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Kölner Ergebnisse II : So ein Tigerbird ist gut

  • -Aktualisiert am

Die Auktionen mit Alter und Neuer Kunst bei Van Ham in Köln erzielten solide Ergebnisse. Überraschungen gab es bei den Alten Meistern, Unklarheiten bei den Zeitgenossen.

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          Bei Van Hams Herbstauktion mit Alten Meistern und 19. Jahrhundert kamen 245 Lose zum Aufruf - zugeschlagen wurde jedoch nur etwas mehr als die Hälfte. Beide Spitzenlose der Alten Kunst - das um 1505 im Umkreis des Hausbuchmeisters entstandene Ölgemälde „Die Verkündigung an Maria“ (Taxe 180 000/200 000 Euro) und Jan Brueghels d. Ä. Rundbild einer „Waldlandschaft mit Wanderern, die eine Brücke überqueren“, um 1600 (200 000/220 000) - blieben unverkauft. Dafür überraschte das „Stillleben mit Paradiesvogel“ vom Niederländer N. Steenwijk aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit einem Ergebnis von 26 000 Euro (5000/7000). Die bemalte, 110 Zentimeter hohe Holzskulptur des heiligen Christopherus samt Christuskind auf den Schultern aus dem 16. Jahrhundert und süddeutschem Raum schaffte mit einem Zuschlag von 38 000 Euro (4000/6000) mehr als das Sechsfache der Obertaxe.

          Auch beim 19. Jahrhundert blieb das Spitzenlos unverkauft, Honoré Daumiers Gemälde „Familie auf der Barrikade“ von 1848 war auf 180 000 bis 200 000 Euro geschätzt. Dafür brachten es zwei Gemälde von Franz von Lenbach, das „Porträt der Gattin des Künstlers“ und „Fantasie-Farbstudie mit Palette“, auf jeweils 18 000 Euro (Taxe je 6000/8000), und Ivan Ajvasovskijs stimmungsvolles Ölbild „Auf der Krim“ wurde von einem russischen Sammler bei 44 000 Euro (40 000/60 000) erworben. Insgesamt wurden nur 1,18 Millionen Euro umgesetzt; erwartet waren mindestens 2,1 Millionen Euro.

          Zum teuersten Los bei der Moderne und Gegenwartskunst wurde Karel Appels abstrakter Vogel „Tigerbird“ beim Zuschlag von 320 000 Euro (175 000/200 000). Er ließ damit das höchstgeschätzte Los, Sigmar Polkes 1977 entstandene Mischtechnik auf Stoff „Es war der Gärtner“ mit 310 000 Euro (300 000/500 000) hinter sich. Marc Chagalls marktfrisches „Le jardin d’Eden“ reüssierte bei 230 000 Euro (150 000/200 000) und ging an einen amerikanischen Bieter; Wojciech Fangors hypnotisierende Arbeit „B 101“ von 1966 war einem polnischen Sammler 130 000 Euro (80 000/120 000) wert. Auch die Zero-Künstler, allen voran Otto Piene, der mit seiner großformatigen, 1974 entstandenen Feuergouache „Weißer Himmel - Schwarzer Stern“ 145 000 Euro (120 000/180 000) einspielte, erzielten solide Ergebnisse.

          Für Überraschungen sorgten Karl Hofers farbgewaltiges spätes Ölbild „Stehende Figur“ von 1953, das mit 38 000 Euro (14 000/18 000) erfolgreich war. Aufgrund von „Eigentumsunklarheiten bei den Einlieferern“, so die Auskunft auf Anfrage, konnte Neo Rauchs Ölgemälde „Porträt eines jungen Mannes“, das der Künstler bereits 1983 gemalt hat und das deshalb nicht in dem für ihn maßgeblichen Werkverzeichnis auftaucht, nur unter Vorbehalt zugeschlagen werden: Das 110 mal 66 Zentimeter große Bild kam mit 50 000 Euro (12 000/18 000) auf fast das Dreifache seiner oberen Taxe, wird vorerst jedoch nicht abgegeben. Insgesamt wurden knapp sechs Millionen Euro umgesetzt; die Erwartung lag bei mindestens 4,5 Millionen Euro.

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