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Dan Graham in Düsseldorf : Gespiegelt im neuen Bauen

  • -Aktualisiert am

Durchsicht: Hans Mayer und Max Mayer präsentieren Skulpturen aus Glas von Dan Graham im Schmela Haus. Bild: Katja Illner

Die Architektur des von Hans und Max Mayer als Galerie bespielten Schmela Hauses in Düsseldorf treibt ein strukturalistisches Spiel mit dem Raum. Dan Grahams gläserne Skulpturen spiegeln es auf faszinierende Weise.

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          Das Haus in der Mutter-Ey-Straße, günstig angebunden an die Kunsthalle Düsseldorf, war 1971 das erste, das in Deutschland für eine Galerie gebaut wurde. Fotos von früher zeigen es noch frei stehend, der verwinkelte Charakter tritt dadurch noch deutlicher zutage, wie überhaupt der durch und durch postmoderne Geist, der diesen Bau von Aldo van Eyck prägt. Alfred Schmela eröffnete ihn vor fünfzig Jahren mit einer Ausstellung von Joseph Beuys, darin auch die „Barraque D’Dull Odde“, die der vor hundert Jahren geborene Künstlerschamane später eigenhändig im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum installierte – und die dort noch immer, nahezu unangetastet, zu besichtigen ist.

          Für seine Architektur ließ sich der Niederländer van Eyck auch von Spielplätzen beflügeln (die er aus tiefer Überzeugung projektierte) und tat überhaupt alles, um dem geheiligten „White Cube“ des 20. Jahrhunderts eine Absage zu erteilen. Nichts ist weiß in diesem Gebäude, die Wände und Decken sind aus Beton und Bimsbetonstein, die Böden aus Marmor, es gibt keine klare Kubatur, in der Mittelachse darf ein vertikaler gläserner Zylinder auftrumpfen. Die Architektur setzt auf Ecken und Kanten, vermeidet jeden homogenen Raumeindruck und erscheint insgesamt willentlich verstiegen.

          Lichtspiel aus räumlicher Reflexion: „Model for Bogota“, Version 1/3, Zwei-Wege-Spiegel, Aluminium, Edelstahl, Holz und Acryl, 92 mal 175 mal 100 Zentimeter.
          Lichtspiel aus räumlicher Reflexion: „Model for Bogota“, Version 1/3, Zwei-Wege-Spiegel, Aluminium, Edelstahl, Holz und Acryl, 92 mal 175 mal 100 Zentimeter. : Bild: Katja Illner

          Ungewöhnlich war seinerzeit auch die angedachte Verbindung von Ausstellungsort und Wohndomizil, in der van Eyck das Haus entworfen hatte. Schmela selbst zog indessen nie ein, wohl aber unlängst der Galerist Max Mayer, der sich in der Inkunabel des neueren Bauens niedergelassen hat und dort mit der Galerie seines Vaters Hans Mayer kooperiert. So auch jetzt in einer Ausstellung mit wenigen sehenswerten Werken von Dan Graham, mehrfachem Teilnehmer der Documenta und der Skulptur Projekte Münster: Ihr Titel „Tight Squeeze“ ließe sich mühelos auf den Bau des 1999 gestorbenen Aldo van Eyck beziehen, der im Innern dicht und außen, Schulter an Schulter mit den Nachbarbauten, ein bisschen eingequetscht anmutet.

          Auch die gläsernen Objekte des 1942 in Urbana, Illinois, geborenen Bildhauers, ob aufgesockelt oder begehbar im Raum, leben von überraschenden Blickachsen und verschränkten Perspektiven, die sich beim Umlaufen ergeben; sie stimulieren die Pluralität der Wahrnehmung: So spiegelt man sich selbst vor einer eleganten Skulptur aus gerundetem Glas, das vor einer perforierten Metallwand eine Welle zieht, und wohnt im Binnenraum einem Lichtspiel bei, in dem sich die räumlichen Reflexionen betörend verflüssigen. All dieses dient bei Dan Graham, wie man seit seinem Frühwerk weiß, nicht nur der gesteigerten Augenlust, sondern es bildet eine vielgestaltige, verzerrte, transitorische Identität des Subjekts ab.

          Preise 70.000 bis 500.000 Euro; bis zum 8. Mai

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