner Geschäfts und dem Verkauf der Londoner Altmeistergalerie Colnaghi weiter als deren Chairman tätig ist und in New York weilte. Unterdessen tritt Colnaghi in München irgendwie als Mogelpackung auf: Statt erwarteter Altmeister füllt ein Potpourri großer bunter Fotoarbeiten die Koje; Blanca Bernheimer brachte sie aus ihrer Luzerner Galerie mit.

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          Auch unter diesen veränderten Vorzeichen ist eine wirklich schöne Messe gelungen, und es glänzt vor allem die Klassische Moderne. Da können Wienerroither & Kohlbacher aus der Sammlung Irmtraud Werner schöpfen, die bereits in der Wiener Albertina zu sehen war. Die einstige Mitarbeiterin des Düsseldorfer Galeristen Wilhelm Grosshennig und spätere Ehefrau eines Geigenvirtuosen hinterließ einen Schatz an deutschem Expressionismus, aus dem die Galerie neben Zeichnungen ein frühes Tiermotiv Franz Marcs offeriert: den 1909 gemalten „Katzenkorb“ mit zwei einander belauernden Fellknäueln (1,5 Millionen Euro). Thole Rotermund präsentiert auf seiner „Lieblingsmesse“ Papierarbeiten seiner Favoriten Marc, Feininger und Macke, dessen großartige Bleistiftzeichnung „Mann mit Kranich im Zoo“ von 1913 für knapp 100 000 Euro zu haben ist. Marianne v. Werefkin aquarelliert 1909 Helene Nesmakomoff, ihr Dienstmädchen und die Geliebte ihres Lebensgefährten Jawlensky, als kecken Akt „mit Kniestrümpfen und Japanfrisur“; das reizende Blatt kostet bei Martin Möller 54 000 Euro. Mit schwarzer Tusche hielt Nolde 1908 schwungvoll um ein plaudernd pausierendes Paar kurvende „Schlittschuhläufer“ fest, anzutreffen bei der Galerie Utermann (125 000).

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