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Sammlung Lauder : Oh my God!

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Eine Bonbonnière von Josef Hoffmann

Der nächste Raum ist ein Schritt in eine andere Welt: Hier leuchtet giftgrün das Polster einer ansonsten schwarzen Sitzgruppe von Koloman Moser. Trotz dieser Leuchtkraft nimmt sie nichts vom Glanz der unbestrittenen Königin der Sammlung: Blass wie stets blickt Klimts goldflimmernde Adele Bloch-Bauer den Betrachter an. Nach Österreichs später Restitution des Gemäldes an die Nichte der Porträtierten, Maria Altmann, vor sechs Jahren hat Lauder ihr das Bild, das er schon lange liebte, abgekauft. Der Preis soll bekanntlich 135 Millionen Dollar betragen haben. Altmann schenkte der Neuen Galerie dazu die zwei knienden Marmorknaben von George Minne, die das Bild schon bei der Internationalen Kunstausstellung in Mannheim im Jahr 1907 flankierten.

In einer Vitrine funkeln die auf Hochglanz polierten Objekte der Wiener Werkstätte, darunter eine silberne Bonbonnière mit Lapislazuli-Ornamenten von Josef Hoffmann aus dem Jahr 1906 und eine abschließbare Silberdose mit roter Koralle von Koloman Moser, die Gustav Mahler an Weihnachten 1902 seiner geliebten Alma Mahler überreichte. Das anschließende Kabinett ist vor allem den Arbeiten auf Papier von Klimt und Schiele gewidmet: Schieles Porträt von Arnold Schönberg aus dem Jahr 1917 schaut so weltentraurig, als ob er ahnte, was das 20. Jahrhundert an Grausamkeiten bringen würde. Es war übrigens der Enkel des Komponisten, der Anwalt Randol Schoenberg, der die Restitution der Klimt-Gemälde an Maria Altmann erkämpfte.

Eine Abstraktion von Kandinsky mit indianischem Klang

Ein Stockwerk weiter oben gibt es zuerst eine geballte Ladung deutsche Kunst aus dem frühen 20. Jahrhundert: Der Expressionismus ist mit Kirchners in Blau und Grün gehaltener „Russischen Tänzerin Mela“ von 1911 vertreten sowie Erich Heckels bunten „Badenden“ von 1908, die Neue Sachlichkeit mit George Grosz’ gruseligem „Mann mit Glasauge“, Otto Dix’ verheultem „Halbakt“ und Christian Schads kühl erotischen „Zwei Mädchen“. Von Max Beckmann stammt das „Selbstporträt vor rotem Vorhang“ aus dem Jahr 1923. Es fehlt sein berühmteres „Selbstbildnis mit Horn“ von 1940, das aus der Sammlung von Stephan Lackner bei Sotheby’s in New York vor zehn Jahren für 22,6 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) versteigert wurde und seitdem regelmäßig in der Neuen Galerie zu sehen war. Auch Kirchners „Straßenszene“ sucht man vergeblich: Diese Werke seien nicht allein Eigentum von Lauders Privatsammlung, heißt es.

„Oh my God“ muss man dann schon wieder sagen, wenn man Brancusi, Picasso, Matisse und Kandinsky zusammen sieht. An einer Wand prangt die Serie der vier monumentalen Bronzereliefs „Nu de dos“, die Matisse zwischen 1908 und 1931 schuf und die in ihrer fortschreitenden Abstraktion Meilensteine der Moderne darstellen. (Vier andere postume Güsse derselben Serie hat Sotheby’s kürzlich für rund 120 Millionen Dollar in einem Privatgeschäft verkauft.) Die Schwelle zur Abstraktion hat 1911 auch Kandinsky mit seiner großen, von Schönberg inspirierten „Komposition V“ überschritten, die in ihren bedeutungsvollen Linien an indianische Höhlenmalerei erinnert.

Ronald Lauders Sammlung wird noch weiter wachsen. Dabei weiß er, dass alle wissen, dass er Spitzenpreise für die Werke bezahlt, die er haben will: „Das hat Vor- und Nachteile. Wenn ein Händler ein ,Oh my God’-Stück hat, dann wird er es mir zuerst zeigen.“

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