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Auktion in Paris : Bei Christo und Jeanne-Claude zuhause

Andy Warhols Siebdruck „Jackie“ (50,8 mal 40,6 cm) aus dem Jahr 1964 hatten Christo und Jeanne-Claude als Inspiration vor Augen. Die Schätzung des Spitzenloses liegt nun bei 700.000 bis einer Million Euro. Bild: Sotheby’s/ArtDigital Studio

Unter der Verpackung: Sotheby’s versteigert in Paris die private Sammlung des Künstlerehepaars und verspricht neue Einblicke in dessen Leben und Schaffen.

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          Christo enthüllt: So ungefähr kündigt Sotheby’s die Versteigerung der privaten Sammlung des Verpackungskünstlers und seiner Frau sowie Mitschöpferin Jeanne-Claude an. Rund vierhundert Objekte, die das Paar in seiner New Yorker Atelierwohnung zusammengetragen oder selbst geschaffen hat, kommen unter dem Titel „Unwrapped – The Hidden World of Christo and Jeanne-Claude“ in Paris unter den Hammer: in einer nachmittäglichen Live-Auktion am 17. Februar und einer Online-Auktion vom 8. bis zum 18. Februar. Sotheby’s hofft auf einen Gesamterlös von vier Millionen Euro und den Reiz der Einsichten, die sich hier gewinnen lassen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Was die Eheleute inspirierte, wie ihr Schaffen sich entwickelte, welche Freundschaften sie pflegten, wird sichtbar. Die Liste der aufgerufenen Namen gleicht einem Who’s who der Nachkriegs-Moderne.

          Frühe Verpackungskunst: „Package“ (1961) von Christo, 92,5 mal 73,5 cm groß (Taxe 100.000/159.000 Euro).
          Frühe Verpackungskunst: „Package“ (1961) von Christo, 92,5 mal 73,5 cm groß (Taxe 100.000/159.000 Euro). : Bild: Sotheby’s/ArtDigital Studio

          Ganz oben steht Andy Warhol: Seine rund fünfzig mal vierzig Zentimeter messende „Jackie“ von 1964, eines von vier Warhol-Werken in der Auktion, ist mit einer Schätzung von 700.000 bis einer Million Euro das Spitzenlos. Direkt aus den Händen des Pop-Art-Stars kam das berühmte Bild der Präsidentenwitwe nicht in den Besitz von Christo und Jeanne-Claude; sie erwarben den Siebdruck von dem Kunstkritiker David Bourdon.

          Mit Widmung von Lucio Fontana

          Anders sieht es bei Lucio Fontanas Leinwand-Schnitt „Concetto Spaziale, Attesa“ aus. Im Jahr 1963 lernte Christo den Italiener in Mailand kennen und schätzen. Ein Zeichen erwiderter Sympathie ist die 46 mal 33 Zentimeter große Arbeit aus demselben Jahr, die Fontana rückseitig mit der Widmung „A Jeanne-Claude affettuosamente“ versehen hat (Taxe 300.000/500.000 Euro). „To Christos from Claes“ steht unter einem der zwei Teller, die das naturalistische GipsskulpturenEnsemble „Bacon and Egg; Ice Cream, and Beef Steak“ (40.000/60.000) von Claes Oldenbourg bilden; er schenkte es 1964 seinen Freunden.

          Auch Medienkunst ist dabei: „Sonatine for Goldfish“ (1992) von Nam June Paik, 37 mal 48 mal 41 cm groß (Taxe 15.000/20.000 Euro).
          Auch Medienkunst ist dabei: „Sonatine for Goldfish“ (1992) von Nam June Paik, 37 mal 48 mal 41 cm groß (Taxe 15.000/20.000 Euro). : Bild: Sotheby’s

          Den Austausch, in dem das Paar mit dem Farbpuristen Yves Klein stand, repräsentiert „Monochrome bleu sans titre (IKB 19)“. Das nur 21,5 mal 17,6 Zentimeter messende Gemälde auf Karton dürfte Klein um 1958 gefertigt haben (100 000/ 150 000). In seiner gleichermaßen streng wie magisch wirkenden Reduktion korrespondiert es mit dem in den sechziger Jahren entstandenen Exemplar des 1919 entworfenen Hoge-Lehnstuhls von Gerrit Rietveld (80 000/120 000). Einen Faible für Totemismus verrät Joan Mirós 55 Zentimeter hohe Bronzeskulptur „Figure“, die 1968 in einer Mini-Serie von drei Exemplaren gegossen wurde (70 000/100 000). Eine kleine Verbeugung vor Marcel Duchamp schließlich ist die Miniatur ungefähr im DIN-A-4-Format von „Le Grand Verre“ (10 000/15 000).

          Wachte über das Künstlerehepaar: Joan Mirós „Figure“ (1968), eine 55 mal 39,5 Zentimeter messende Bronzeskulptur (Taxe 70.000/100.000).
          Wachte über das Künstlerehepaar: Joan Mirós „Figure“ (1968), eine 55 mal 39,5 Zentimeter messende Bronzeskulptur (Taxe 70.000/100.000). : Bild: Sotheby’s/ArtDigital Studio/VG Bild-Kunst, 2021

          Der Zauber des Alltäglichen

          Im Kreis solcher Werke von Künstlern – vor allem Zeitgenossen – , die mit populärem Erfolg das Alltägliche verzaubern oder die Kunst veralltäglichen, stehen Christos und Jeanne-Claudes Arbeiten unter Gleichgesinnten.

          Angefangen mit einem frühen „Package“ Christos, das 1961 mit Stoff und Kordel auf einem knapp ein Meter hohen Brett das Konzept der Verpackungskunst festzurrte (100 000/150 000), über eine belichtete Collage mit ähnlichen Maßen von 1964 aus der „Store Front“-Serie (200 000/ 300 000) bis zu einem knapp vierzig mal 170 Zentimeter messenden Entwurf für die Verhüllung des Pont Neuf (200 000/ 300 000) von 1985 spannt sich der Bogen. Überraschendes versammelt sich darunter nicht, aber die schöpferische Welt des Künstlerpaars in ihrer ganzen Lebendigkeit.

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