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Solidarischer Kunstmarkt : Im Bewusstsein einer gemeinsamen Mission

  • -Aktualisiert am

David Zwirner, deutsch-amerikanischer Galerist, spricht während einer Pressekonferenz in seiner Galerie. Bild: dpa

Wie kleinere Galerien die derzeitige Krise überleben, hängt auch davon ab, wie solidarisch sich ihr Umfeld zeigt. David Zwirner holt junge Galerien mit Nachwuchskünstlern auf seine Website.

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          Wie viele, besonders kleinere Galerien die derzeitige Krise überleben, hängt auch davon ab, wie solidarisch sich ihr Umfeld zeigt. Viele können es sich nicht leisten, auf ihren Websites innerhalb weniger Wochen „Online Viewing Rooms“ einzurichten, um ihre Ausstellungen digital zu zeigen. Immerhin gibt es vielerorts unter lokal vernetzten Galerien einen gestärkten Sinn für gegenseitige Unterstützung, von der Whatsapp-Gruppe für Informationen und guten Rat bis zur Planung koordinierter Wiedereröffnungen nach dem Lockdown. Der Kunsthändler David Zwirner geht noch einem Schritt weiter: Der geborene Kölner, der vor 27 Jahren seine erste Galerie in New York eröffnete, ist heute – mit drei New Yorker Adressen und Niederlassungen in London, Paris und Hongkong – einer der weltweit einflussreichsten Galeristen. Nun stellt er kleineren Galerien, die für ein innovatives Programm stehen und Nachwuchskünstler fördern, kostenfrei Platz auf seiner Website zur Verfügung.

          „Platform“ heißt das Projekt, das im April mit New York begann. Zwölf dortige Galerien, darunter Bridget Donahue, 47 Canal und Bureau, wurden eingeladen, einen ihrer Künstler für einen Monat mit zwei Werken dort online vorzustellen. Auch Preise, zwischen 2500 und 50.000 Dollar, waren angegeben, um potentiellen Käufern Klarheit zu verschaffen, ob sie sich eine Arbeit auch leisten können. Verkaufte Werke konnten durch neue ersetzt werden. Die Besucher auf Zwirners Website werden direkt auf die Website der teilnehmenden Galerien weitergeleitet, und Zwirner berechnet keine Kommission. Interessenten müssen sich auch nicht auf seiner Website registrieren, womit er selbst immerhin wertvolle Daten sammeln könnte.

          Wir alle teilen die gleichen Sorgen

          „Das Projekt entstand ganz organisch. Zwischen der Idee und dem Launch verging nur eine Woche“, erklärt Elena Soboleva, die Direktorin für „Online Sales“ bei Zwirner: „Als Galerien und Museen in New York begannen, ihre Schließungen bekanntzugeben, traf sich eine Gruppe von jungen Mitarbeitern der Galerie, um zu überlegen, was wir tun könnten, um die Art World Community zu unterstützen. Wir alle teilen die gleichen Sorgen um Verkäufe, Künstler und Personal. Die Zahl der teilnehmenden Galerien war auch durch den auf unserer Website zur Verfügung stehenden Platz vorgegeben und dadurch, wie viel zusätzliche Arbeit unser eigenes Team übernehmen kann.“ Schon „Platform: New York“ lief so erfolgreich – in den ersten drei Tagen zählte Zwirners Website 20.000 Online-Besucher, und die meisten Galerien meldeten am Ende Verkäufe –, dass gleich zwei Ausgaben für London und Los Angeles umgesetzt wurden.

          Zentral für das Erfolgsrezept sind die zeitliche Begrenzung und die limitierte Auswahl, die ein Gefühl der Dringlichkeit schaffen. Das motiviert, ähnlich wie bei einer Kunstmesse, potentielle Käufer, aktiv zu werden. „Platform: Los Angeles“ geht in dieser Woche zu Ende. Die vierte Ausgabe, „Platform: Paris/Brussels“, ist gerade angelaufen, parallel zur Wiedereröffnung nach dem Lockdown von Zwirners noch recht junger Dependance in Paris. Unter den Pariser Galerien ist zum Beispiel Balice Hertling: Sie stellt die Malerin Xinyi Cheng mit zwei Arbeiten vor, „The Horse Wearing a Red Ear Bonnet and Eye Blinders“ (6000 Dollar) und „Itches“ (18.000 Dollar), ein Gemälde mit zwei Füßen in einer blauen Badewanne. Aus Brüssel wurde Damien & the Love Guru eingeladen: Die Galerie zeigt totemistisch anmutende Keramikplastiken der belgischen Künstlerin Sharon van Overmeiren, Jahrgang 1985. Ihre einen Meter hohe Arbeit „China Town“ (9000 Dollar) vermischt traditionelle chinesische Motive wie zwei Drachen mit comicartigen Monstern. In der Collage „Fraise Cake“ der Amerikanerin Maggie Lee, Jahrgang 1987, die von der Galerie Édouard Montassut aus Paris vorgestellt wird, fliegen glänzende rote Erdbeertörtchen mit Sahne im Bildraum (5500 Dollar).

          „Galerien sind von Natur aus partnerschaftlich. Der Sinn ihrer Existenz ist es, mit Künstlern zusammenzuarbeiten oder mit den anderen Galerien, die denselben Künstler vertreten“, sagte David Zwirner in einem von der Kunstmesse Art Basel in der vorigen Woche organisierten Online-Gespräch über neue, durch die Krise geschaffene Modelle von Kollaboration: „Manche Kunden wollen gerade nicht unbedingt von uns hören. Die Zusammenarbeit mit anderen Galerien gibt uns die Möglichkeit, mit unseren Sammlern auch über etwas anderes zu reden als unsere eigenen Künstler und Projekte.“

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