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Preußen-Auktion : Elisabeth lädt zum Tee, Friedrich zum Kaffee

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Odysseus aus dem Teesalon: Zinkgussplastik der 1840er Jahre, 84 Zentimeter hoch, nach einem Modell von Christian Friedrich Tieck. Bild: Lempertz

Klassizistische Raritäten aus der Haus- und Hofhaltung des Hochadels: Vorschau auf die Preußen-Auktion bei Lempertz in Köln.

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          Vom fulminanten Teesalon der Kronprinzessin Elisabeth von Preußen im Berliner Schloss ist nicht viel übrig geblieben; der Zweite Weltkrieg und die Sprengung des Schlosses 1950 zerstörten fast alles. Von 1824 bis 1826 hatte Karl Friedrich Schinkel das ursprüngliche Musikzimmer Friedrichs des Großen zum spektakulären Raum für kulturelle Empfänge des Kronprinzenpaars umgestaltet: Eine von Schinkel entworfene Rundbank wie für eine römische Exedra, zwölf Stühle und zwei Bänke im antiken Stil zierten den Saal, in dessen Mitte ein großer vergoldeter Prunkkandelaber hing. Auf Architekturkonsolen in der Wandvertäfelung, zwischen Tondi mit antiken Darstellungen, fanden fünfzehn mythologische Marmorfiguren von Christian Friedrich Tieck ihren Platz.

          Heute vermittelt nur noch die Zinkgussplastik des „Sitzenden Odysseus als Heimkehrer“ als einziges überliefertes Exemplar einen Eindruck vom ursprünglichen Entwurf Tiecks für den Skulpturenschmuck. Die 85 Zentimeter hohe Skulptur ist auf 18.000 bis 25.000 Euro taxiert und eines der Highlights bei Lempertz’ „Preußen-Auktion“ am 24. April in Berlin. Preislich angeführt wird die Veranstaltung von einer 150 Zentimeter hohen und 81 Zentimeter breiten, prunkvollen Deckenkrone, die in der Berliner Bronzewarenfabrik Christian Gottlob Werner und Gottfried Mieth zwischen 1797 und 1815 produziert wurde. Der riesige Leuchter besteht aus vier dicht mit Glasprismen behangenen Reifen aus vergoldeter und versilberter Bronze, teils mit Quasten und Aufsätzen versehen, und einem zentralen Vasen-Element aus kobaltblauem Glas. Er befand sich von 1896 an im Besitz der Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg, bevor er später in französischen Staatsbesitz überging (Taxe 60.000–80.000 Euro).

          Vier Soldaten auf dem Schlachtfeld: Teller mit russischer Artillerie, Durchmesser 23,6 Zentimeter, KPM um 1806, geschätzt auf 6000–8000 Euro. Bilderstrecke
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          Preußische Heerführer

          Ebenfalls aus der Epoche des Klassizismus stammt Johann Heinrich Schröders marktfrisches Porträt der „Königin Luise von Preußen“, das 36 mal 28 Zentimeter misst (15.000–20.000). Mitte des 19. Jahrhunderts arbeitete Adolph von Menzel an einer zwölfteiligen Serie mit Bildnissen preußischer Heerführer. Die angebotene schwarzweiße Kreidezeichnung ist die „Studie für das Porträt des Generalleutnants Hans Karl von Winterfeldt“, einem der engsten militärischen Berater Friedrichs des Großen (12.000–16.000).

          Neben dem filigranen Kaffeeservice, das Friedrich II. für die Ausstattung seiner Schlösser bei der Berliner Porzellanmanufaktur KPM bestellte (8000–10.000), bereichern opulente Vasen die Offerte: Das Paar kobaltblauer Unikat-Vasen mit Schlangenhenkeln und fein gemalten Amoretten wurde bei KPM für die Weltausstellung gefertigt, es kommt aus der Berliner Sammlung E. Solovyeva und geht mit einer Erwartung von 18.000 bis 20.000 Euro an den Start. Die von plastischen, farbig staffierten Blütenranken umwundene „Deckelvase mit Putto als Knauf“, nach 1751 in der Berliner Porzellanmanufaktur Wilhelm Caspar Wegely entstanden, ist auf 6000 bis 8000 Euro geschätzt.

          Eine seltene oktogonale Berliner Tischuhr, deren Durchmesser lediglich fünfzehn Zentimeter beträgt, wurde zwischen 1680 und 1720 aus vergoldeter Bronze hergestellt (17.000–19.000). Die wunderschöne, große friderizianische Toilettendose, die aus vergoldetem Silber besteht und mehr als ein Kilogramm wiegt, liegt bei 20.000 bis 24.000 Euro. Zusammen sollen die 562 Lose aus sechs ungenannten und genannten Privatsammlungen 1,03 Millionen Euro einspielen.

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