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Serie : Konrad Klapheck an Wolfgang Hahn: Aus dem Zentralarchiv 13

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Der Düsseldorfer Künstler Konrad Klapheck schrieb eine Postkarte augescheinlich unspektakulärer Natur an den Kölner Sammler Wolfgang Hahn. Doch die Karte bezeugt exemplarisch das Wandern von Kunstwerken zwischen Europa und Amerika in der Zeit der Pop-Art.

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          Eine eher alltägliche Postkarte, die ein Sammler gewohnt ist, von den Künstlern zu erhalten, deren Werk er sammelt. Die Karte ist mit Füllfederhalter in blauer Tinte geschrieben; der kurze Text ist ergänzt mit der Skizze eines Bildes. Dieses Bild ist Gegenstand der Anfrage des Düsseldorfer Künstlers Konrad Klapheck an den Kölner Sammler Wolfgang Hahn. Das Bild „Die Farben der Wonne“ sei beschädigt; ob Hahn es sich einmal anschauen könne. Der arrivierte Sammler war Chefrestaurator am Kölner Wallraf-Richartz-Museum.

          Legt man das archivische Frageprinzip: Wer schreibt an wen betreffend was? zugrunde, wäre die gegebene Beschreibung der Postkarte hinreichend. Die wenigen Zeilen verraten jedoch mehr als den Wunsch, der Sammler möge „eventuell“, „wenn möglich“ sein Bild restaurieren. Wie nebenbei setzt Klapheck gegenüber Hahn noch einmal seinen momentanen großen internationalen Erfolg ins Licht - der in der Tat erstaunlich war. Nicht allein, weil der Künstler im Jahr von Castellis Besuch erst siebenundzwanzig Jahre alt war. Sondern weil er in Mailand, London, Paris und New York beachtete Ausstellungen mit realistischen Bildern machte, als vor allem die europäische Kunstwelt noch auf Ungegenständliches, also auf Tachismus oder Informel, kapriziert war. Die freundliche Botschaft an Hahn bezeugt des Weiteren exemplarisch das Wandern von Kunstwerken zwischen Europa und Amerika in der Zeit der Pop-Art. Der New Yorker Kunsthändler Leo Castelli hatte bei seiner Europareise 1962 Konrad Klapheck besucht und aus dem Atelier vier Bilder gekauft, unter anderen auch das besagte Bild aus der Serie der „Schuhspanner“. Sie gingen via Schiff nach New York.

          Animiert zum Kauf war Castelli durch eine Aktion der New Yorker Staempfli Gallery, die 1960 anlässlich einer von ihr veranstalteten Gruppenausstellung europäischer Künstler gleich sechs Bilder von Klapheck erworben hatte. Zu einer Ausstellung bei Castelli, die dieser bei seinem Düsseldorfer Besuch andeutete, war es allerdings nicht mehr gekommen, da sich der Galerist nunmehr entschieden hatte, nur noch amerikanische Künstler und Trends und Richtungen auszustellen. Castelli transferierte dann wenig später die Bilder Klaphecks - mindestens das besagte, und das offensichtlich mit Transportschaden - wieder zurück nach Europa, in die Pariser Galerie seiner ehemaligen Frau Ileana Sonnabend, die Klapheck 1965 eine Einzelausstellung einrichtete. Ileana Sonnabend sollte mit ihren Ausstellungen der amerikanischen Pop-Künstler entscheidenden Anteil an der Durchsetzung dieser Kunstrichtung in Europa haben.

          Seit dieser Ausstellung war nicht sehr viel Zeit vergangen, als Klapheck den Sammler Hahn um Besichtigung des Werks bat, das in Paris nicht verkauft worden war. Im Verbund mit der Skizze sprechen die wenigen Zeilen der Postkarte den Sammler Hahn, der in dieser Zeit bereits vier Stücke aus Klaphecks OEuvre besaß, als potentiellen Käufer an.

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