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Sommerauktionen bei Grisebach : Temperaturen wie erwartet

Der Hammer fiel bei 1,45 Millionen Euro: Max Beckmann, „Grauer Strand“, 1928, Öl auf Leinwand. 35,5 mal 78,5 Zentimeter. Bild: Grisebach

Max Pechsteins „Russisches Ballett“ erfüllt die Erwartungen bei den Sommerauktionen von Grisebach in Berlin. Zum soliden Gesamtergebnis trugen aber auch andere heiß umkämpfte Lose bei.

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          Farbenfrohe Stillleben und Bilder brausender See waren die Renner der Sommerauktionen bei Grisebach in Berlin, die dem Auktionshaus ein leicht überdurchschnittliches Halbjahresergebnis bescherten. Teuerstes Los wurde, im Rahmen der Erwartung, das „Russische Ballett“ von Max Pechstein von 1909, das nach einem Bieterrennen bei zwei Millionen Euro einer Berliner Privatsammlung zugeschlagen wurde (Taxe zwei bis drei Millionen). Für einen weiteren Hammerschlag jenseits der Million sorgte Max Beckmanns „Grauer Strand“. Das Gemälde verfehlte mit 1,45 Millionen Euro nur knapp die obere Schätzung und ging an einen europäischen Privatsammler. Von den 32 Losen der Sektion „Ausgewählte Werke“ gingen vier zurück.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Auch die Versteigerung der Expressionisten-Sammlung von Adalbert und Thilda Colsman verlief mit 17 Rückgängen auf 69 Losen erfolgreich. Das Ölgemälde „Hohe See“ von Emil Nolde sorgte für den dritten Millionenzuschlag; es wurde für 1,3 Millionen innerhalb der Erwartung an eine süddeutsche Sammlung vermittelt. Noldes Porträt „Christina“ von 1915 wandert für 400.000 Euro in eine amerikanische Sammlung (400.000/ 600.000). Der Weltrekord für Ewald Mataré liegt nun bei 220.000 Euro, die seine Skulptur „Große kniende Kuh“ erreichte (100.000/ 150.000). Glanzlicht der Moderne war Fritz Skades „Männerbildnis“, das für 72.000 Euro den Besitzer wechselte (8000/12.000). Von 179 Losen der Sektion verblieben 54 bei Grisebach.

          Das teuerste Sommerlos bei Grisebach: Max Pechstein, „Russisches Ballett“, 1909, Öl auf Leinwand. 100 mal 100 Zentimeter, vermittelt für zwei Millionen Euro.
          Das teuerste Sommerlos bei Grisebach: Max Pechstein, „Russisches Ballett“, 1909, Öl auf Leinwand. 100 mal 100 Zentimeter, vermittelt für zwei Millionen Euro. : Bild: Grisebach

          Bei den Zeitgenossen wurden 75 von 102 Losen vermittelt. Hart umkämpft war die frühe Arbeit „Ohne Titel (Schüttbild)“ des kürzlich verstorbenen Künstlers Hermann Nitsch. Zahlreiche Bieter vervielfachten die Taxe von 20.000 bis 30.000 Euro auf den Hammerpreis von 320.000 Euro. Einen weiteren Glanzpunkt setzte Karin Kneffels Diptychon „(F XXXVIII)“ von 1997. Das Ergebnis von 280.000 Euro setzt den Weltrekord für die Künstlerin auf einer Auktion (150.000/200.000). In der Abteilung mit Kunst des 19. Jahrhunderts löste das wiederentdeckte Hauptwerk der badischen Künstlerin Amalie Bensinger ein Bietergefecht aus, das ein hessischer Privatsammler bei 38.000 Euro für sich entschied (15.000/20.000).

          Im Fokus der Fotografie-Auktion stand amerikanische Street Photography. Heiß begehrt war aber auch „Poolside Pairs“ von Slim Aarons aus dem Jahr 1970. Die farbstarke Inszenierung kalifornischen Lebensgefühls stieg auf 20.000 Euro (8000/10.000). Von 107 Losen blieben 28 hängen. Insgesamt beträgt der Umsatz für die Sommerauktionen und die Onlineverkäufe von Grisebach in diesem Jahr 25 Millionen Euro brutto.

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