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Grisebach Ergebnisse : Romantiker gesucht

Die Frühjahrsauktionen bei Grisebach offerierten an vier Tagen knapp 1500 Lose in Berlin - besonders das 19. Jahrhundert war bei den Bietern beliebt.

          3 Min.

          Das Spitzenlos der Frühjahrsauktionen bei Grisebach in Berlin, ein schönes „Weiße Wolken“-Bild Emil Noldes von 1926 aus der Sammlung Colsman, reüssierte mit 1,25 Millionen Euro (Taxe 1,2/1,6 Millionen). Ihm folgten Otto Muellers „Zwei Mädchen mit gegabeltem Baum“, um 1916/17, die ein skandinavisches Museum gegen das Gebot von einer Million Euro (1/1,5 Millionen) übernahm. Zum drittteuersten Werk wurde Adolph Menzels 21 mal 28 Zentimeter großes Porträt seiner Schwester „Emilie in roter Bluse“, das auf 850 000 Euro (300 000/400 000) kam; es geht laut Grisebach zurück in die Schweiz. Seit 1940 hatte sich das Pastell dort in der Stiftung Oskar Reinhart in Winterthur befunden, 2015 war es an die Erben nach Rudolf Mosse restituiert worden. Ein weiteres Gemälde aus der von den Nationalsozialisten bestohlenen Sammlung des jüdischen Zeitungsverlegers, Wilhelm Leibls „Bildnis des Appellationsrats Stenglein“, das seit 1987 die Galerie der Stadt Sindelfingen beherbergte, kam auf seine untere Taxe von 120 000 Euro (bis 150 000). Ein drittes Bild aus der einstigen Mosse-Sammlung, Ludwig von Hofmanns „Frühlingssturm“, bisher auf der Darmstädter Mathildenhöhe, war vor der Auktion an eine ungenannte Person verkauft worden für 375 000 Euro. Es heißt, das Bild kehre als „unbefristete Dauerleihgabe“ ins Museum zurück (F.A.Z. vom 1. Juni).

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Insgesamt schlossen die Grisebach-Auktionen für knapp 1500 Lose ab mit einem Umsatz von 18,8 Millionen Euro (also inklusive Aufgeld), gegenüber einem mittleren Gesamtschätzwert von 19,5 Millionen Euro; 159 Lose nach Anzahl gingen zurück. Wie zu erwarten, holte sich bei den „Ausgewählten Werken“ Anton Räderscheidts „Junger Mann mit gelben Handschuhen“ von 1921 einen Auktionsrekord für den Künstler, mit gebotenen 260 000 Euro (180 000/240 000) eines deutschen Privatsammlers gegen Museumskonkurrenz. Dagegen scheiterte Karl Hofers „Frau mit Papagei“ (250 000/350 000), und Chillidas Terrakotta „Óxido 61“ (200 000/300 000) war offenbar doch zu erratisch. Corinths im Markt vielgereistes „Fräulein Heck“ in ihrem Boot auf dem Starnberger See fand einen neuen Hafen bei 310 000 Euro (280 000/340 000), und Christian Rohlfs’ starkes Ölbild „Die blauen Berge“, um 1912 und aus der Colsman-Kollektion, kam auf seine untere Taxe von 120 000 Euro (bis 150 000). Zu Rückgängen gerieten 21 der 62 Positionen (unter denen die Nummer 4 kurioserweise einfach fehlte).

          Rare Werke der frühen Romantiker

          Über das 19. Jahrhundert durfte sich, einmal mehr, der zuständige Grisebach-Gesellschafter Florian Illies freuen: Neben dem oben erwähnten Menzel reüssierte Andreas Achenbachs Ölstudie „Der Altenberger Dom“ mit 44 000 Euro (10 000/15 000), die das Nationalmuseum in Stockholm bewilligte. An dieselbe Adresse ging übrigens vor einem Jahr bei Grisebach Carl Gustav Carus’ kühne „Phantasie aus der Alpenwelt - Adler, die auf einem Alpenhorn nisten“ bei 180 000 Euro (180 000/240 000). Louis Eysens hübsches „Porträt einer jungen Frau“ schaffte 50 000 Euro (7000/9000) und geht, wie auch Leibls Bärtiger aus Mosse-Bestand, an einen Frankfurter Privatmann und Sammler, der es, so Illies, als Dauerleihgabe ins Museum Wiesbaden geben will.

          Franz Theobald Hornys gezeichnete „Landschaft bei Olevano“ von 1822 sicherte sich ein Gebot aus Amerika für 80 000 Euro (20 000/30 000). Es ist schon beinah klassisch, welch hohe Summen amerikanische Spitzensammlungen einsetzen für rare Werke der frühen Romantiker, wie jetzt auch des allzu früh vollendeten Horny. Franz Ludwig Catels „Klosterruine am Meer“ kam auf 34 000 Euro (10 000/ 15 000) und Hans Thomas „Landschaft im Sturm“ auf 40 000 (40 000/ 60 000). Das attraktive frühromantische Ölbild einer „Stürmischen Landschaft mit Mann und Regenbogen“, bezeichnet als „Dresden, um 1820“, blieb bei 25 000 Euro (20 000/ 30 000); offenbar spekulierte keiner der Interessenten auf eine konkrete Zuschreibung, die wohl einen deutlich höheren Preis provoziert hätte. Insgesamt brachte das 19. Jahrhundert einen Umsatz von 3,1 Millionen Euro, was einer Gesamtzuschlagssumme von 2,48 Millionen entspricht; die obere Gesamtschätzung hatte bei 1,9 Millionen Euro gelegen.

          Bei den Zeitgenossen schaffte das höchsttaxierte Los auch den höchsten Preis: Das Spätwerk „Kinko - Bunt wie Herbstblätter“ des japanischen Körpermalers Kazuo Shiraga ging für 400 000 Euro deutlich unter der Schätzung (500 000/ 700 000) in eine französische Privatsammlung. Freuen wir uns in dieser Sektion für Georg Herold, dessen große unbetitelte Leinwand von 1989, verziert mit Acrylfarbe, Beluga-Kaviar, Ziegelsteinen und Schellack, einen Connaisseur zur Investition von 70 000 Euro (30 000/40 000) animierte.

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