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Rockefeller-Auktion : Schmetterlinge zum Frühstück

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Die Sammlung von David und Peggy Rockefeller kommt bei Christie’s unter den Hammer. In jedem einzelnen Werk zeigt sich ein Stück Lebensart der amerikanischen Elite.

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          John D.Rockefeller, der umstrittene Ölbaron, der 1916 der erste amerikanische Milliardär wurde und den Grundstock für den sagenhaften Reichtum der Rockefeller-Dynastie legte, war kein Kunstliebhaber. Wenn Anfang Mai bei Christie’s in New York die exquisite Sammlung seines Enkels, des Bankiers David Rockefeller, und dessen Frau Margaret ,Peggy‘ unter den Hammer kommt, ist dies das Verdienst von Johns Schwiegertochter Abby Aldrich Rockefeller: jener Frau, die 1901 John D.Rockefeller junior geheiratet hatte und Ende der zwanziger Jahre mit zwei Freundinnen das Museum of Modern Art in New York gründete.

          Davids Mutter Abby forderte mit ihrer Unterstützung der Kunst der Moderne im New York des frühen 20.Jahrhunderts nicht nur die traditionellen Museen heraus, sondern auch ihren Mann. Der war in einem puritanischen Baptistenhaushalt aufgewachsen, und obwohl er gerne die verschiedenen Wohnsitze der Familie mit wertvoller alter Kunst einrichtete, verbannte er die von seiner Frau geliebte, moderne Malerei in deren private Gemächer. Sie musste für ihren ,frivolen‘ Geschmack zunächst sogar ihr eigenes bescheidenes Einkommen aus dem Nachlass ihrer Eltern verwenden. Abby revanchierte sich, indem sie zwei ihrer Söhne zu großen Sammlern und Förderern der modernen und zeitgenössischen Kunst heranzog.

          Als David und Peggy 1940 heirateten, war ihm eines besonders wichtig: „Wir fühlten beide – ich denke klugerweise –, dass wir mit Dingen leben sollten, die wir beide mögen.“ So erinnerte sich David viele Jahre nach Peggys Tod im Jahr 1996. Anstatt Quelle von Auseinandersetzung sollten schöne Dinge Ausdruck ehelicher Harmonie sein. Und natürlich waren sie auch eine gute Investition. Die Rockefellers lebten mit den erlesenen Objekten in ihrem Besitz, die nun bei Christie’s unter den Hammer kommen. Darunter befinden sich neben den Gemälden der europäischen und amerikanischen Moderne oder amerikanischer FolkArt auch afrikanische und präkolumbische Objekte sowie Asiatica, außerdem dekorative Antiquitäten von Möbeln über Porzellan hin zu Silber. Und das Paar verband, noch stärker als die Kunst, die Liebe zur Natur. In ihrem Stadthaus in Manhattan und in den beiden herrlich gelegenen Anwesen in Pocantico Hills am Hudson River und auf Mount Desert Island in Maine rankten Kletterpflanzen, entfalteten sich Blumen, zwitscherten Vögel, krochen Insekten und flatterten Schmetterlinge über Gardinen, Sofas, Tapeten und Geschirr: Jede Mahlzeit war ein Picknick im Grünen.

          Im März 2017 starb David Rockefeller im hohen Alter von 101 Jahren. Er hatte schon Jahre zuvor den Verkauf seines Nachlasses durch Christie’s arrangiert; der amerikanische Sitz der französischen Auktionsfirma ist übrigens das New Yorker Rockefeller Center. Das könnte auch die Rückkehr von Mark Porter – nach nur drei Monaten beim Erzrivalen Sotheby’s – auf seinen alten Posten als Chairman von Christie’s für Amerika erklären, eine Rolle, in der er viele Jahre lang auch Privatkunden betreute – darunter die Rockefellers.

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