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Rekordzuschlag für Carl Moll : Im Salon von Wien

Sensationspreis in Philadelphia: Im Auktionshaus Freeman’s erzielte „Weißes Interieur“ von Carl Moll einen Überraschungsrekord.

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          Im Auktionshaus Freeman’s in Philadelphia erzielte „Weißes Interieur“ von Carl Moll mit vier Millionen Dollar einen Sensationspreis für den österreichischen Künstler. Mit Aufgeld bezahlt der ungenannte amerikanische Sammler 4,756 Millionen; die Schätzung lag bei 300.000 bis 500.000 Dollar. Der bisher höchste Zuschlag für ein Gemälde Molls erging bei umgerechnet 340.000 Dollar für „Blick auf Nußdorf und Heiligenstadt“ 2007 im Dorotheum in Wien. Zuletzt öffentlich zu sehen war „Weißes Interieur“ 1908 bei der „Kunstschau Wien“ neben Gustav Klimts „Kuss“. Von dort kam es in Frankfurter Privatbesitz, um 1970 dann als Familienbesitz nach Kalifornien. Zu sehen ist Berta Zuckerkandl, geborene Szeps, 1905 im Speisezimmer ihrer Villa in der Wiener Nußwaldgasse, das von Josef Hoffman eingerichtet wurde. In ihrem Reformkleid verschmilzt sie mit dem leichten lichtdurchfluteten Interieur. Als Journalistin engagierte sich Zuckerkandl vehement für die Wiener Moderne, als Salonnière sah sie deren Protagonisten bei sich, Klimt oder Hugo von Hofmannsthal und Otto Wagner, auch Alma Mahler, vor ihrer Heirat mit Gustav Mahler noch Schindler, die die Stieftochter von Carl Moll war.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Moll war 1897 Mitbegründer der Wiener Secession neben Klimt, Koloman Moser oder Hoffmann. Er brachte als Galerist die Impressionisten und Van Gogh nach Wien; dennoch wurde er in den dreißiger Jahren zum Nationalsozialisten. Als russische Truppen Anfang 1945 in Österreich einmarschierten, beging er gemeinsam mit seiner Tochter Maria und deren Mann Selbstmord. Berta Zuckerkandl, die jüdisch war, konnte 1938 nach Paris fliehen, dann weiter zu ihrem Sohn nach Algier; sie starb 1945 in Paris. Das „Weiße Interieur“ soll angeblich demnächst in New Yorks „Neuer Galerie“ ausgestellt werden. Das Museum beherbergt die phänomenale Sammlung deutscher und österreichischer Kunst von Ronald Lauder.

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