https://www.faz.net/-gqz-9fn80

Schätze unter dem Hammer : Sein persönlicher Stil

Der zweite Band, „Paul Holz – 30 Zeichnungen“, ist der persönlichste Katalog, weil er einem Autodidakten (1883 bis 1938) gilt, der im vorpommerschen Riesenbrück geboren wurde. Die Schätzungen für die nervösen Federzeichnungen reichen von 1500 bis 2000 Euro; das expressive Blatt mit einer „Verschleierten Dame“ (1500/2000) fällt dort auf. Die Provenienzen lassen die Galerie Pels-Leusden und den Nachlass des Künstlers erkennen. Stark kontrastiert zu diesem Zwischenspiel der dritte Katalog, dessen Offerte „Moderne und Zeitgenössische Kunst“ das Statement eines Sammlers und Vermittlers ist, der höchste Qualität und die Wünsche des Markts in- und auswendig kennt. So taucht Picasso unter den insgesamt fast zweihundert Losen sieben Mal auf; bei den zwei schönsten Picasso-Positionen, einer Aquatinta der Marie-Thérèse Walter und einer Lithographie der Françoise Gilot, steht freilich bereits „verkauft“. Dieser Teil beginnt mit einem der raren Abzüge der großformatigen Lithographie „Die Brosche – Eva Mudocci“ von Edvard Munch aus dem Jahr 1903 (40000/ 60000), gefolgt von einem charmanten Studienblatt des jungen Picasso – ausgewiesen als „Page d’album – Études“, 1904, mit einem Frauenköpfchen im Zentrum (90000/120000); der Katalog verheimlicht nicht, dass es zuletzt bei Christie’s in New York 2016 verzeichnet war. Als letztes Los mit der Nummer 345 erscheint Leiko Ikemuras Aquarell „Fuku“ von 2012, das Gesicht einer schmerzlich weinenden Frau, angesichts der Atomkatastrophe von Fukushima (4000/8000).

Dazwischen gibt es sechs Mal Lovis Corinth, darunter das ausbalancierte Aquarell einer „Vase mit Blumen“ von 1925 (100000/150000). Fünf Mal ist Käthe Kollwitz gehuldigt, dabei mit dem herzanfassenden Doppelbildnis einer Frau und ihres jungen Kindes, „Abschied“ von 1910, das mit 200000 bis 300000 Euro bezeichnet ist. Ebenfalls Schätzungen von 200000 bis 300000 Euro gelten, einem lebensfrohen Gegenentwurf gleich, „La Persane“, einer gezeichneten Odaliske von Matisse aus dem Jahr 1929, und Egon Schieles hinreißendem „Portrait Edith Schiele“ von 1918; außerdem Oskar Kokoschkas in Kreide festgehaltenem „Selbstbildnis“ mit schreckgeweiteten Augen von 1920. Daneben gibt es eine Suite expressionistischer Blätter, einst die Domäne des 1986 gegründeten Auktionshauses. Was ein wenig auffällt: Kein einziges der zahlreichen Aquarelle Emil Noldes, mit denen die Villa Grisebach beste Ergebnisse erzielte, firmiert in der Kollektion von Bernd Schultz; das ist wohl nicht sein persönlicher Stil. Dafür gibt es, kurz vor dem Schluss, drei wundervoll abgefahrene Petitessen des leider 2013 zu früh verstorbenen Norbert Schwontkowski (um 2000/ 3000 Euro).

Nicht leicht haben werden es bei diesem Überwältigungsprogramm die Auktionen 19.Jahrhundert und Fotografie, ebenfalls am 25. und 26. Oktober. Die übrigen, gewohnten Grisebach-Versteigerungen finden dann vom 29.November bis zum 1.Dezember statt.

Weitere Themen

Märchen und Maschinen

Ihr Sonntag auf der Buchmesse : Märchen und Maschinen

Wie schreibt man einen guten Fantasy-Roman? Und wo kann man den letzten Abend mit Wein begießen? Weil zwischen Cosplayern und Lesebühnen die Orientierung flöten gehen kann: Unsere Vorschläge für den Messe-Sonntag.

Topmeldungen

Brexit-Gegner protestieren in London

Brexit-Abstimmung verschoben : Johnsons Chancen

Abermals ist es den Brexit-Gegnern gelungen, den Ausstiegsprozess aufzuhalten. Es klingt widersinnig, aber Johnson ist seinem Ziel, einem Austritt Ende des Monats, dennoch ein Stück näher gekommen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.