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Roger Vivier : Der chice Schuhmacher

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Den Kopf in den Wolken, die Hände an der Werkbank: Roger Viviers Schuhe sind legendäre Schöpfungen - und heiß begehrt. Seine Sammlung kommt nun in Frankreich zur Auktion.

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          Es ist nicht überliefert, bei wem Aschenputtels gute Fee die gläsernen Schuhe machen ließ. Königin Elisabeth, Prinzessin Soraya, Marlene Dietrich, Liz Taylor, Brigitte Bardot oder auch Cary Grant und John Lennon sowie Damen und Herren der internationalen Gesellschaft jedenfalls ließen sich ihre Füße von Vivier einkleiden.

          Roger Vivier, der von 1907 bis 1998 lebte, gilt als der erfindungsreichste französische Schuhmacher und -designer des 20.Jahrhunderts. Das Pariser Musée des Arts de la Mode, das Metropolitan Museum in New York und das Victoria&Albert Museum in London besitzen längst bedeutende Beispiele seiner Schuhmacherkunst. Am 30.November können in der Auktion bei Aguttes in Neuilly-sur-Seine bei Paris auch private Liebhaber edlen Schuhwerks ein Stück der Legende erwerben. Das Konvolut stammt aus seiner persönlichen Sammlung und umfasst mehr als 250Prototypen aus den Jahren 1955 bis 1987 sowie Zeichnungen, Collagen, Fotografien und Skulpturen, die allesamt 1987 in der Retrospektive „Les souliers de Roger Vivier“ im Pavillon de Marsan des Louvre ausgestellt waren. Im selben Jahr hat Vivier dem französischen Staat zahlreiche Prototypen für Modelle geschenkt, die im „Haute Couture“-Atelier exklusiv für nur wenige Kundinnen entwickelt wurden.

          Von Schuhen zu Hüten

          Die Laufbahn Roger Viviers gleicht einem Märchen. Vollwaise mit nur neun Jahren, verließ er die Schule ohne Abschluss. Früh wusste er, dass er Bildhauer werden wollte, mit siebzehn studierte er an der Pariser Kunstakademie. Abends verdingte er sich als Statist in Musicaltheatern. Der Zufall brachte ihm das Angebot von Freunden seiner verstorbenen Eltern ein, sich in ihrer kleinen Schuhfabrik am östlichen Stadtrand von Paris zum Schuhmacher ausbilden zu lassen. Dort lernte er sein Handwerk von Grund auf - handwerkliches Können und künstlerisches Gespür sollten das Fundament seiner Karriere bilden. Seiner Leidenschaft für das Musical gemäß entwarf er Schuhe für Mistinguett und Josephine Baker.

          Mit dreißig war Roger Vivier ein gemachter Mann: 1937 eröffnete er eine eigene Boutique an der eleganten Rue Royale und entwarf Schuhe für Hersteller wie Bally und Salamander und vor allem Delman in den Vereinigten Staaten. Delman holte ihn 1940 nach New York, wo er die Kriegsjahre verbrachte. Als es kein Leder mehr gab, verlegte er sich aufs Hutmachen. Die Pariser Modistin Suzanne Rémi lernte ihn in kurzer Zeit an und 1942 eröffneten die beiden das Hutgeschäft „Suzanne et Roger“ an der Madison Avenue.

          Ein „Kugel“-Absatz für die Dietrich

          Nach dem Krieg kehrte Roger Vivier nach Paris zurück. Seine Entwürfe wurden immer kühner, und als er Delman einen Schuh mit Plateausohle vorlegte, antwortete der Amerikaner: „Sind Sie verrückt?“ Schiaparelli indes übernahm das Modell sofort, und Marlene Dietrich gehörte Anfang der fünfziger Jahre zu den ersten Trägerinnen des Plateauschuhs, den er 1967 für Jeanne Moreau wieder auflegte und dessen Prototyp aus Ziegen-Goldleder in der Auktion angeboten wird. Die Jahre seiner Tätigkeit für den Modeschöpfer Christian Dior von 1953 bis 1963 brachten unter anderem die Erfindung des Stöckelabsatzes hervor: Der „Talon Aiguille“ sollte nach Wunsch Roger Viviers die „Silhouette mit einem Bleistiftstrich“ beenden. Kreationen wie Pumps in Hahnentrittwollstoff mit „Tibet“- Absatz von 1955 oder in elfenbeinfarbenem und rosa Satin mit „Louis XV“-Absatz von 1958 belegen die Zeit bei Dior; die Schätzung für die Prototypen - jeweils nur als Einzelschuh, nicht als Paar angeboten - liegt bei hundert Euro. Die Schätzwerte sind relativ niedrig angesetzt, da es keinen Marktwert für derartige Objekte gibt.

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