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Spanische Kunst : Noch im 19. Jahrhundert geboren

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Bei der dritten Christie's-Auktion mit spanischer Kunst in Madrid gab es ein starkes Sortiment an spanischer Klassischer Moderne und Zeitgenossen, und ein animiertes Publikum belohnte diese Bemühung mit Bietgefechten und hohen Summen.

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          Bei der dritten Christie's-Auktion mit spanischer Kunst in Madrid fehlten zwar die großen Alten Meister, aber es gab ein starkes Sortiment an spanischer Klassischer Moderne und Zeitgenossen, und ein animiertes Publikum belohnte diese Bemühung mit Bietgefechten und hohen Summen. Von 176 Losen, überwiegend aus spanischem Besitz, fanden 145 Abnehmer und spielten mehr als fünfzehn Millionen Euro ein.

          Für vierzig spanische Künstler wurden Rekorde erzielt - darunter prominent Hermenegildo Anglada Camarasa, dessen „Casino de Paris“ von 1900 seine untere Taxe von 250.000 Euro verzehnfachte: Mit Aufgeld zahlte ein Privatmann im Saal fast drei Millionen Euro dafür. Für Camarasas ähnlich intensive Tanzszene in Pastell und Kohle von 1901 fiel der Hammer erst bei 360.000 Euro. Zweitteuerstes Los wurde das expressive Großformat „Bibliotheque avec Poe“ von Miquel Barceló, um den es auf spanischen Auktionen in letzter Zeit etwas stiller geworden war. Die Plastizität des Werks von 1983 ließ es einem Interessenten 1,1 Millionen Euro (Taxe 220.000/ 320.000) wert sein. Ein Selbstporträt Barcelós mit Fisch und Messer von 1985 ging für 350.000 Euro (80.000/220.000) in den Handel.

          Surreale Begeisterung

          Begeisterung lösten, passend zu seinem hundertsten Geburtstag, Arbeiten von Oscar Domínguez, aus, dem kanarischen, in Paris lebenden Surrealisten: Das stilisierte Picknick „Mujeres“ von 1942 vervierfachte seine obere Schätzung und spielte stolze 800.000 Euro ein; ein Stilleben mit Pyramidenformen und einer gefüllten Obstschale kostete 300.000 Euro (80.000/ 120.000). Um eine „Frau vor dem Spiegel“ von María Blanchard stritten sich mehrere Liebhaber: Das 1922 gemalte, blaßbläuliche Porträt, an dem die großen, wie zupackenden Hände auffallen, bevor die Tuberkulose die Malerin besiegte, hoben mehrere Bieter auf 280.000 Euro (120.000/ 180.000) an.

          Antonio Saura hatte mit einem „Cura“ Erfolg: für 300.000 Euro verdoppelte der Kopf eines Priesters seine untere Schätzung. Werke von Chillida, Tàpies oder Manolo Valdés erzielten Preise innerhalb ihrer Taxen, - für Überraschungen sorgten die Maler, die noch im 19. Jahrhundert geboren wurden: José Jiménez Aranda wird für seine Genreszenen geschätzt, die - als Auftragsarbeiten - bis heute selten auf den Markt gelangen. Zuletzt konnte das Madrider Haus Durán im Jahr 2000 für umgerechnet 150.000 Euro Arandas „Die Bibliophilen“ versteigern, alte Herren beim Stöbern im Antiquariat, als einen der teuersten Verkäufe des Jahres.

          Bemerkenswerte Zuschläge

          Jetzt ging bei Christie's „La dernière epâve“, eine 1886 in Paris gemalte Fürbitte in Amtsgeschäften, für 250.000 Euro (100.000/150.000) an einen telefonischen Bieter. Bemerkenswert waren die Zuschläge für den der Pariser Schule zugehörigen Francisco Bores: Seine 1949 entstandene „Komposition vor dem Fenster“, geschätzt auf 60.000 bis 80.000 Euro - den bislang üblichen Preis auf dem spanischen Markt - schnellte auf stolze 250.000 Euro. Ein „Mädchen mit Reifen“ von 1944 fand für 130.000 Euro (50.000/80.000) ein neues Heim. Im Gegenzug blieb das mit 500.000 Euro höchsttaxierte Los der Auktion liegen, „Sol de tarde“, ein großformatiges Seestück des erfolgreichen und reiselustigen Katalanen Eliseu Meifrén Roig.

          Unter den 21 Skulpturen, die Christie's anbot, befand sich als Schwergewicht eine gewaltige bronzene „Reina Mariana“ von Manolo Valdés, von der Marlborough Galerie Madrid eingereicht. Für sie erhielt ein Bieter im Saal, der mit Jeans und Wanderschuhen aussah, als würde er die tonnenschwere Dame gleich forttragen wollen, bei 280.000 Euro (140.000/160.000) den Zuschlag. Mehrfach machte der spanische Staat in der Auktion von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch, so bei einer attraktiven Skulptur von Angel Ferrant, „Mujeres enlazadas“ aus dem Jahr 1952, für 78.000 Euro und für zwei Bilder des, auch in Spanien nicht sehr bekannten, doch bisweilen als Erbe Goyas gepriesenen Malers Leonardo Alenza Nieto, zur unteren Schätzung von 120.000 Euro: Der 1807 in Madrid geborene Alenza Nieto hinterließ ein kleines OEuvre qualitätvoller Milieustudien und satirischer Wirtshausszenen, als er in ärmlichen Verhältnissen 1845 starb.

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