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Salon du Dessin & Pavillon des Antiquaires : Edles trifft auf Wandlungsfreude: Zwei Messen in Paris

  • -Aktualisiert am

Wer an der fünfzehnten Ausgabe der Spezialmesse für Handzeichnungen teilnimmt, gehört zu den Besten der Zunft - dreißig Händler zeigen hier Blätter von der Renaissance bis 1970. Der Pavillon des Antiquaires indessen erscheint in seiner zehnten Ausgabe radikal erneuert und konzentriert sich nun auf Kunst, Möbel und Kunsthandwerk von 1850 bis heute.

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          Die Warteschlange vor dem Eingang zum Pariser Palais de la Bourse, die sich zur Eröffnung des Salon du Dessin auch bei naßkaltem Wetter bildet, ist wie jedes Jahr das Zeichen für die ungebrochene Anziehungskraft dieser Messe. Auch die fünfzehnte Ausgabe der Spezialmesse für Handzeichnungen erlaubt es sich, aus aller Welt herbeigereiste Sammler und Museumskuratoren bis zum offiziellen Einlaß vor der Tür warten zu lassen. Danach gilt das Recht dessen, der sich am schnellsten entscheiden kann - die schönsten Blätter werden meist in den ersten Minuten verkauft.

          So konstant wie die Teilnehmerzahl, nicht mehr als dreißig, bleibt auch die Zusammensetzung: sechzehn französische und vierzehn ausländische Händler; der jährliche Wechsel von vier oder fünf Galerien mischt ein paar frische Tupfer bei. Wer zur Teilnahme geladen ist, gehört zu den Besten der Zunft.

          Doch die ganz großen Werke der Vergangenheit werden knapp - der Londoner Jean-Luc Baroni hat den im Juli für einen Sammler bei 6,5 Millionen Pfund ersteigerten „Kopf des schlafenden Joseph“ von Andrea del Sarto zum Vergnügen der Besucher mitgebracht -, und die Gewichte verschieben sich auch auf dem Salon du Dessin: Statt, wie bisher, von der Renaissance bis 1950 werden jetzt Werke bis 1970 ausgestellt, und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts und der Moderne nehmen heute mehr Platz ein als vor fünfzehn Jahren.

          An der Alster und im Riesengebirge

          Das nach wie vor reiche Angebot französischer und italienischer Schulen birgt wenig flämische und niederländische Zeichnungen, während deutsche und österreichische Künstler auffallend zahlreich präsent sind. Colnaghi-Bellinger hat eine großformatige Aquarell- und Gouachezeichnung mit dem „Opfer Noahs“ von Joseph Anton Koch in den Mittelpunkt gestellt, eine um 1802/03 in Rom entstandene Komposition, die als Vorlage für ein Gemälde im Frankfurter Städel diente (180 000 Euro); Arnoldi-Livie können mit einer „Landschaft im Riesengebirge“, um 1835, von Caspar David Friedrich aufwarten, und bei Thomas Le Claire hat sich gleich zur Eröffnung ein amerikanischer Sammler für das aquarellierte Interieur des „Japanischen Salons der Villa Hügel in Hietzing, Wien“ von Rudolf von Alt stark gemacht.

          Das etwas weniger spektakuläre, aber ebenso attraktive Pendant mit dem „Türkischen Salon der Villa Hügel“, ebenfalls von 1855 und aus der Sammlung des Königshauses Hannover, war für 85 000 Euro noch zu haben. Martin Moeller versucht sich mit einer Studie in schwarzer Kreide von Liebermann für das Gemälde „Sommerabend an der Alster“, die Liebermanns Tochter und den Dackel Männe 1910 in einem Ruderboot festhielt (26 000 Euro), und der Zürcher Arturo Cuellar hat einen stolzen „Lanzenwerfer“ Hodlers im Gepäck, eine Studie in Öl und Kohle für das Gemälde „Die Schlacht bei Murten“ von 1917 (120 000 Euro).

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