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Versteigerung eines Gemäldes : Wie teuer ist ein Caravaggio

  • -Aktualisiert am

Sind 150 Millionen Euro zu viel oder zu wenig? Der Preis ist dreimal so hoch wie der Jahresankaufsetat des Pariser Louvre. Doch stammt das Gemälde wirklich von Caravaggio?

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          Unverhofften Entdeckungen verlorener Werke Alter Meister schlägt gewöhnlich Skepsis entgegen, auch wenn sie durch zeitgenössische Kopien belegt sind. Das galt für den „Bethlehemitischen Kindermord“ von Rubens, der mit einer falschen Zuschreibung in einem oberösterreichischen Kloster schlummerte, bis er 2002 bei Sotheby’s den Rekord für das teuerste, je versteigerte Altmeistergemälde aufstellte; erst 2017 übertroffen von dem umstrittenen „Salvator Mundi“ Leonardos. Jetzt gilt es für die dramatische Darstellung der Enthauptung des Holofernes, die am 27.Juni mit einer vorsichtigen Schätzung von bis zu 150 Millionen Euro als ein aus der Versenkung aufgetauchtes Spätwerk von Caravaggio in Toulouse versteigert wird.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Dort kam die auf dem Speicher deponierte Leinwand bei der Untersuchung einer undichten Stelle im Dach eines Hauses zutage, das um 1870 von einem neureichen Tuchhändler gebaut wurde. Die jetzt am Verkauf beteiligten Parteien hofften, den Fund geheim halten zu können bis zum Abschluss der Untersuchungen dieser Darstellung, die bislang nur durch eine, dem flämischen Künstler und Händler Louis Finson zugeschriebene, Kopie in Neapel bekannt war. Zwei Jahre lang hing das Bild sogar im Schlafzimmer des Pariser Kunstexperten Eric Turquin – zum Leidwesen seiner Frau, wie er jetzt in London bekannte, der ersten Station einer Tour vor der Auktion. Doch die Meldung ging 2016 durch die Presse, als auffiel, dass der französische Staat das Bild zum nationalen Kulturgut erklärt hatte. Damit war die Ausfuhr auf vorerst dreißig Monate gesperrt, während der Staat prüfte, ob er sein Vorkaufsrecht geltend machen wolle. Im Zentrum für Forschung und Restaurierung der Museen Frankreichs konnte „Judith enthauptet Holofernes“ nicht nur an den drei Werken Caravaggios im Louvre gemessen werden, sondern auch an der „Geißelung Christi“ aus Rouen. Dass Frankreich schließlich auf den Erwerb verzichtet hat, erklärt sich, Turquin zufolge, aus dem Preis, der den Jahresetat des Louvre um ein Fünfzehnfaches übertreffe. Das Museum hätte es wohl anders gesehen, wäre Caravaggio in der Sammlung nicht so stark vertreten.

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