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Sommerauktionen in Wien : Kaiserin Elisabeth und ihre Entourage

  • -Aktualisiert am

Kleinskulptur einer Überlebensgroßen: Hans Bitterlich, „Kaiserin Elisabeth“, um 1907, weißer Marmor, Taxe 150.000 bis 300.000 Euro Bild: im Kinsky

„Sisi“ im Kleinformat, eine Muttergottes von Cranach und Orientalismus: Das Auktionshaus im Kinsky bietet bei seinen großen Sommerauktionen Lose aus sechs Sparten an.

          2 Min.

          In einer lauschigen Ecke des Wiener Volksgartens plätschert ein Brunnen zu Füßen des Kaiserin-Elisabeth-Denkmals. Hans Bitterlich hat die ermordete Monarchin 1907 ebenso anmutig wie streng in weißem Marmor verewigt. Das Auktionshaus im Kinsky wartet in seiner „Großen Sommerauktion“ nun mit einer kleineren Ausführung dieser Figur auf: Die 90 Zentimeter hohe Statue zeigt „Sisi“ lebensnah, umrankt von Blumen und mit Buch (Taxe 150.000 bis 300.000 Euro).

          Neben Antiquitäten treten vom 28. bis zum 30. Juni fünf weitere Sparten an, wobei die Alten Meister das Toplot stellen. Von Lucas Cranach dem Älteren, über dessen Zeit am Wiener Hof das hiesige Kunsthistorische Museum gerade eine Ausstellung zeigt, stammt eine „Madonna mit Kind und Johannesknaben“. Das unpublizierte, 76 mal 59 Zentimeter große Tafelbild taucht aus Wiener Familienbesitz auf, wo es sich rund hundert Jahre befand. Als Vorbild diente ein Marienbild von Pietro Perugino. Die Taxe liegt bei 250.000 bis 500.000 Euro.

          Lucas Cranach dem Älteren zugeschrieben: „Madonna mit Kind und Johannesknaben“, um 1512, Öl auf Holz, 76 mal 59 Zentimeter, Taxe 250.000 bis 500.000 Euro
          Lucas Cranach dem Älteren zugeschrieben: „Madonna mit Kind und Johannesknaben“, um 1512, Öl auf Holz, 76 mal 59 Zentimeter, Taxe 250.000 bis 500.000 Euro : Bild: im Kinsky

          Ein Highlight der nordischen Kunst stellt das Kabinettstück „Das Urteil des Midas“ von Jan Brueghel d. Ä. und dem auf Kleinformate spezialisierten Hans Rottenhammer dar. Mit Ölfarbe auf Kupferplatte erstrahlen die halb nackten Körper der Götter auf einer Waldlichtung (50.000/100.000). Von dem Rembrandt-Schüler Nicolaes Maes gelangt ein „Junge mit Hund und Vogel an einem Brunnen“ zur Auktion, den Pfeil und Bogen als Amor kennzeichnen (35.000/70.000).

          Das Gemälde „Eine ländliche Bauernschupfe mit hereineilendem Vieh“ von Friedrich Gauermann aus dem Jahr 1843 führt mit Schätzwert 100.000 bis 200.000 Euro die Lose des 19. Jahrhunderts an. Harmonie strahlt die „Holländische Landschaft mit Viehherde“ aus, mit der Ferdinand Waldmüller 1822 Adriaen van de Velde kopierte (25.000/50.000). Orientalistische Sujets wie die „Sklavenhändler“ von unbekannter Hand wirken heute unsäglich, die Nachfrage ist aber besonders bei Sammlern aus dem Nahen Osten hoch (25.000/50.000).

          Aus heutiger Sicht irritierend: Künstler des 19. Jahrhunderts „Orientalische Sklavenhändler“, Öl auf Leinwand, 107 mal 134 Zentimeter, Taxe 25.000 bis 50.000 Euro
          Aus heutiger Sicht irritierend: Künstler des 19. Jahrhunderts „Orientalische Sklavenhändler“, Öl auf Leinwand, 107 mal 134 Zentimeter, Taxe 25.000 bis 50.000 Euro : Bild: im Kinsky

          Die Sparte Klassische Moderne lockt mit einem Fokus auf Alfons Walde. „Nach der Vesper“ titelt seine Begegnung zweier Frauen. Das fast quadratische Gemälde bringt die Farben der Trachten vor dunklem Hintergrund zum Leuchten (250.000/500.000). Heiter ist dagegen die Stimmung von „Eislauf“, in dem der Kitzbühler um 1920 einen Kinderreigen skizzenhaft malte (180.000/360.000). Zu den besonderen Papierarbeiten der Offerte zählen Klimts Aktzeichnung „Aufgestützt Liegende“ sowie die Gouache „Fleurs y Femme en rêve“ von Chagall (je 100.000/200.000).

          Action gibt es bei den Zeitgenossen, etwa bei Hans Hartungs Tableau von 1980, dessen heftige vertikale Striche und Kratzer an einen Regenguss erinnern (120.000/240.000). Dagegen wirkt das unbetitelte Spätwerk Willem de Koonings lyrisch (80.000/160.000). Geschüttetes Blut und rote Acrylfarbe verleihen Hermann Nitschs 2,3 Meter breitem Reliktbild von 2001 seine Ausdrucksstärke (70.000/ 140.000). Xenia Hausner hat sich vor dreißig Jahren auf aparte Großporträts spezialisiert. 1994 malte die ehemalige Bühnenbildnerin mit der Schauspielerin Rosemarie Fendel eine Kollegin vom Theater (35.000/70.000). Eine skurrile Holzskulptur ließ Martin Kippenberger mit „Opel-Manta-Amaturenbrett“ schnitzen. Die gebeizte Replik eines Autoteils nach Unfall weist eine Delle auf, wo der Kopf des Fahrers aufprallte (25.000/50.000).

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