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Russlands Zeitgenossen : Strahlende Technik im finsteren Wald

  • -Aktualisiert am

Es muss nicht immer gegen Putin sein: Die Moskauer Galerie „Triumph“ zeigt, dass die russische Kunstszene mehr als politischen Aktionismus zu bieten hat.

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          Russlands Szene zeitgenössischer Kunst vibriert, doch die russischen Galerien leiden unter der Isolation ihres Landes, was teils eine Folge der Pandemie ist, aber vor allem bedingt durch die politische Konfrontation, die jegliche Kontakte toxisch macht. Dmitri Chankin, Mitbegründer und Manager der Galerie „Triumph“, die hochklassige Ausstellungen in führenden staatlichen Museen kuratiert, klagt, dass ihm soeben eine Schweizer Galerie, deren britische Künstlerin er in Moskau zeigen wollte, abgesagt habe. Der Schweizer Kollege wolle in Russland weder etwas ausstellen noch verkaufen, so Chankin. Ähnliches hört man von anderen russischen Kunsthändlern, vor allem über amerikanische Kollegen. International marktgängig sei heute allein gegen Putin gerichteter politischer Aktionismus, sagt Chankin, der verschaffe einem auch eine Einladung zur Art Basel. Doch die zeitgenössische russische Kunst erschöpfe sich nicht darin und habe diese Ausgrenzung nicht verdient.

          In einer Parallelwelt

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Galerie „Triumph“, wenige Schritte vom Roten Platz gelegen, sei nie vom Regime begünstigt worden, versichert Chankin. Und obwohl Leute aus der Präsidialverwaltung in Fragen zeitgenössischer Kunst sich mit ihm berieten, operierten er und sein Partner Jemeljan Sacharow in einer Parallelwelt. Man habe zum ersten Mal Damien Hirst, die Chapman-Brüder, Tim Noble & Sue Webster nach Moskau gebracht, kenne die internationalen Kontexte und habe sich nie vorstellen können, davon abgeschnitten zu werden, sagt Chankin; doch das sei jetzt so. Also schnalle er den Gürtel enger und organisiere nichtkommerzielle Projekte – wie jene Retrospektive kinetischer russischer Kunst oder das von jungen Kuratoren zusammengestellte Panorama des Sozialistischen Realismus, die gerade in der Neuen Tretjakow-Galerie liefen. Er habe nicht vor, zu emigrieren, bekennt der Galerist, er liebe seine Künstler und bewundere Russlands kompetente, stressresistente Jugend.

          In der Neuen Tretjakow-Galerie hat derzeit noch bis zum 25. Juli die Schau „Dunkler Wald“ der heute überwiegend in Italien lebenden Moskauer Malerin Taisia Korotkova geöffnet; ihre Arbeiten stehen bei „Triumph“ auch zum Verkauf. Es sind mit schwarzem Marker fein gezeichnete Silhouetten von Waldesdickicht, das weiß leuchtende retrofuturistische Startrampen, Tunnelausgänge, Strahlen- und Signalempfänger aus diversen Kalten Kriegen ornamental und finster zugleich umrankt. Der hausfraulich-parzenhafte Malgrund – gewachste, zusammengestückelte Tischtücher – und die teils riesigen Formate von 2,80 mal 6,50 Metern vergegenwärtigen, dass auch die modernste Technik Teil der Natur bleibt, die diese sich auf die eine oder andere Weise wieder einverleibt. Für die Großformate sind als Preis 30.000 Euro angesetzt, kleinere oder runde Formate liegen bei 7000 bis 10.000 Euro. Altmeisterlich ausgearbeitete, farbintensive Temperagemälde von vergrößerten Sporen oder Schimmelpilzen auf Holz sind für 2000 bis 3000 Euro zu haben.

          In den eigenen Räumen an der Ilinka-Straße 3/8 präsentierte „Triumph“ zuvor kinetische Skulpturen von Kirill Alexandrow und Wladimir Martirosow. Alexandrow, vom Suprematismus und der Arte Povera gleichermaßen inspiriert, zerlegt geometrische Körper wie Kugel oder Säule – wie durch eine kubistische Optik – in farblich abgesetzte, gleichsam auseinanderfliegende Scheiben (je 15.000 Euro); er formt einen schlichten Holzstab oder rustikales Holzgeflecht zur eleganten Spirale oder Schnecke (4000 und 10.000 Euro); hängt mannshohe Spiegel einander gegenüber, die ein zwischen ihnen stehender Betrachter in konvulsivische Bewegung versetzt („Dialog“, 12.000 Euro). Martirosow, der auch als Bühnenbildner aktiv ist, konstruiert motorisierte Mobiles, deren Edelstahl-Arme so anmutig mit Löschpapier-Segeln gestikulieren, als seien es Distelblätter, Schmetterlingsflügel oder die fragilen Schwingen eines verletzten Vogels.

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