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Spark Art Fair : Voll sprühender Kreativität

  • -Aktualisiert am

Mit Drive: Daniel Knorrs Installation in der Koje der Galerie nächst St. Stephan Bild: © VG Bild-Kunst Bonn, 2022

Aus der Farbdusche ins Splatter-Kino: Die Wiener Spark Art Fair bietet in ihrer zweiten Ausgabe jungen Positionen wieder eine perfekte Bühne.

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          Einmal Farbdusche für das Leinwandobjekt, bitte! Auf der Art Basel Unlimited präsentierte Daniel Knorr 2019 eine Autowaschanlage, die statt Seifenwasser Farbe verspritzte. Durch diesen „Car Wash“ fuhren selbstgebaute Autoskulpturen, sodass etwa ein knallbunter Ferrari entstand. Auf der Wiener Kunstmesse Spark Art Fair parkt nun Knorrs Nachbau des kleinsten Autos der Welt. Die Hommage an den Einsitzer Peel P50 aus den Sechzigern geht an den Kojenwänden der Galerie nächst St. Stephan weiter, wo bespritzte Einzelteile hängen. Wie paradox, dass Knorrs Arbeit mit 150 000 Euro zur Preisspitze der Messe zählt und gleichzeitig als Symbol für die Erschwinglichkeit und den jungen Drive auf der Spark gelesen werden kann.

          Für deren Erfinder Renger van den Heuvel hat sich das Wagnis gelohnt, in Corona-Zeiten eine neue Kunstmesse aufzulegen. Nach Jahren als Geschäftsführer der viennacontemporary zog er 2021 sein eigenes Event in der Marx Halle auf. Dass nur eine Position pro Stand gezeigt wird, verleiht ihr ein zeitgemäßes Gesicht. Die offene Messearchitektur trägt nicht nur dem pandemiebedingten Platzbedürfnis Rechnung, sondern auch dem Wunsch der Galerien nach gleich großen Ständen. Das größte Ass im Ärmel des Spark-Chefs sind aber zweifellos die Standmieten, die mit rund 4500 Euro nur ein Drittel des Preises bei der viennacontemporary betragen.

          Melanie Ebenhochs Acrylbild  „After the Flash Light“ bei der Galerie Martina Janda
          Melanie Ebenhochs Acrylbild „After the Flash Light“ bei der Galerie Martina Janda : Bild: Galerie Martin Janda / Melanie Ebenhoch

          Die niedrigen Kojenkosten eröffnen den Spielraum, eine jüngere, preislich noch moderate Generation zu zeigen. Insgesamt 25 Positionen unter 40 Jahren sind vertreten. Malerei ist Trumpf auf der Spark, etwa von Evelyn Plaschg bei der Galerie Emanuel Layr. Die Darstellung eines nackten Paares „Earthworm Bound“, für das die 1988 geborene Künstlerin Pigmente direkt auf die Leinwand aufgetragen hat, ging um 4000 Euro sofort weg. Die pastosen Kleinformate von Mercedes Mangrané bei Georg Kargl erinnern an Lichtkegel (3000 Euro). Die spanische Malerin, Jahrgang 1988, wurde aber von Ultraschallaufnahmen während ihrer Schwangerschaft inspiriert.

          Weiblich dominiert

          Die Spark 2022 könnte als erste Kunstmesse mit einem höheren Frauen- als Männeranteil in die Geschichte eingehen. Von den 99 Positionen sind 52 weiblich; ein eigener Fokus widmet sich Fotografinnen. Wie viele Künstlerinnen ihrer Generation, wurde die 86 Jahre alte Margot Pilz erst vor kurzem vom Kunstmarkt entdeckt. Die Klagenfurter Galerie 3 bietet ihre performativ-feministischen Fotoarbeiten seit den siebziger Jahren an, die derzeit auch in einer Werkschau in der Kunsthalle Krems zu sehen sind.

          Rund die Hälfte der 80 Galerien kommt aus dem Ausland, dieses Jahr sind auch größere Player wie Lelong und Kamel Mennour aus Paris dabei. Am Stand von Max Goelitz aus München hängen Neonröhren, die sich bei näherer Betrachtung als Marmorstangen entpuppen. In der Installation „Meta“ würfelt Lou Jaworski (19 500 Euro) die Materialgeschichte der Bildhauerei durcheinander. Bei der Berliner Galerie PSM zeigt Ariel Reichman, wie er eigene Kriegserfahrungen mit Referenzen auf Bruce Nauman, Francisco de Goya und die Logos der israelischen Armee verarbeitet. Einen Ausreißer aus dem Parcours an Flachware bietet Beni Bischofs Installation „Nici’s Bar“ bei Nicola von Senger: Durch einen Perlenschnurvorhang betritt man ein mit Kunst und Deko vollgehängtes Kabäuschen, in dem sogar Bier ausgeschenkt wird. Die eskapistische Zelle zählt zum neuen Format „Spark Expanded“ des Schweizer Kurators Christoph Doswald, das – kreuz und quer über die Messe verteilt – leider etwas untergeht.

          Bei der Galerie Layr: Evelyn Plaschg, „Earthworm Bound“
          Bei der Galerie Layr: Evelyn Plaschg, „Earthworm Bound“ : Bild: Galerie Layr / Evelyn Plaschg

          Besser funktioniert der Sektor „Die Vierte Wand“, für den Fiona Liewehr acht Positionen mit Hang zum Multimedialen eingeladen hat. Die Standarchitektur der Spark habe sie an eine Drehbühne erinnert, erklärte die Kuratorin den Titel des Specials. Am Stand von Lisa Kandlhofer versprüht die Wienerin Nana Mandl Lebenslust: Mit ihren collagierten Tapeten, Gemälden, Kleidern und Mobiliar erweist sich die 1991 Geborene als Meisterin im Mix von Persönlichem mit Kitsch und Internet-Material (ab 1700). Auf das Set eines Kunst-Splatterfilms lockt Clifford Evans mit seinem Work-in-Progress „Murderkino“. Evans stellt bei Charim die Kulisse – ein Toilettenhäuschen – aus und zeigt ein Video sowie Fotos des witzig inszenierten Blutbads. Einen blutjungen, aber schon stark nachgefragten Newcomer präsentiert der Stand Koenig2_by Robby Greif mit Simon Lehner. Versatzstücken der eigenen Biographie rückt der 1996 geborene Künstler mit 3-D-Technologie zu Leibe. Lehners Babyfoto mit seiner Mutter im Kreißsaal wird zum gefrästen Holztableau (22 000 Euro), und aus Porträtaufnahmen seit der Kindheit entsteht ein Avatar.

          Spark Art Fair, Wien, Marx Halle, bis 27. März, Eintritt 18 Euro

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