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New Yorker Ergebnisse : Was es für Abendauktionen der Superlative alles braucht

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Was für eine Party: Ernie Barnes „The Sugar Shack“, 1976, Acryl auf Leinwand, 91,4 mal 121,9 Zentimeter, wurde bei Christie’s für 13 Millionen Dollar vermittelt. Bild: Christie`s

Bei den Blockbuster-Auktionen moderner und zeitgenössischer Kunst in New York hagelte es Rekorde. Herausragende Privatsammlungen hatten daran entscheidenden Anteil.

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          Die teuerste Privatsammlung, das teuerste Werk des 20. Jahrhunderts und die teuerste Fotografie – in New York hagelte es Superlative der Auktionsgeschichte. Einmal mehr unterstrichen sie die Anziehungskraft als Qualitätssiegel anerkannter Provenienz, von Rarität, Marktfrische und kunsthistorisch bedeutsamer Entstehungsgeschichte. Warhols „Shot Sage Blue Marilyn“ aus dem Nachlass der Kunsthändler Doris und Thomas Ammann, die bei Christie’s mit einem Zuschlag bei 170 Millionen Dollar zum teuersten versteigerten Kunstwerk des vorigen Jahrhunderts wurde, vereinte all diese Kriterien. So auch Man Rays Porträt seiner Muse Kiki de Montparnasse „Le Violon d’Ingres“ (Taxe 5 bis 7 Millionen Dollar) von 1924 aus der Sammlung Jacobs: Der Hammerpreis von 10,5 Millionen verdreifachte bei Christie’s den Auktionsrekord für eine Fotografie. Bei Sotheby’s wurde die Sammlung Macklowe, deren letzte Tranche nun versteigert ist, mit einem Gesamterlös von 922,2 Millionen für 65 Werke die teuerste je auktionierte private Kunstkollektion. Phillips feierte seinen höchsten Umsatz für eine Abendauktion.

          Den Saisonauftakt machte Christie’s mit der Sammlung Ammann, die mit 34 von 36 Losen 317,8 Millionen Dollar einspielte. „Shot Sage Blue Marilyn“ sicherte sich der Mega-Händler Larry Gagosian im Saal. Mit Aufschlägen fallen 195 Millionen Dollar an. Nach einer großen PR-Kampagne hatte sich Christie’s allerdings sicher mehr als die veranschlagten 200 Millionen erhofft. Unter den sieben Künstlerrekorden waren Bestmarken für Francesco Clemente, Mary Heilmann und Ross Bleckner. Trotzdem fehlte der Auktion ein wenig die Energie, womöglich weil sie Sammler aus Asien nicht ansprach: Diese stellten nur zehn Prozent der Bieter.

          Bei Sotheby’s: Georg Baselitz, „Glastrinkerin“, 1981, Öl auf Leinwand, 162 mal 130 Zentimeter, für knapp 3,7 Millionen Dollar mit Aufgeld verkauft.
          Bei Sotheby’s: Georg Baselitz, „Glastrinkerin“, 1981, Öl auf Leinwand, 162 mal 130 Zentimeter, für knapp 3,7 Millionen Dollar mit Aufgeld verkauft. : Bild: Sotheby's / VG Bildkunst, Bonn 2022

          Asiatische Telefonbieter brachten dafür den „21st Century Evening Sale“ bei Christie’s in Schwung. Werke von Matthew Wong und Anna Weyant stiegen auf das Mehrfache ihrer Taxen. „Portrait of a Lady“ (200.000/300.000) von Ewa Juszkiewicz, gemalt 2019 im Stil der französischen Romantik, stieg auf 1,25 Millionen. Der Auktionsumsatz blieb jedoch mit 103 Millionen Dollar hinter der Erwartung von 110 bis 162 Millionen zurück, obwohl alle 31 Lose vermittelt wurden. Kurz vor Beginn war Basquiats Triptychon „Portrait of the Artist as a Young Derelict“ zurückgezogen worden, das um 30 Millionen Dollar hatte beitragen sollen. Der Einlieferer hatte sich gegen eine Garantie entschieden, um den gesamten Gewinn einstreichen zu können. Gerhard Richters großes „Abstraktes Bild“ (um 35 Millionen) von 1994, einst in der Sammlung Eric Claptons, schwang sich zum Spitzenlos auf. 2012 für 34,2 Millionen Dollar brutto versteigert, erzielte es nun 33 Millionen.

          Erklomm fast die obere Taxe: Kerry James Marschalls „Beauty Examined“, 1993, Acryl und Collage auf Leinwand, 214,9 mal 252 Zentimeter, bei Sotheby’s für 11,5 Millionen Dollar verkauft
          Erklomm fast die obere Taxe: Kerry James Marschalls „Beauty Examined“, 1993, Acryl und Collage auf Leinwand, 214,9 mal 252 Zentimeter, bei Sotheby’s für 11,5 Millionen Dollar verkauft : Bild: Sotheby’s

          Weiter ging es bei Christie’s mit Moderne und Impressionismus. Ein durchschlagender Erfolg waren die zwölf Lose der Sammlung Anne H. Bass. Sie erzielten 363 Millionen Dollar, mehr als die obere Gesamttaxe. Die Toplose, zwei rot leuchtende Rothkos, „Untitled (Shades of Red)“ und „No. 1“, blieben mit 58 und 43 Millionen Dollar knapp unter ihren unteren Taxen. Monets „Le Parlement, soleil couchant“ (40/60 Millionen) stieg auf 66 Millionen. Für Edgar Degas’ „Petite danseuse de quatorze ans“ (20/30 Millionen) fiel der Hammer erst bei 36 Millionen. Christie’s „20th Century Evening Sale“ setzte mit 41 von 42 Losen 468 Millionen Dollar um. Wenigstens fünfzehn Werke trugen Garantien. Das Spitzenlos, Jackson Pollocks „Number 31 (1949)“, ein frühes Drip-Painting mit einer Erwartung von „mehr als“ 45 Millionen Dollar, stieg auf 47 Millionen. Picassos Bronze „Head of a Woman“ (30 Millionen) aus dem Metropolitan Museum of Art brachte 42 Millionen Dollar. Der Höhepunkt des Abends kam, als ein Gemälde des afroamerikanischen Malers Ernie Barnes aufgerufen wurde. „The Sugar Shack“ (150.000/200.000), gemalt 1976, zeigt Tanzende in der Durham Armory in North Carolina. Bekannt wurde das Gemälde durch das Cover von Marvin Gayes Album „I Want You“ und die Sitcom „Good Times“. 22 Telefonbieter hatten sich registriert, doch mit einem Gebot von 13 Millionen war der Hedgefonds-Manager Bill Perkins im Saal erfolgreich. Der bisherige Barnes-Rekord lag bei 550.000 Dollar. Insgesamt setzte Christie’s mit mehr als 650 Losen in den Tages- und Abendauktionen starke 1,43 Milliarden Dollar um.

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