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Provenienzforschung : Schatzfund bei Karl & Faber

  • -Aktualisiert am

187 Versteigerungskataloge des Münchner Auktionshauses Hugo Helbing aus den Jahren 1896 bis 1937 lagerten im Keller von Karl & Faber. Bild: Karl & Faber

Faszinierende Quellen für die Provenienzforschung: In einem Münchner Keller wurden Auktionskataloge von Hugo Helbing aus den Vorkriegsjahren gefunden, mit Anmerkungen zu Käufern und Preisen.

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          Es ist doch immer wieder gut, ab und zu den Keller aufzuräumen. Bei einer solchen Aktion nämlich machte Rupert Keim, der Geschäftsführer des Münchner Auktionshauses Karl & Faber, einen erstaunlichen Fund. Im Tiefgeschoss der Firma, die er 2003 mit seiner Familie von Louis Karl übernahm, stieß er auf 187 Versteigerungskataloge des Münchner Auktionshauses Hugo Helbing aus den Jahren 1896 bis 1937, gespickt mit Randnotizen zu Verkäufern, Käufern und Hammerpreisen: eine Trouvaille von hohem Wert für Provenienz-, Sammlungs- und Kunsthandelsforschung. Hugo Helbings Auktionshaus, das als eines der bedeutendsten in Europa galt – es unterhielt Filialen in Frankfurt und Berlin, dort in Zusammenarbeit mit Paul Cassirer –, hielt in den Jahren 1887 bis 1937 mehr als achthundert Versteigerungen ab. Die Kataloge dazu schätzt die Forschung als „aufwendig illustrierte wissenschaftliche“ Unterlagen.

          Hugo Helbing war wegen seiner jüdischen Herkunft von 1933 an Repressalien durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. 1938 musste er sein Geschäft schließen. Im November desselben Jahres starb der Fünfundsiebzigjährige an den Folgen schwerer Verletzungen, die ihm die Schläger der Pogromnacht zugefügt hatten. Rupert Keim wird die Kataloge Johannes Nathan schenken, einem Nachkommen Helbings. Die Übergabe erfolgt am 28. April im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, dem Nathan sie als Dauerleihgabe überlässt. Den Rahmen bildet ein Online-Kolloquium zur Provenienz- und Sammlungsforschung.

          Das Besondere an den Annotationen in den Fundstücken ist, dass sie nicht von zufälligen Auktionsbesuchern stammen, sondern von Mitarbeitern des Hauses Helbing, was sie als besonders zuverlässig auszeichnet. Es liegen bereits eine Reihe solcher „Hand-“ oder auch „Protokollexemplare“ vor, doch verspricht der neue Fund weitergehende Erkenntnisse. Eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte wissenschaftliche Aufarbeitung soll sie ans Licht bringen.

          Randnotizen zu Verkäufern, Käufern und Hammerpreisen versprechen weitergehende Erkenntnisse für die Provenienz- und Sammlungsforschung.
          Randnotizen zu Verkäufern, Käufern und Hammerpreisen versprechen weitergehende Erkenntnisse für die Provenienz- und Sammlungsforschung. : Bild: Karl & Faber

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