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Beckmanns „Ägypterin“ : Wie aus einem Traum

Auf der Auktion - Das Gemälde „Weibliche Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ von Max Beckmann wurde für einen wahren Rekordpreis versteigert. Bild: dpa

Rekordpreis für ein Gemälde von Max Beckmann: Der „Weibliche Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ wurde für die höchste Summe verkauft, die jemals in einer Auktion in Deutschland für ein Kunstwerk geboten wurde.

          Der „Weibliche Kopf in Blau und Grau (Die Ägypterin)“ von Max Beckmann ist am Donnerstag in Berlin für 4,7 Millionen Euro zugeschlagen worden. Das ist die höchste Summe, die jemals in einer Auktion in Deutschland für ein Kunstwerk geboten wurde. Mit dem üblichen Aufgeld bezahlt der bisher anonym bleibende Käufer 5,53 Millionen Euro. Die Schätzung dafür hatte bei 1,5 bis zwei Millionen Euro gelegen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Es gibt eine ganze Menge Gründe für diesen Erfolg. So war das Bild in den wichtigen Beckmann-Ausstellungen in Europa und auch in Amerika zu betrachten, zuletzt 2003 in London und New York. Allerdings ist es bisher niemals auf dem Kunstmarkt erschienen, sondern blieb seit seiner Entstehung bis eben jetzt in privater Hand. Max Beckmann malte das Porträt 1942, als er im Exil in Amsterdam lebte. Weil seine Tagebücher dieser Jahre nicht vollständig zugänglich sind, ist vielleicht nie zu erfahren, ob seine Schöne der Nacht ihm wirklich begegnet ist. Sie ist geschmückt und um die Augen und auf dem Mund stark geschminkt, das macht sie einem der antiken Mumienporträts ähnlich und brachte ihr den Beinamen „Die Ägypterin“. Und sie scheint gleichsam nach rechts zu entschwinden; Traumbilder sind so, es gibt kein Festhalten. Der Maler selbst nennt sie in einem ungedruckten Tagebucheintrag übrigens „die Pythia“, wie die jungfräuliche Priesterin am Orakel von Delphi. Aber vielleicht eher des Geheimnisses wegen, das die Fremde umgibt.

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          Es war Erhard Göpel, der das Bild 1942 direkt in Beckmanns Amsterdamer Atelier erwarb; über 75 Jahre hin blieb es in seinem Besitz, nach seinem Tod bei seiner Ehefrau Barbara. Ins erwähnte Tagebuch schrieb Beckmann am 4.September 1942: „Ziemlich lang geschlafen und herum gelungert bis Pöki (Erhard Göpel) zum Abend kam zu ausgezeichnetem Stroganoff von Q--P./kaufte die Pythia./ Noch eine Flasche zusammen bei den Negresses.“ Göpel unterstützte Beckmann in der Zeit des Nationalsozialismus; nach dem Krieg kämpfte er für die Durchsetzung seines Werks. Gemeinsam erstellte das Ehepaar das Verzeichnis seiner Gemälde. Während er Beckmann vor ihnen schützte, war Göpel gleichzeitig an den Kunstraubzügen der Nationalsozialisten maßgeblich beteiligt, seit Februar 1942 auch an der Beschaffung von Werken für das geplante „Führermuseum“ in Linz. Er bediente sich nicht zuletzt aus jüdischem Besitz geraubter Werke.

          Während das ebenfalls 1942 gemalte Selbstporträt Max Beckmanns – das Barbara Göpel jüngst, in einem Konvolut mit weiteren seiner Arbeiten, den Staatlichen Museen Berlin als Schenkung übergeben hat  – im heimischen Wohnzimmer des Ehepaars hing, war die „Ägypterin“ für Besucher unsichtbar bewahrt, in diskreten Räumen Barbara Göpels. Jetzt ist sie richtig berühmt – und mit den bei Grisebach bewilligten 4,7Millionen Euro in die Spitze der Auktionspreisliste für Beckmann eingerückt. Dort steht mit weitem Abstand an erster Stelle die große „Hölle der Vögel“ von 1937/38, die vor einem Jahr in London für umgerechnet 36,45Millionen Euro zugeschlagen wurde. Es folgt das berühmte „Selbstbildnis mit Horn“ von 1938, das 2001 in einer New Yorker Auktion knapp 23Millionen Euro einspielte; Ronald Lauder kaufte es für seine „Neue Galerie“ in New York. Noch 11,67 Millionen Euro erzielte 2005 wieder in New York das „Selbstporträt mit Kristallkugel“ aus dem Jahr 1936. Die „Ägypterin“ steht auf Rang sechs dieser Liste: Sie ist an Beckmanns „Anni (Mädchen mit Fächer)“ von 1942 vorbeigezogen; ihr galt bei Grisebach 2005 ein, bisher hierzulande führender Zuschlag von 3,4Millionen Euro.

          In Zeiten, in denen absolute Spitzenstücke in den Auktionen, generell in Europa und Amerika, eher rar sind, ist ein in jeder Hinsicht zierliches Meisterwerk wie die „Ägypterin“ – sie misst grade sechzig mal dreißig Zentimeter – ein wahrer Lichtblick. Zumal wenn ein Gemälde so attraktiv ist wie dieses bezaubernde Bildnis, dessen Reiz das Mysterium der Identität der Dargestellten noch steigert. Hinzu kommt die lückenlose Provenienz, zumal in ihrer historischen Tragweite.

          Es ist kein „Museumsbild“, von denen Beckmann mit seinen dramatischen Großformaten nicht wenige geliefert hat. Die „Ägypterin“ ist ein klassisches Bild für Sammler, für flammende Liebhaber. Entsprechend waren bei der Auktion dreizehn Bieter an Telefonen aktiv, vier weitere engagierten sich im Saal. Sie kamen aus Deutschland, der Schweiz und Amerika; siegreich war am Ende eine ungenannte schweizerische Privatsammlung, bedeutend jedenfalls, so heißt es. Ob sie die dunkle Schönheit den Augen der Öffentlichkeit zeigen wird, ist ebenso nicht bekannt.

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