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Sotheby’s Online : Gemeinsam marschieren

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Sotheby’s im Netz: Seit Ende April wird die Webseite des Auktionshauses zu einem Online-Shop für Kunst. Bild: EPA

Seit Ende April wird die Webseite des Auktionshauses zu einem Online-Shop für Kunst. Das „Sotheby’s Gallery Network“ ist neu, aber keine Revolution.

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          Selten kann ein Unternehmen voraussehen, wie sich eine Investition langfristig auszahlen wird. Im Jahr 2018 kaufte Sotheby’s den 2013 gegründeten exklusiven Online-Marktplatz für Möbel, Antiquitäten und Innendekoration „Viyet“. Diese, danach in „Sotheby’s Home“ umbenannte, Online-Plattform nutzt Sotheby’s jetzt als neuen Weg, Einkommen mit Kunst zu generieren, der vor der Corona-Krise nicht geplant war – und ganz anders funktioniert als das Auktionsgeschäft oder ein durch das Auktionshaus vermittelter Private Sale.

          Ende April gab Sotheby’s den Launch des „Sotheby’s Gallery Network“ bekannt, das ausgewählten Galerien die Möglichkeit bietet, direkt mit interessierten Sammlern in Kontakt zu treten und Werke direkt an sie zu verkaufen. Wer auf der Sotheby’s-Website unter „Buy“ den Link dorthin anklickt, kommt zu der Plattform, die ähnlich funktioniert wie Amazon, freilich auf höherem Niveau: Externe Kunsthändler können dort, auf Einladung des Hauses, ihre Ware hochladen; Käufer können sie mit einem Klick in ihren virtuellen Einkaufswagen befördern und dann zur Kasse gehen. Die Kunden haben zudem die Option, einen niedrigeren Preis anzufragen. Für den Service, den Auftritt auf der Website und den Zahlungsmechanismus bereitzustellen, zieht Sotheby’s vom Verkäufer Gebühren ein, die im Preis schon mitberechnet wurden.

          Acht Galerien mit einem Sitz in New York, die zeitgenössische Künstler vertreten, sind bereits Teil des „Netzwerks“, darunter Gavin Brown’s Enterprise, Lehmann Maupin, Luhring Augustine, Petzel oder Sperone Westwater. Bis dato waren 53 Objekte zum Direktverkauf mit genannten Preisen von 5000 bis 150 000 Dollar gelistet; für weitere Werke über 150 000 Dollar muss per E-Mail eine Anfrage an Sotheby’s gesendet werden. Sotheby’s gibt an, dass weitere Galerien interessiert seien und das erste Werk bereits in den ersten 24 Stunden verkauft worden sei. Die Plattform werde implementiert, erklärt das Haus, „um unsere Händlerkollegen zu unterstützen und ihnen einen neuen Weg zu eröffnen, Kunstwerke schnell und effizient zu verkaufen“. Wegen der abgesagten Messen und in New York weiterhin geschlossenen Galerieräume ist der direkte persönliche Kontakt mit etablierten wie neuen Sammlern derzeit unmöglich, trotz Online-Viewing Rooms und Galerien-Websites.

          Sperone Westwater bietet zum Beispiel derzeit fünf Arbeiten an, darunter das Gemälde „Port Shepstone“ von Julian Schnabel für 75 000 Dollar. Das teuerste von dreizehn Objekten der Galerie Jack Shainman etwa ist ein „Soundsuit“ für 150 000 Dollar von dem amerikanischen Künstler Nick Cave (nicht zu verwechseln mit dem australischen Musiker). Rachel Lehmann von der Galerie Lehmann Maupin sagt zu der Entscheidung, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen: „Wir sehen in dieser neuen Initiative eine Chance, unsere Reichweite zu vergrößern und unsere Künstler und deren Arbeit einem internationalen Publikum vorzustellen.“ Ob das Angebot auf Galerien außerhalb von New York ausgedehnt und auch nach der akuten Krise weiterbestehen wird, steht noch nicht fest. Sotheby’s erklärt dazu, man sei zuversichtlich für zukünftige Partnerschaften dieses Modells mit weiteren Galerien und hoffe, damit ein „Full-Service-Transaktionsinstrument“ bereitzustellen. Für Sammler und Kunstkäufer könnte die Plattform tatsächlich mehr Preistransparenz und einen direkteren Zugang zum Angebot führender Galerien bieten, ohne Verhandlungen oder Wartelisten.

          Auf den ersten Blick mag die neue Zusammenarbeit etwas kontraintuitiv erscheinen, konkurrieren doch gerade Auktionshäuser und Kunsthändler – traditionell – um die Gunst ihrer Klientel. Doch in extremen Zeiten wie diesen ist auch in der Kunstwelt das Überleben aller Akteure wohl wichtiger als die Konkurrenz – besonders natürlich, wenn Synergien entstehen und beide Seiten profitieren können. Im Übrigen ist das „Sotheby’s Gallery Network“ viel weniger revolutionär, als es den Anschein hat. Es rückt eine bestehende, gegenseitige Abhängigkeit nur ins helle Licht: Denn Händler und Galerien sind, neben privaten Sammlern, nicht nur wichtige Käufer im Auktionssaal, sondern längst auch wichtige Einlieferer.

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