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Londoner Frühjahrsauktionen : Triumph der Klassischen Moderne

  • -Aktualisiert am

Die Auktionen in London bei Christie’s und Sotheby’s konnten Brexit und Lockdown trotzen: Es gab Rekorde und hohe Zuschläge für Moderne und Zeitgenossen.

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          London hat als Auktions-Standort 2021 seinen ersten großen Markttest seit dem Brexit und trotz des Lockdowns bravourös bestanden. Die Abende mit Moderne und Zeitgenossen lieferten Rekorde und starke Verkaufsraten. Das teuerste Los der Abendauktion mit Moderne und Zeitgenossen bei Christie’s war Jean-Michel Basquiats „Warrior“ von 1982. Jussi Pylkkänen stand zwar in London auf dem Rostrum, trotzdem feierte Christie’s mit dem Basquiat den Verkauf des teuersten, „je in Asien angebotenen“ Werks eines westlichen Künstlers, das heißt, es befand sich zum Zeitpunkt der Auktion in Hongkong. Der Hammer fiel bei 26,3 Millionen Pfund für einen Bieter am Telefon in Hongkong; die Taxe lag bei 22,5 bis dreißig Millionen Pfund.

          Der wohltätige Zweck feuerte sicherlich die beiden Bieter an, die um Banksys Gemälde „Game Changer“ stritten. Es zeigt einen Jungen mit einer als Krankenschwester gekleideten Superhelden-Puppe; der Künstler wird den Erlös der Wohltätigkeitsorganisation eines britischen Krankenhauses zugutekommen lassen. Ein Telefonbieter setzte sich mit dem Gebot von 14,4 Millionen Pfund (Taxe 2,5/3,5 Millionen) gegen einen Online-Bieter auf den Virgin Islands durch – ein weiterer Rekord für Banksy. Francis Bacons marktfrische „Sand Dune“ von aus dem Jahr 1981 ging knapp unter der Taxe für 4,3 Millionen Pfund an den Garantiegeber. Picassos „Femme nue couchée au collier (Marie-Thérèse)“ von 1932 erzielte 12,5 Millionen (9/15 Millionen), seine spätere „Femme assise dans un fauteuil noir (Jacqueline)“ 8,2 Millionen Pfund (6/9 Millionen). Aus der Kunstsammlung der Deutschen Bank kamen Lyonel Feiningers „Kirche über Stadt“, die ihre untere Taxe von 1,2 Millionen Pfund erklomm, und Ernst Barlachs Holzskulptur „Schwangeres Mädchen“ von 1924, die für 500.000 Pfund (350.000/550.000) an ein ungenanntes europäisches Museum ging. Die Sektion mit Surrealismus wurde angeführt von René Magrittes „Le mois des vendanges“ von 1959 aus der Sammlung von Claude Hersaint, das allerdings schon bei 8,5 Millionen Pfund (10/15 Millionen) zugeschlagen wurde. Insgesamt wurden bei Christie’s in der Abendauktion (die Bietern in Asien und Amerika zuliebe zur Mittagszeit in England stattfand) mit 76 von 82 angebotenen Losen 198,7 Millionen Pfund eingespielt; die Verkaufsrate nach Losen lag bei 93 Prozent.

          Dadaistische Collagen waren begehrt

          Bei der Tagesauktion mit Impressionismus und Moderne bei Christie’s kamen marktfrische deutsche Werke der zwanziger Jahre aus einer Privatsammlung unter den Hammer. Dadaistische Collagen waren begehrt: Kurt Schwitters’ „Mz 170. Leere im Raum“ stieg auf 350.000 Pfund (70.000/100.000), Hannah Höchs „Poesie“ erzielte 85.000 Pfund (35.000/55.000). Conrad Felixmüllers Spitzenlos „Selbstbild (Kopf)“ stieg auf 570.000 Pfund (150.000/250.000), und „Fragments de figure à l’ensemble des plans“ stellte mit 360.000 Pfund (200.000/300.000) einen Rekord für Otto Freundlich auf.

          Auch bei der Sotheby’s-Abendauktion „Modern Renaissance: A Cross-Category Sale“ tat sich die moderne Kunst der zwanziger bis vierziger Jahre hervor. Gleich zu Beginn stieg „Garden in Sochi“, ein bekanntes Werk des armenisch-amerikanischen Malers Arshile Gorky von 1940/41, auf stolze 7,3 Millionen Pfund (2,2/2,8 Millionen). Eine Gruppe mit Werken von Fautrier, Wols und Dubuffet aus einer belgischen Privatsammlung, entstanden zwischen 1944 und 1947, entfachte Bietgefechte: Dubuffets Paar „La cavalière au diamant (The Dancing Partner with Diamonds)“ stieg auf 5,2 Millionen Pfund (2,5/3,5 Millionen). „La Turquoise“ von Wols wurde schon bei 900 000 Pfund (1,2/1,8 Millionen) zugeschlagen. Ein später Höhepunkt war František Kupkas „Le Jaillissement II (Tryskání II)“ von 1922/23, das mit 6,4 Millionen Pfund (1,5/2,5 Millionen) einen Rekordpreis lieferte.

          Wiedersehen mit Dora Maar

          Das Spitzenlos, Edvard Munchs „Summer Day or Embrace on the Beach (The Linde Frieze)“, gemalt 1904 im Auftrag des Lübecker Augenarztes und Kunstsammlers Max Linde, ging nach langem Ringen für vierzehn Millionen Pfund (9/12 Millionen) an einen Bieter am Telefon in Hongkong. Munchs „Self-Portrait with Palette“ fiel mit 3,6 Millionen Pfund (4,6/6,5 Millionen) hinter die Erwartung zurück. Picassos großes Porträt der Dora Maar „Femme assise dans un fauteuil“ vom November 1941 ging für acht Millionen Pfund (6,5/8,5 Millionen) nach Asien, und für Oskar Schlemmers „Graue Jungmännergruppe“ von 1928 bewilligte ein Sammler die untere Taxe von 650 000 Pfund. Von den beiden untergemischten Renaissance-Werken konnte das „Porträt eines jungen Mannes“ von Piero del Pollaiuolo mit einem einzigen Gebot von 3,8 Millionen Pfund (4/6 Millionen) trotzdem einen Rekord für den Italiener aufstellen. Die Verkaufsrate nach Losen lag bei 87 Prozent, der Umsatz für die 41 (von 47) verkauften Lose bei 96,9 Millionen Pfund.

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