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Purrmann-Korrespondenz : Eine Künstlerehe und drei Pfeile

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Briefe von Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann aus ihrer Zeit in Paris geben tiefe Einblicke in Kunstszene.

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          Die Liste ist lang. Auf ihr stehen: Max Klinger, Max Liebermann, Lovis Corinth, August Macke, Franz Marc, Gabriele Münter, Paula Modersohn-Becker oder Max Pechstein. Im späten 19. und im frühen 20. Jahrhundert hat es viele prominente und noch mehr heute vergessene deutsche Künstler nach Paris gezogen. Doch die wenigsten konnten hier länger als ein paar Tage, Wochen und Monate Ausstellungen, Galerien und private Akademien besuchen oder gar ein Atelier mieten. Hans Purrmann (1880 bis 1966) und Mathilde Vollmoeller-Purrmann (1876 bis 1943) haben dagegen, von einigen Unterbrechungen abgesehen, mehrere Jahre in der damaligen Metropole der Kunst verbracht. Nun erscheint eine Auswahl ihrer Korrespondenz: Fünfundsiebzig zwischen dem Maler aus Speyer und der Malerin aus Stuttgart von 1909 bis 1914 gewechselte Briefe ergänzen das Bild eines deutschen Künstlerpaars in Frankreich, das sich am Montparnasse kennen- und liebenlernt und sich dann – in München – das Jawort geben wird. Wir verdanken ihnen auch neue Erkenntnisse zum Kunstmarkt der Zeit. Denn ihr Austausch beleuchtet ihr Umfeld, andere Künstler und Persönlichkeiten der Szene wie Händler, Sammler und Kritiker. Dazu zählen Paul Cassirer und Curt und Elsa Glaser in Berlin, Alfred Flechtheim in Düsseldorf oder Michael und Sarah Stein und Rainer Maria Rilke in Paris.

          Während Purrmann sich an Ausstellungen in Deutschland beteiligt, zeigt Vollmoeller ihre Bilder in Paris

          Hans Purrmann lebt seit 1905 vorwiegend in Paris, wo er mit einer Reihe anderer Künstler in Kontakt steht, manche kannte er bereits aus Deutschland und sieht sie nun vor allem im Café du Dôme wieder. Doch Mathilde Vollmoeller lernt er erst 1908 kennen. Dabei hielt sie sich bereits seit 1906 oder 1907 in Frankreich auf. Während Purrmann sich, von Paris aus, an Ausstellungen in Deutschland beteiligt, zeigt Vollmoeller zahlreiche ihrer Bilder in Paris – im Salon des Indépendants 1907, 1908 und 1911 und im Salon d’Automne 1907 und 1908, den vieldiskutierten Foren der Avantgarde.

          Im Briefwechsel eröffnen sich besondere Einblicke in das Verhältnis zu Henri Matisse. Er bestimmte seit 1905 das Pariser Kunstleben wie kein Zweiter – außer Picasso. Von 1908 bis 1910 betreute er an der „Académie Matisse“ Schüler aus Skandinavien, Mitteleuropa und Amerika, unter ihnen auch Purrmann und Vollmoeller. Matisse scheint in beider Leben von zentraler Bedeutung gewesen zu sein. Wenn allerdings Mathilde Vollmoeller in einem Brief im Juni 1910 erwähnt, dass sie Matisse im Louvre getroffen hat und das Gespräch mit ihm resümiert, wird auch das unterschwellig angespannte Verhältnis zwischen Meister und Schülerin deutlich. Angesichts der qualitätvollen Bilder, die man von ihr kennt, kann man sich kaum bloß künstlerische Gründe vorstellen. Und im Oktober 1912 – mittlerweile ist das Paar verheiratet und hat eine Tochter – teilt Purrmann ihr mit: „Auch bei Frau Matisse war ich, die wohl nett und liebenswürdig war, aber nicht ein Wort über Dich verlor, was mir sehr an der Seele nagte.“

          Die Herausgeber Felix Billeter (Hans-Purrmann-Archiv, München) und Maria Leitmeyer (Purrmann-Haus, Speyer) haben die anschaulich und lebendig geschriebene Korrespondenz kommentiert. Und auch Archivalien werden zum Sprechen gebracht – zum Beispiel eine bislang undatierte Fotografie, die sich im Nachlass der Purrmanns befindet. Die Ansicht wurde zwar als die des Café du Dôme bezeichnet, doch die Vermutung erwies sich als nicht haltbar. Die Aufnahme zeigt einen mit Platanen bepflanzten Boulevard oder eine Avenue in Paris. Im Zentrum steht ein hohes Eckhaus mit zwei kleinen Balkonen auf der Ecke, kurioserweise auf der zweiten und vierten Etage. Auf die Haustür verweisen ein mit Kugelschreiber aufgemalter Pfeil und das handschriftliche Wort „Eingang“. Ein zweiter Pfeil und das Wort „Bahnhof“ zielen auf einen Zaun. Ein dritter Pfeil gilt dem oberen Balkon. Den Blick auf den Bahnhof verstellt allerdings eine Vespasienne; so hießen in Paris, nach dem römischen Kaiser, die Pissoirs.

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