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Rechtsstreit : Eindeutige Belege in Sachen Kandinsky?

Das ist eine dankenswert klare Aussage: Denn sie kann doch nur heißen, dass in den zitierten Testamenten „Zwei schwarze Flecke“ - unter diesem Titel oder zumindest in präziser Beschreibung - aufgeführt ist. Genau damit aber wären die Lissitzky-Erben ein für alle Mal widerlegt: Bezweifeln doch deren Anwälte, dass sich das Aquarell jemals überhaupt im Besitz der Familie Beck befand.

Warum nicht ein klärender Blick ins Testament?

Also drängt sich eine simple Frage auf, die nicht juristischen Winkelzügen, sondern bloß dem gesunden Menschenverstand geschuldet ist: Warum hat man Kandinskys schönem Werk nicht seinen weiteren Weg geebnet, indem man die entsprechenden Passagen in den erwähnten Testamenten gegenüber den Erben nach Sophie Küppers-Lissitzky offenlegte? Unter Wahrung aller notwendigen Diskretion, das ist selbstverständlich; alles andere geht gegen die sinnvollen Regeln des Geschäfts. Und gewiss nicht, um das notorische Interesse der Öffentlichkeit an derartigen Auseinandersetzungen zu befriedigen.

Sondern schlicht, weil im Fall von Kunstgütern, auf denen auch nur der leise Verdacht nationalsozialistischen Diebstahls liegt, inzwischen eine hohe Sensibilität herrscht. Es hätte völlig gereicht, den im Auftrag der Lissitzky-Erben agierenden Anwälten - deren Argumentationslinie, wie berichtet, auch keineswegs lückenlos verläuft - mit einem eindeutigen Testament ihren möglichen Irrtum vor Augen zu führen. Damit wäre die Angelegenheit sehr wahrscheinlich erledigt gewesen. Die Lissitzky-Anwälte erklären aber, dass ihnen von Lempertz nie ein solches Dokument gezeigt worden sei.

Gefährliche Unsicherheit

Auf Anfrage dieser Zeitung sagt nun der Justiziar von Lempertz, dass diese Angabe stimme, dass allerdings die Anwälte auch nie darum gebeten hätten; doch die Anwälte könnten jederzeit Einsicht nehmen. Überdies sei in den Dokumenten nirgends Kandinskys „Zwei schwarze Flecke“ ausdrücklich erwähnt. Wie aber passt diese Auskunft mit der oben zitierten schriftlichen Stellungnahme zusammen?

Richtig ist: Der internationale Kunstmarkt, zumal der Auktionsmarkt, ist im Hochpreissegment unberechenbar. Was also den Verkauf von „Zwei schwarze Flecke“ am Ende verhindert hat, stehe dahin. Allerdings ist die Annahme zumutbar, dass ein Blick der Lissitzky-Erben in die von Lempertz angeführten Testamente jede unnötige Spekulation ausgeräumt hätte; denn nichts ist dem Kunsthandel weniger zuträglich als eine Unsicherheit, die nicht zuletzt an Emotionen rührt, jenseits juristischer Kautelen. Und eines ist sicher: Das Bedürfnis nach absoluter Transparenz, die Beseitigung auch des geringsten Zweifels an allfälligen Restitutionsansprüchen, ist zur conditio sine qua non des internationalen Geschäfts geworden. Das ist unumschränkt gut zu heißen.

Was bleibt: Die Causa Kandinsky wird hoffentlich noch ihre Klärung erfahren. Sollte das - beweisbar, von der einen oder anderen Seite - nicht mehr möglich sein, möge sie wenigstens eine gütliche Einigung finden. Endlich: Der Fall muss unbedingt Anlass zu einer ganz präzisen Klärung sein, was die Funktion des deutschen „Lost Art“-Registers angeht. Dieser Institution ist eine klare Verfassung zu geben, was ihre Entscheidungskompetenz über Einstellung oder Entfernung eines Kunstwerks angeht. Und das muss schnell geschehen.

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