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Alte Meister in Abu Dhabi : Wo aber bleibt der Weltenretter?

Der Louvre Abu Dhabi zeigt die neu ersteigerte Ölstudie Rembrandts in seiner aktuellen Ausstellung niederländischer Meister. Auch neu in der Wüstenstadt, aber noch nicht zu sehen ist Leonardos Salvator Mundi.

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          Im Dezember vorigen Jahres wurde bei Sotheby’s in London Rembrandts Ölstudie eines jungen Mannes mit gefalteten Händen in der Haltung von Jesus im Gebet versteigert. Sie war seit gut sechzig Jahren nicht mehr auf dem Markt, geschätzt auf sechs bis acht Millionen Pfund und versehen mit einer Garantie. Die kleine Tafel gehört zu einer Serie, in der Rembrandt Christus in seiner Gestalt als Mensch darstellt; sein Modell ist ein junger Mann aus der jüdischen Gemeinde in Amsterdam. Sie war 2011/12 unter anderem im Pariser Louvre in der Ausstellung „Rembrandt und das Gesicht Jesu“ zu sehen. Ein Surplus ist, dass auf ihr zwei Daumenabdrücke freigelegt wurden. Sie könnten von Rembrandt stammen, mithin die bisher einzigen von ihm bekannten Fingerspuren – eine Berührungsreliquie gewissermaßen. Jetzt weiß man, wer das Kleinod gekauft hat, mit Aufgeld für 9,48 Millionen Pfund: der Louvre Abu Dhabi. Es ist, soweit bekannt, das erste Werk Rembrandts, das für eine öffentliche Sammlung in der Golfregion erworben wurde.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Der hübsche junge Jesus hat (seit dem 14.Februar) seinen Auftritt im Louvre Abu Dhabi, in der Schau „Rembrandt, Vermeer& the Dutch Golden Age: Masterpieces from The Leiden Collection and the Musée du Louvre“ (bis zum 18.Mai). Das ist ja schön – vor allem dass die Menschen ihn betrachten dürfen. Bloß – wo ist er in seiner späteren Gestalt, als „Salvator Mundi“? Jenes Gemälde von Leonardo – oder wenigstens von seiner Hand berührt –, das Furore machte, als es in einer Auktion im November 2017 gut 450 Millionen Dollar gekostet hat. Gekauft haben soll es, offiziell, das Ministerium für Kultur und Tourismus in Abu Dhabi. Aber dieses Geschenk an die Menschheit bleibt weiter im Dunkeln. Der angekündigte Termin für seine Enthüllung im Herbst 2018 ist auf unbestimmte Zeit verschoben, ohne Angabe von Gründen. Wir warten auf den Weltenretter aus Italien in der Wüste.

          Vom selben Stoffballen

          Stattdessen nun also Altmeister der Niederlande aus dem Pariser Louvre, gemeinsam mit der „Leiden Collection“. Deren Besitzer ist der amerikanische Unternehmer und Milliardär Thomas Kaplan. Zu seinen umfangreichen Beständen gehört auch jene Vermeer zugeschriebene „Junge Frau am Virginal“ – mit Vergangenheit. Im Jahr 2004 hatte sie der Las-Vegas Tycoon Steve Wynn für dreißig Millionen Dollar ersteigert: der erste Vermeer in einer Auktion seit mehr als achtzig Jahren – und bis dahin lange Zeit für nicht von seiner Hand gehalten. Irgendwann verkaufte Wynn das spröde Mädchen an Kaplan, Zeitpunkt und Preis sind nicht bekannt. Ein gewisser Reiz liegt in der Tatsache, dass dem für Vermeers Verhältnisse einigermaßen ungelenken Bild technische Untersuchungen zur Authentifizierung verholfen haben. Will heißen, die Leinwand für „Junge Frau am Virginal“ wurde vom selben Stoffballen abgeschnitten wie die für Vermeers bezaubernde „Spitzenklöpplerin“; die ist aus dem Pariser Louvre in die Dependance am Golf gereist. Nach dreihundert Jahren, so die Ankündigung, hängen die zwei Bilder erstmals wieder nebeneinander. Dahingestellt sei, ob sie das jemals getan haben. Und ob das für sie beide richtig gut ausgeht.

          Die Ausstellung zeigt 95 Werke, darunter allein 22 Gemälde und Zeichnungen von Rembrandt; bestückt ist sie überwiegend aus Kaplans „Leiden Collection“, die mehr als 250 Objekte umfasst. Ja, es ist einiges los im Louvre Abu Dhabi – und es ist sehr viel Geld im luxuriösen Spiel. Nur einer fehlt noch.

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