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Schweizer Kunst : Bengalische Beleuchtung über Paris: Saisonabschluß bei Sotheby's und Christie's in Zürich

  • -Aktualisiert am

Bei der Auktion mit Schweizer Kunst in Zürich erreichte Sotheby's mit Abstand den höchsten Ertrag seit 1979, wozu auch Hodlers „Eiger, Mönch und Jungfrau über dem Nebelmeer“ von 1908, zugeschlagen für 4,3 Millionen Franken, beitrug. Christie's realisierte immerhin das Total der unteren Taxen.

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          Während Ferdinand Hodler zu Lebzeiten kurz nach der Jahrhundertwende mit seinen großformatigen Historienbildern und mystischen Figuren-Allegorien sehr viel Geld verdiente, werden heute für seine Landschaften von Sammlern bisweilen enorme Summen geboten: So etwa bei der Auktion mit Schweizer Kunst bei Sotheby's in Zürich, in der sich ein einheimischer Telefonbieter Hodlers Ansicht „Eiger, Mönch und Jungfrau über dem Nebelmeer“ von 1908, wie gemeldet, für 4,3 Millionen Franken - fast zum Doppelten der Schätzung - ertrotzte.

          Damit übertraf die in wabernden Blautönen gehaltene Gebirgslandschaft mit den drei durch Schneehauben akzentuierten Bergspitzen deutlich den bisherigen Rekordpreis von 3,7 Millionen Franken, auf den es vor sieben Jahren im selben Haus Hodlers streng achsensymmetrisch komponiertes Gemälde „Silvaplanersee“ von 1907 gebracht hatte.

          Ertragreiche Schweiz

          Einen neuen Rekordpreis erzielte in der Auktion auch Giovanni Giacomettis Spätwerk mit dem damals imposanten und heute durch eine häßliche Staumauer versperrten Blick ins „Albignatal“ im Bergell, das unter Vervierfachung der Schätzung für 1,15 Millionen Franken ebenfalls einem Schweizer Telefonbieter zugeschlagen wurde. Das gleiche gilt für das Gemälde „Bouquet et Visages“ von 1915 der Genfer Malerin Alice Bailly im Stil des russischen Kubofuturismus, das einem Telefonbieter 215 000 Franken (Taxe 35 000/45 000) wert war.

          Insgesamt nahm Sotheby's in der stark besuchten Auktion, in der gut ein Drittel der angebotenen Lose ihre Schätzwerte oftmals um ein Mehrfaches hinter sich ließen, mit einem Nettoumsatz von rund elf Millionen Franken fast fünfzig Prozent mehr als das Total der Mindesttaxen ein. Dies war bislang mit Abstand der höchste Ertrag, den Sotheby's seit 1979 mit lediglich 154 Arbeiten von Schweizer Künstlern in Zürich verbuchen konnte.

          Hodler und drei Personen am Tisch

          Auch Christie's wartete, gleichsam im Gegenzug, mit einem Gemälde Hodlers auf, das vor fünf Jahren unter dem Titel „Bergbach“ zu 450 000 Franken bei der Konkurrenz zurückgegangen war und nun mit französischer Bezeichnung einem bekannten Schweizer Privatsammler am Telefon für 850 000 Franken zur unteren Taxe zugeschlagen wurde.

          Um so mehr überraschte der Kampf um Augusto Giacomettis im bengalischen Licht der flimmernden Leuchtreklamen gehaltenes Gemälde „Paris“, dessen Wert von 480 000 auf 1,05 Millionen Franken (600 000/800 000) angehoben wurde. Auf einen neuen Rekordpreis brachte es das naturgetreue Porträt eines Bauern aus Savièse im Wallis des Westschweizer Malers Ernest Biéler auf Papier, für das ein Schweizer Sammler am Telefon 280 000 Franken (120 000/ 180 000) offerierte.

          Einen weiteren Höhepunkt bildete das Gefecht um Hermann Scherers Gemälde „Drei Personen am Tisch“ von 1924, das sich eine Institution für den Rekordpreis in Höhe von 400 000 Franken (300 000/400 000) sicherte. Obwohl die Auktion mit Schweizer Kunst bei Christie's nicht ganz so glatt wie die bei Sotheby's verlief, realisierte sie mit einem Nettoumsatz von gut sieben Millionen Franken immerhin das Total der unteren Taxen.

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