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Pariser Auktionsmarkt 2016 : So sieht Bestform in Frankreich aus

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Nach solchen Höhenflügen nehmen sich die Pariser Preise für die klassischen Segmente geradezu vernünftig aus. Bei den Altmeister-Auktionen lag wie 2015 Louise Moillon ganz vorne. Ihr Stillleben „Korb mit Zwetschgen“ von 1629 ging bei Sotheby’s für 950 000 Euro an einen amerikanischen Sammler: ein Weltrekord für die Künstlerin, die in Paris in eine Malerfamilie geboren wurde und ihr Leben lang meist kleinformatige, wunderbar samtige Früchtestillleben malte. Zwei Marmor-Statuetten „Trauernder“, die Jean de Cambrai Anfang des 15. Jahrhunderts für das Grab des Duc de Berry geschaffen hatte, wurden bei Christie’s für 4,4 Millionen Euro dem Louvre zugeschlagen. Das französische Museum hatte sein Vorkaufsrecht geltend gemacht.

Neuer Weltrekord für ein Sammler-Auto

Bei den Impressionismus- und Moderne-Auktionen war es ein Zeichen für einen, zumindest stagnierenden Markt, dass etwa Werke von Pierre Bonnard, Marc Chagall oder Fernand Léger mit Taxen zwischen einer und zwei Millionen Euro bei Sotheby’s im Juni glattweg zurückgingen. Ein „Grand nu à la baignoire“ von Bonnard, der bei Christie’s auf drei bis fünf Millionen geschätzt worden war, wechselte für nur 1,5 Millionen Euro den Besitzer.

Wenn es jedoch um ein außergewöhnliches Werk geht, sind die Reaktionen entsprechend anders: So kam bei Artcurial das wichtige frühe Gemälde „Nu sur nu“ von Marcel Duchamp für eine Million Euro (Taxe 500 000/700 000) unter den Hammer. Und Sotheby’s konnte im Dezember mit James Ensors „Squellette arrêtant masques“ ein selten aufregendes Moment bieten: Das Ölgemälde von 1891 ist eine Wiederentdeckung im Werk des belgischen Künstlers; eine Familie aus seiner Geburtsstadt Ostende hatte es 1922 direkt vom Maler gekauft. Es war seither, ohne je ausgestellt worden zu sein, in dieser Familie verblieben. Ensor war von den Themen Tod und Masken geradezu besessen. Im Skelett, das den Maskenfiguren die Stirn bietet, soll sich der Künstler selbst dargestellt haben. Das Gemälde ist nur 33 auf 55 Zentimeter groß und gehört zu seinen Hauptwerken. Fünfzehn Bieter kämpften in einem spannenden Gefecht um das außergewöhnliche Werk, das schließlich für einen Rekordpreis von 6,4 Millionen Euro (1/1,5 Millionen) in eine europäische Sammlung überging. In den Veranstaltungen mit Nachkriegskunst und Zeitgenossen erreichten Jean Dubuffets „Trime burine“ aus der Sammlung Marina Picasso bei Christie’s 2,5 Millionen Euro (2/3 Millionen), während bei Sotheby’s Simon Hantaïs „m.a.4 (Mariale)“ für erstaunliche 3,8 Millionen (1,5/2 Millionen) reüssierte und Pierre Soulages’ „Peinture 162× 130 cm, 14décembre 1958“ das Rekordergebnis von 4,5Millionen Euro (2/3 Millionen) erzielte. Das Gemälde „63-F-5-1963“ des französischen Abstrakten Martin Barré erzielte bei Artcurial mit 570 000 Euro das Dreifache der oberen Taxe, ein bemerkenswertes Ergebnis für diesen Maler.

Wie 2015 wurde der höchste Preis auf dem französischen Auktionsmarkt jenseits der Kunst erzielt. Bei Artcurial stellte im Februar ein knallroter Ferrari 335 Sport Scaglietti aus dem Jahr 1957 mit 28 Millionen Euro einen neuen Weltrekord für ein Sammler-Auto auf. Und auch kein Auktionsjahr ohne Kuriositäten: Bei Christie’s kam eine etwas rostige Pistole für – sage und schreibe – 360000 Euro (50 000/70 000) unter den Hammer. Allerdings handelte es sich um keine geringere als die, mit der Paul Verlaine am 10. Juli 1873 in Brüssel auf Arthur Rimbaud geschossen hatte. Die beiden hatten sich, wie so oft, heftig gestritten, Rimbaud wollte nach Paris zurückkehren, da zielte Verlaine mit zwei Schüssen auf den jungen Dichter: „Das ist für dich, weil du mich verlassen willst!“, soll er gerufen haben. Das Ergebnis waren zehn Tage Krankenhaus für den einen, zwei Jahre Gefängnis für den anderen.

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