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Schätze unter dem Hammer : Sein persönlicher Stil

Die Schätze des Begründers: Die Sammlung mit Zeichnungen und Graphik von Bernd Schultz wird bei Grisebach in Berlin versteigert

          3 Min.

          „Exilmuseum Berlin. Vision und Hintergründe“ ist das Beiheft zu einer Kassette mit drei Katalogen betitelt, in denen die Sammlung mit Handzeichnungen und Graphiken von Bernd Schultz verzeichnet ist. Zugunsten des geplanten Museums lässt der Gründer und langjährige Chef der Berliner Villa Grisebach im eigenen Auktionshaus am 25. und 26.Oktober seine eindrucksvolle Kollektion versteigern. Insgesamt 345 Nummern sind in drei Katalogen verzeichnet; die Gesamtschätzung liegt bei fünf bis sieben Millionen Euro. Der Erlös fließt in die „Stiftung Exilmuseum Berlin“, zu der Schultz eine weitere Anschubfinanzierung leisten will.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Eigentlich sollte das Exilmuseum neben dem Grisebach-Quartier in der Fasanenstraße seinen Ort finden, dafür musste allerdings erst das bisher dort beheimatete Käthe-Kollwitz-Museum eine neue Bleibe finden. Deshalb wurde auch die zunächst für den Herbst 2017 angekündigte Versteigerung von Schultz’ Sammlung um ein Jahr verschoben. Nun ist für das Exilmuseum der Platz hinter der Portalsruine des Anhalter Bahnhofs avisiert, in einem „wohl zu erwartenden Neubau“, wie Schultz es im Interview mit Lisa Zeitz, der Chefredakteurin der Zeitschrift „Weltkunst“, im Katalog formuliert.

          Auf eine „sechzigjährige Sammlungstätigkeit“ blickt Bernd Schultz zurück, der am 31.Oktober seinen 77.Geburtstag feiern kann. Früh hat er angefangen, nun lautet das Motto der Veranstaltung „Abschied und Neuanfang‘“. Der erste Katalog mit 108 Nummern – „Alte Meister und ,langes 19.Jahrhundert’“ überschrieben mag als der intimste Bestand gelten. Er zeugt von der Leidenschaft des Sammlers auch für Arbeiten von keineswegs im Markt durchexerzierten Künstlern. Schultz’ Statement, dass ihn die „Physiognomie des Menschen stets gefangengenommen“ habe, gewinnt dort Kontur. Viele Provenienzen verweisen auf wichtige Händler, auf die Herkunft aus anderen Auktionshäusern, auf den einstigen Bestand seines Mentors Hans Pels-Leusden, endlich – wie auch in den weiteren Katalogen – auf Grisebach-Auktionen, während derer oder bei allfälligen Nachverkäufen er selbst immer wieder fündig wurde.

          Erstes Los ist eine innige Tuschfederzeichnung der „Jungfrau mit dem Kind in einer Landschaft“ vom Meister der Coburger Rundblätter aus dem 15.Jahrhundert (Taxe 20000/30000 Euro). Fast am Ende, als Nummer 105, tritt eine „Study of Feet“ des achtzehn Jahre alten Edward Hopper aus dem Jahr 1900 kräftig auf (10000/ 15000). Spitzenstück des ersten Segments ist Henri de Toulouse-Lautrecs charakteristische Ölskizze auf braunem Karton „Snobisme au Chez Larue“, die Schultz 2015 bei der Zürcher Konkurrenz Koller, wohl im Nachverkauf, erwarb; die Schätzung liegt jetzt bei 250000 bis 350000 Euro. Acht Blätter von Adolph Menzel sind im Angebot, wie auch die genialische Bleistiftstudie eines „Chevalier“ von hinten zu Pferde von Edgar Degas (90000/ 120000). Und es gibt, für Fans, ein Wiedersehen mit dem bezaubernden Porträt des „Jungen mit Kappe“ von Johann Conrad Zeller, um 1820, das man im Juni 2015 schon einmal bei Grisebach sehen konnte, damals mit 2000 bis 3000 Euro ausgezeichnet; nun liegt die Erwartung bei 10000 bis 15000 Euro.

