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Münchner Auktion : Sein „Kleines Warm“ für Lisa Kümmel

  • -Aktualisiert am

Auch Ketterer versteigert vom 9. bis 11. Juni Klassische Moderne, Kunst nach 1945 und Gegenwartskunst in München. Eine Vorschau

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          Als Dritter im Bunde geht Ketterer in der Münchner Auktionswoche an den Start, mit der bei weitem umfangreichsten Offerte. Vom 9. bis zum 11.Juni versteigert das Haus Klassische Moderne, Kunst nach 1945 und Zeitgenossen, präsentiert in sechs Katalogen. Die Großkaliber sämtlicher Sparten ballen sich am dritten Tag. Bevor deutscher Expressionismus übernimmt, tritt erst noch Liebermann mit der reizenden Ölskizze einer „Jungen Mutter unter Bäumen“ aus dem Jahr 1882 in Erscheinung: 100000 bis 150000 Euro soll sie einspielen. Marktfrisch aus Privatbesitz kommt Otto Muellers helltoniges Temperabild „Zwei Mädchen auf der Waldwiese“ von 1910 unter den Hammer, mit blauen Konturen webt es Mensch und Natur ineinander (Taxe 200000/400000 Euro). Ebenfalls lange in Privatbesitz pausierte Pechsteins „Stürmisches Wetter an der Ostsee (Beschienene Wellen)“, gemalt nach Kriegsende 1919 an der Kurischen Nehrung, wo den Maler „wechselnde Lichtfülle und Farbharmonie“ beglücken (350000/450000).

          Jawlensky hat es die Nordsee auf Borkum bei Sonnenuntergang angetan – ungewohnt tupfig gestaltet er den Himmel (300000/400000) –, während Nolde ihn über schäumender „Brandung“ flächig glühen lässt; das kleine Format ist mit 60000 bis 80000 Euro nicht das teuerste, aber das schönste der angebotenen Aquarelle des Seebüllers. Aus dem Besitz seiner Frau Adda kamen Campendonks „Drei Akte mit Schildkröte“ 1971 schon einmal zu Ketterer, jetzt steht die typische Arbeit der frühen Zwanzigererneut zum Verkauf, bewertet mit 200000 bis 300000 Euro. Das Spitzenlos des gesamten Angebots stellt Kandinskys 1928 musikalisch inspiriertes Aquarell „Kleines Warm“ mit einer Schätzung von 400000 bis 600000 Euro. Einst schenkte es der Künstler der Wiesbadener Malerin und Jawlensky-Vertrauten Lisa Kümmel, und seine „Zwei Spiralen“ besaß nach Nina Kandinsky der Kunsthistoriker Will Grohmann (50000/70000).

          „Homunkulus aufsteigend“ von 1953 aus Willi Baumeisters Werkgruppe „Faust und Phantom“ spekuliert als starkes Werk der Nachkriegsmoderne auf 300000 bis 400000 Euro. Im Rahmen der sechziger Jahre behaupten sich Hartungs entschiedenes Querformat „T1965 -H8“ (90000/120000), Asger Jorns fetzige Décollage „Jeanne au bucher“ (15000/ 20000) oder Klaphecks Nähmaschine „Geheimnis des Sex-Appeal“ (250000 /350000). Zahlenmäßig hat einmal mehr Zero die Oberhand: Allein drei Nagelfelder von Uecker gehen an den Start (Taxen bis 200000/300000), fünf Feuerbilder Otto Pienes (bis 150000/200000) sowie Arbeiten von Mack, Luther oder vom Niederländer Jan Schoonhoven. Dessen weißes Relief „R70-41“ mit Max-Imdahl-Provenienz erwartet einen Zuschlag bei 60000 bis 80000 Euro. Der Vergleich mit dieser Arbeit zeigt, wie der Krefelder Künstler Herbert Zangs bereits in den fünfziger Jahren mit seinen gefalteten und gereihten „Verweißungen“ Zero-Ideen vorwegnahm (je 18000/24000).

          Tony Craggs hölzerner „Runner“, ein abstraktes Geschöpf von futuristischer Dynamik (200000/300000), und der kohlegezeichnete Hai mit aufgerissenem Maul von Robert Longo (350000/ 450000) besetzen vordere Ränge bei den seit dem Jahr 2000 geschaffenen Arbeiten. Das Gefälle zur jüngeren Garde ist auch deshalb steil, weil sie viele noch kaum arrivierte Künstler anführt. Das gilt natürlich nicht für Anselm Reyle, der drei Meter Leinwand bunt mit Acryl, Pet-Folien und verspiegeltem Kunststoffglas streift, was zu einem Hammerpreis von 50000 bis 70000 Euro führen soll; Reyles „Soft Stripes“, mit denen er eine kleinere Fläche in Acrylfarbe schmückte, spekulieren auf mindestens 75000 Euro. Äußerst dekorativ wellt Jason Martin für „Evangelist“ goldene Farblocken auf eine Edelstahlraute, 60000 bis 80000 Euro wären dafür fällig. Stärkere Nerven und rund 30000 Euro braucht, wer sich Dirk Skrebers Unfallbild mit komplett zerlegtem Pkw und kaputtem Motorrad ins Zimmer hängen will.

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