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Raubkunst in Paris : Strohmänner, Profiteure und Möbelwagen vor den Häusern

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Die französische Kunsthistorikerin Emmanuelle Polack untersucht den Pariser Kunstmarkt zur Zeit der deutschen Besetzung von 1940 bis 1944.

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          Wenn es um Raubkunst und Provenienzen während des „Dritten Reichs“ geht, führen so viele Spuren nach Paris: Aus Frankreich wurden im Zweiten Weltkrieg, allein nach Deutschland, 100 000 Werke geschafft. Von 1940 bis 1944, als das Land unter deutschem Kommando stand und vom Vichy-Regime mitgelenkt wurde, diente Paris als zentrale Logistikplattform. Eine Flut frischer Ware ließ den Kunstmarkt florieren. Vieles kam aus den Beständen jüdischer Sammler und Galeristen. Was nicht dem Tausch diente, wurde verkauft oder versteigert.

          Parallel zu Untersuchungen, die zunächst unvermutete Spuren nach Paris verfolgten, ist während der vergangenen 25 Jahre die Aufarbeitung der Geschehnisse in Frankreich selbst Forschungsthema geworden. Als ein Pionier entsprechender Recherchen kann Jean Cassou gelten. Der 1940 zum Direktor des Musée national d’art moderne ernannte und kurz nach dem Einmarsch der Deutschen wieder abgesetzte, dann in der Résistance aktive Literat und Kunstexperte veröffentlichte schon 1947 ein Buch über den Raub von Kunstwerken und Bibliotheken aus dem Besitz französischer Juden durch die Deutschen. Zu den Zeitzeugen, die Grundlagenforschung betrieben, gehört auch Rose Valland. Die Kunsthistorikerin war am Musée du Jeu de Paume tätig, als es von den Deutschen zu einer zentralen Sammelstelle und Drehscheibe für geraubte Kunst gemacht wurde. Valland schrieb darüber ihr 1961 erschienenes Buch „Le Front de l’art, défense des collections françaises, 1939–1945“. Als Valland 1981 und Cassou 1986 starben, muss der Pariser Kunstmarkt der „années noires“ undurchschaubar gewirkt haben. In den achtziger Jahren existierten Datenbanken und Internet noch nicht, und besonders fehlte Klarheit über Begrifflichkeiten und Verflechtungen der Systeme, die Deutsche und Franzosen praktiziert hatten. Inzwischen vermitteln diverse Fallstudien Orientierung, sie gelten Opfern, aber auch Akteuren und Helfershelfern.

          Die Komplexität der historischen Konstellationen

          Provenienzforscher aller Nationen sichten Material und füttern Datenbanken, um Informationen miteinander austauschen zu können. Die Aufgabe, eine Zwischenbilanz vorzulegen, hat nun die Kunsthistorikerin Emmanuelle Polack mit ihrem Buch „Le marché de l’art sous l’Occupation 1940–1944“ souverän gelöst. Die Auseinandersetzung mit dem Kunstmarkt während der Besatzungszeit geht auf ihre Dissertation zurück. Es gelingt Polack, dem großen Publikum – das bisweilen Unverständnis gegenüber als zu langsam empfundenen Provenienzrecherchen äußert – die Komplexität der historischen Konstellationen und die zeitintensiven, mitunter nicht lückenlosen Pfade ihrer Rekonstruktion vor Augen zu führen. Grundlagen sind Verordnungen des Oberbefehlshabers des Heeres, Dekrete und Gesetze des Vichy-Regimes, Korrespondenzen und Berichte der deutschen wie französischen Verwaltungen, die teils eigenmächtig, teils kollaborierend agierten. Hinzu kommen oft summarische, nicht bebilderte Listen beschlagnahmter oder versteigerter Objekte und Dokumente aus privatem und öffentlichem Besitz, relativ rar sind Fotografien. Große Beachtung finden Auktionskataloge, sofern sie erhalten sind. Oftmals wurde nicht dokumentiert, was für ein Objekt den Besitzer wechselte – nicht selten mit Absicht: Der Nebel, der so verbreitet wurde, war Deckmantel in der damaligen Gegenwart, diente aber wohl auch als Vorsichtsmaßnahme für eine Zukunft unter potentiell anderen Vorzeichen.

          Das Buch fasst in sechzehn Kapiteln exemplarische Fakten zu einer Übersichtsdarstellung zusammen. Es macht mit wichtigen Personen und Dienststellen im Paris jener Jahre bekannt und zielt auf die Systeme, die sich im Zeichen von Antisemitismus und „Arisierung“ verbrüderten. Zugleich ist es Begleitbuch einer gleichnamigen Ausstellung, die Polack für die Gedächtnis- und Dokumentationsstätte Mémorial de la Shoah im Pariser Marais kuratiert hat. Dort führt etwa ein großer Stadtplan von Paris die 22 vor allem rund um die Place de la Madeleine, Place Vendôme und Rue La Boétie gelegenen Galerien auf, aus denen Werke abtransportiert wurden. Am Ende der klaren kleinen Schau lädt ein Lesesaal dazu ein, ältere und neuere Veröffentlichungen zum Thema einzusehen.

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