          Der zweite Band, „Paul Holz – 30 Zeichnungen“, ist der persönlichste Katalog, weil er einem Autodidakten (1883 bis 1938) gilt, der im vorpommerschen Riesenbrück geboren wurde. Die Schätzungen für die nervösen Federzeichnungen reichen von 1500 bis 2000 Euro; das expressive Blatt mit einer „Verschleierten Dame“ (1500/2000) fällt dort auf. Die Provenienzen lassen die Galerie Pels-Leusden und den Nachlass des Künstlers erkennen. Stark kontrastiert zu diesem Zwischenspiel der dritte Katalog, dessen Offerte „Moderne und Zeitgenössische Kunst“ das Statement eines Sammlers und Vermittlers ist, der höchste Qualität und die Wünsche des Markts in- und auswendig kennt. So taucht Picasso unter den insgesamt fast zweihundert Losen sieben Mal auf; bei den zwei schönsten Picasso-Positionen, einer Aquatinta der Marie-Thérèse Walter und einer Lithographie der Françoise Gilot, steht freilich bereits „verkauft“. Dieser Teil beginnt mit einem der raren Abzüge der großformatigen Lithographie „Die Brosche – Eva Mudocci“ von Edvard Munch aus dem Jahr 1903 (40000/ 60000), gefolgt von einem charmanten Studienblatt des jungen Picasso – ausgewiesen als „Page d’album – Études“, 1904, mit einem Frauenköpfchen im Zentrum (90000/120000); der Katalog verheimlicht nicht, dass es zuletzt bei Christie’s in New York 2016 verzeichnet war. Als letztes Los mit der Nummer 345 erscheint Leiko Ikemuras Aquarell „Fuku“ von 2012, das Gesicht einer schmerzlich weinenden Frau, angesichts der Atomkatastrophe von Fukushima (4000/8000).

          Dazwischen gibt es sechs Mal Lovis Corinth, darunter das ausbalancierte Aquarell einer „Vase mit Blumen“ von 1925 (100000/150000). Fünf Mal ist Käthe Kollwitz gehuldigt, dabei mit dem herzanfassenden Doppelbildnis einer Frau und ihres jungen Kindes, „Abschied“ von 1910, das mit 200000 bis 300000 Euro bezeichnet ist. Ebenfalls Schätzungen von 200000 bis 300000 Euro gelten, einem lebensfrohen Gegenentwurf gleich, „La Persane“, einer gezeichneten Odaliske von Matisse aus dem Jahr 1929, und Egon Schieles hinreißendem „Portrait Edith Schiele“ von 1918; außerdem Oskar Kokoschkas in Kreide festgehaltenem „Selbstbildnis“ mit schreckgeweiteten Augen von 1920. Daneben gibt es eine Suite expressionistischer Blätter, einst die Domäne des 1986 gegründeten Auktionshauses. Was ein wenig auffällt: Kein einziges der zahlreichen Aquarelle Emil Noldes, mit denen die Villa Grisebach beste Ergebnisse erzielte, firmiert in der Kollektion von Bernd Schultz; das ist wohl nicht sein persönlicher Stil. Dafür gibt es, kurz vor dem Schluss, drei wundervoll abgefahrene Petitessen des leider 2013 zu früh verstorbenen Norbert Schwontkowski (um 2000/ 3000 Euro).

          Nicht leicht haben werden es bei diesem Überwältigungsprogramm die Auktionen 19.Jahrhundert und Fotografie, ebenfalls am 25. und 26. Oktober. Die übrigen, gewohnten Grisebach-Versteigerungen finden dann vom 29.November bis zum 1.Dezember statt.

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