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Restitution : Kunst mit Vergangenheit: Restitution in Österreich

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Die Auktionshäuser tun ihr Bestes, um die Herkunft ihrer Ware transparent zu machen; dennoch rutschen immer wieder Kusntwerke mit ungeklärter Provenienz durchs Netz der enggeknüpften Sicherheiten.

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          Bei Werken von Klimt, Schiele, Kokoschka und ähnlichen aus dem Wien um 1900, für die sich das nationalsozialistische Regime interessierte, ist man in den letzten Jahren zu Recht sensibel geworden. Nach dem ersten Blick auf das im Katalog verzeichnete Bild gilt das Augenmerk sofort der Provenienz: Zu viele Klagen gab es in jüngster Zeit, zu viele Verfahren sind noch am Laufen, und zu Vieles wird sich nach mehr als sechs Jahrzehnten nicht mehr lückenlos klären lassen. Die Auktionshäuser tun - deutlich um ihren Ruf bemüht - ihr Bestes, um die Herkunft ihrer Ware transparent zu machen; dennoch rutschen immer wieder Stücke mit ungeklärter Provenienz durchs Netz der enggeknüpften Sicherheiten.

          Denn noch lange nicht alle Objekte, die damals durch diverse Hände gingen, sind digitalisiert. Und das Wiener Dorotheum zum Beispiel verfügt nicht einmal über alle Kataloge des eigenen Hauses und behilft sich mit dem Gang in die Bibliothek oder dem Ankauf antiquarischer Exemplare. In dieser Woche nun war es ein Gemälde von Friedrich Gauermann aus der Gruppe seiner Tierkämpfe, das vom Dorotheum zwecks näherer Prüfung aus der Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts genommen wurde. Der österreichische „Standard“, seit Jahren engagierter Beobachter der Recht- und Unrechtmäßigkeiten in Sachen Restitution und Provenienz, hatte herausgefunden, daß das mit 150 000 Euro taxierte Bild bereits 1943 - in der wahrlich nicht ruhmreichen Zeit des bis vor drei Jahren staatlichen Auktionshauses Dorotheum - unter einem anderem Titel versteigert worden war; die Zeitung vermutet weiter, daß das Bild einst der Sammlung der Familie Gutmann zugehörte. Eine Vermutung ist dieses allerdings, die man selbst aus Kreisen der Gutmann-Erben weder zu bestätigen noch zu dementieren vermag: Einer der Erben ließ auf Anfrage wissen, daß „niemand geschädigt werden solle, der gutgläubig Besitzer des Bildes ist“.

          Diese Gutgläubigkeit darf bei dem in den siebziger Jahren im Wiener Handel erworbenen Gemälde wohl tatsächlich angenommen werden. Freilich handelt es sich bei dem Gauermann nicht um einen Einzelfall: So wurden zum Beispiel bereits im November 2002 das Gemälde „Bildstock, Häuser und Bäume“ aus der Sammlung des in Theresienstadt ermordeten Zahnarzts Heinrich Rieger und die farbige Zeichnung „Stehende Frau im Profil“, beide von Schiele, aus einer Auktion des Dorotheums genommen. Während über „Bildstock, Häuser und Bäume“ bislang keine Einigung erzielt werden konnte, ist die Zeichnung Anfang Februar dieses Jahres - neben anderen Arbeiten Schieles, unter anderem aus dem Besitz des Kabarettisten Fritz Grünbaum oder der ehemaligen Leiterin der Galerie Würthle, Lea Bondi-Jaray - bei Sotheby's in London ohne weiteres Aufsehen als unbedenklich versteigert worden.

          Ein gänzlich unspektakulärer Weg wurde - ebenfalls in der vergangenen Woche und ohne daß zuvor die Öffentlichkeit etwas davon erfuhr - im Fall eines Loses aus der jüngsten Auktion bei Wolfdietrich Hassfurther in Wien beschritten. Dort wurde der Erlös aus dem Verkauf einer Kohlezeichnung von Egon Schiele, die ehemals Teil der Sammlung Rieger war, kurzerhand, nachdem dieser Sachverhalt bekanntgeworden war, vom Einlieferer des Blattes mit den Rieger-Erben geteilt.

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