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Sammlung Borusan : Wir werden ein Museum brauchen

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Röhren verkaufen und Kunst sammeln: Der Istanbuler Mäzen und Sammler Asim Kocabiyik präsentiert Werke von internationalen und türkischen Künstlern im Hauptquartier seiner Holding-Gesellschaft direkt am Bosporus.

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          Das Hauptquartier der „Borusan Holding“ steht wie eine Burg am Ufer des Bosporus, gleich neben der mächtigen Fatih-Sultan-Mehmet-Autobahnbrücke, die den europäischen mit dem asiatischen Teil von Istanbul verbindet. Anfang des 20. Jahrhunderts als Residenz eines ägyptischen Regierungsberaters erbaut, ist der historistische Charakter der Architektur außen noch erhalten. Innen jedoch wurde das Gebäude entkernt, um dem Hauptquartier der Borusan Holding ein modernes Gehäuse zu bieten. So bohrt sich zum Beispiel eine 22 Meter lange Solar-Röhre durch alle Stockwerke und bringt Sonnenlicht bis in die untersten Etagen.

          Schon in der Lobby findet sich der Besucher von zeitgenössischer Kunst empfangen: Eine Neonarbeit des Kaliforniers Doug Aitken, „Don't think twice“ von 2006, lässt konzentrische weiße Neonkreise in rhythmischen Abständen blinken. Daneben hängen zwei Bilder von Peter Zimmermann, der 1956 in Freiburg geboren ist. Er lässt verschiedene Schichten von gefärbtem Epoxidharz übereinanderlaufen und erzielt damit wohlig gerundete Farbfelder, die leicht durchscheinend und stark glänzend einen ganz besonderen chromatischen Reiz entwickeln.

          Auf der anderen Seite der Rezeption rattert leise eine Installation von Daniel Rozin aus Jerusalem, Jahrgang 1961. Er hat für „Mirrors Mirror“ 768 bewegliche Spiegelquadrate aneinandergebaut, die auf Signale einer Videokamera reagieren, ihr bewegliches Objekt verfolgen und damit ein facettiertes Spiegelbild des Betrachters schaffen.

          Der Industriekonzern Borusan ist vor allem als Produktionsstätte verschiedenster Arten von Röhren bekannt; er umfasst aber auch Logistikunternehmen, Telekommunikation und Energiewirtschaft und kontrolliert unter anderem den BMW-Import in die Türkei. 3,5 Milliarden Dollar hat die Firma im Jahr 2010 umgesetzt, erzählt Ahmet Kocabiyik, der Sohn des Firmengründers Asim Kocabiyik, und für dieses Jahr rechnet er gar mit vier Milliarden.

          Musik und Kunst gehören für den Sohn zur Firmenkultur

          Er ist ein sehr höflicher, introvertierter Mann von 55 Jahren, der einen blitzenden Diamantstecker in einem Ohr trägt. Die Fenster seines Büros blicken über den Bosporus: „Dort auf dem Hügel wohne ich“, sagt er auf Englisch und deutet zum anderen Ufer, an dem Asien liegt. Zwar ist er in Istanbul auf die deutsche Schule gegangen, aber nach dem Studium in England und Amerika ist ihm die Konversation wohler in englischer Sprache.

          Die riesige Brücke passiert Ahmet Kocabiyik nur selten: Ein privates Boot bringt ihn jeden Tag zu seiner Arbeit auf die europäische Seite und ankert unweit der Firma in einem kleinen Yachthafen. Während seinem Vater besonders Schulen und andere Bildungseinrichtungen am Herzen liegen, prägt er, seit er Anfang der achtziger Jahre in die Firma eingetreten ist, besonders deren musikalischen und künstlerischen Charakter.

          Zwei Ableger in der Innenstadt

          Für sein Sponsoring der Salzburger Festspiele und der Archäologischen Grabungen in Ephesos, die vom Österreichischen Archäologischen Institut durchgeführt werden, erhielt Ahmet Kocabiyik im vergangenen Jahr sogar das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Zur Eröffnung der Festspiele in Salzburg spielte das firmeneigene Borusan Istanbul Philharmonic Orchestra.

          Daneben finanziert die Borusan-Gruppe ein Kammerorchester und verschiedene Stiftungen, auch für junge bildende Künstler. Das Borusan Music House, das für Klassik ebenso wie für Jazz offen ist, und das Borusan Center for Culture and Arts befinden sich, ebenfalls hochmodern, hinter zwei frisch renovierten, einander gegenüberliegenden historischen Fassaden an der Istiklal Caddesi, der bekanntesten und belebtesten Straße in der Innenstadt von Istanbul.

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